Agnes Erkens und Erdal Aslan bieten magisch-suggestive Momente

Von: Johannes Bindels
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Erdal Aslan begleitete Agnes Erkens auf traditionellen Zupfinstrumenten beim Themenblock des Hohen Lieds Salomons in der Kirche St. Gangolf in Heinsberg. Foto: Johannes Bindels

Heinsberg. Welches Vergnügen menschliche Kreativität bereiten kann, wenn Lyrik und Musik eine Verbindung eingehen, das erlebten die Besucher eines Konzerts mit der Sängerin Agnes Erkens in St. Gangolf. Mit der Auswahl ihrer Lieder nahm die Künstlerin die Menschen mit auf eine Reise in die jüdische, islamische und christlich-abendländische Musikkultur.

Begleitet wurde sie von Erdal Aslan auf den traditionellen Zupfinstrumenten Oud, Saz und Baglama. Die Akustik des Kirchenraums nutzend, präsentierte Agnes Erkens die ganze Bandbreite ihres Könnens. Die Interpretationen der ausgewählten Lieder vom shir hashirim – dem Hohen Lied Salomos – und weiteren hebräischen Liebesliedern über sephardische und orientalische Lieder aus der Zeit der islamischen Kultureinflüsse in Spanien bis zu den frühmittelalterlichen Freundschaftsliedern waren gleichsam Beleg für das gegenseitige Befruchten multikulturellen Lebens.

Glockenhell und klar erklangen die ersten Töne des a cappella gesungenen „erev shel shoshanim“ (Nacht der Rosen). Die altjüdische Weise in der hebräischen Sprache klang geheimnisvoll, ein wenig fremd und ließ mangels Sprachkenntnissen den Zuhörer die Konzentration auf die Musik fokussieren.

Mit den nachfolgenden „el ginat egoz“ (der Winter ist vorüber), „shir hashirim ladonenu“ (das Lied der Lieder) und „ke tapuach“ (wie ein Apfelbaum) präsentierte das harmonisch miteinander agierende Duo Erkens und Aslan Teile des Hohen Lieds.

Wenn in diesen Beiträgen mit der einfühlsamen Begleitung Aslans zum Gesang die poetische Lyrik zum ästhetischen Genuss wurde, so war das Solospiel von Erdan Aslan beim „al yazmalim“ (Meine Geliebte, mit dem rotbestickten Kopftuch) auf der Baglama die Entführung in die orientalischen Klänge von 1001 Nacht.

„Im Zeitraum von 500 Jahren ab 711 n.Chr. gab es die gegenseitige Bereicherung der jüdischen und christlichen Kultur durch die islamischen Einflüsse“, führte Agnes Erkens in den zweiten thematischen Block der sephardischen Lieder ein.

Was mit dem unbegleiteten Beitrag „Paxarico sos mi alma“ (du bist ein kleiner Vogel, meine Liebe) begann, endete mit dem Solospiel Aslans von „direnish“, in dem die traditionelle türkische Zupftechnik als Saz-Spieler voll zum Tragen kam. Beim sephardischen Lied „abre tu puerta serrada“ (öffne deine Tür) demonstrierte das Duo in einer musikalischen Zwiesprache die musikalische Verschmelzung der Kulturen in Vollendung.

Im letzten thematischen Block wurden die frühmittelalterlichen Cantigas d´amigo, die Freundeslieder des Dichters Martim Contax, präsentiert. „Da Frauen zu dieser Zeit keine Lieder öffentlich singen durften, sangen Männer in Frauenkleidern“, erfuhr das Publikum von Agnes Erkens. Mit dem Hinweis, das Meer sei der Überbringer der Sehnsucht, trug Erkens in überzeugender Weise auch die Lieder „ondas do mar de vigo“ sowie „mia irmana fremosa“ vor.

Wie ein roter Faden zog sich das Thema Liebe durch die 15 Beiträge. So war denn auch beim letzten Beitrag „Ai Deus“ – ach Gott, wüsste mein Freund doch jetzt, wie ich mich sehne und wie ich verliebt bin“ das Thema Liebe im Mittelpunkt der gesungenen Poesie.

Ein rundum gelungenes Konzert endete damit, dass die Zuhörer einige Sekunden brauchten, aus der magisch-suggestiven Wirkung des Abends aufzutauchen, um den verdienten Beifall zu spenden.

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