Heinsberg-Oberbruch - Afrikafest: „Murakoze“ heißt in Ruanda „Dankeschön“

Afrikafest: „Murakoze“ heißt in Ruanda „Dankeschön“

Von: Anna Petra Thomas
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20 Mal „Danke“ in 20 Sprachen. Dazu stellten die Mitglieder des Vereins während des Gottesdienstes die 20 „kühnsten“ Projekte des Vereins vor. Fotos (4): Anna Petra Thomas Foto: Anna Petra Thomas
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Gemeinsam zelebrierten den ökumenischen Gottesdienst der evangelische Pfarrer Martin Jordan, sein katholischer Kollege Hans Schmitz und Evmenios von Lefke, Vikarbischof der griechisch-orthodoxen Metropolie von Deutschland (v. l.). Foto: Anna Petra Thomas
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Fatima Deckers (rechts) zeigte ihre Trommelkünste und moderierte das Programm. Foto: Anna Petra Thomas
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Farbenfroh: Bauchtänzerinnen eröffnen das Unterhaltungsprogramm des Afrikafestes. Foto: Anna Petra Thomas

Heinsberg-Oberbruch. Mit dem Wort „Danke“ war in diesem Jahr das Afrikafest des Oberbrucher Vereins „Wir für Ruanda“ in und an der Oberbrucher Realschule überschrieben. Deutlich machten die Vereinsmitglieder ihr Dankeschön nicht nur, indem sie das Wort während des ökumenischen Gottesdienstes in 20 verschiedenen Sprachen an ein weißes Tuch hefteten, sondern auch, in dem sie die 20 „kühnsten“ Projekte des Vereins vorstellten.

Von Decken und Betten war da die Rede, von Schulmaterial, Spaten und Saatgut, aber auch von der Ziegenbank, von Zisternen und Solaranlagen, ja sogar von einer kompletten Ausrüstung für einen OP-Saal. Mehr als 2,6 Millionen Euro hat der Verein in den vergangenen 21 Jahren zusammengetragen, um sie in seine ambitionierten Projekte zu stecken.

Das größte davon, das Zentrum für geistig behinderte Kinder in Kibilizi, stellte Vereinsgründer und Vorsitzender Dr. Bernd Bierbaum selbst vor, der die Gäste zum elften Afrikafest herzlich begrüßte. Seit 1995 würden diese Feste gefeiert, erklärte er. Im Rahmen des gemeinsamen Gottesdienstes würden sie anregen zum gemeinsamen Beten und zum Nachdenken über das, was Leben und die Aufgabe jedes einzelnen in diesem Leben sei. Vor zwei Jahren sei die Inklusion das Thema des Festes gewesen. „Die musste in Afrika erst einmal als Bedürfnis geweckt werden“, sagte er und leitete so über zu den Eckdaten dieses ehrgeizigsten Projekts.

Zehn Gebäude hat der Verein für das Zentrum errichtet, in dem heute mehr als 100 Kinder die Schule besuchen. Die ersten elf sind jetzt in die neue Berufsförderung gewechselt, in der sie an Tätigkeiten in Hauswirtschaft, Gartenbau oder Landwirtschaft herangeführt werden, „um in Zukunft selbst zum Überleben beitragen zu können“, so Bierbaum. Für 62 Kinder gebe es derzeit im Zentrum eine Frühförderung. „Der Traum ist, einen integrativen Kindergarten zu schaffen“, sagte er mit Blick in die Zukunft.

14 Lehrer sind im Zentrum beschäftigt, davon acht mit einer speziellen Ausbildung. Jedes Jahr würde das Zentrum zehn neue Kinder und zwei Lehrkräfte aufnehmen. Drei Klassen seien aus dem Zentrum heraus wieder in ihre Dörfer zurückverlagert worden. Die geistig behinderten Kinder, die zuvor Ausgestoßene gewesen seien, wären dort willkommen geheißen worden und würden nun am Leben der Schule teilnehmen können. „Wir haben das Denken umgestülpt“, erklärte Bierbaum. Die Vorurteile hätten deutlich minimiert werden können. Alles in allem würden dank des Zentrums heute mehr als 1000 Menschen in Ruanda menschwürdiger leben können.

„Doch das kostet rund 70.000 Euro pro Jahr. Dieses Geld müssen wir uns erarbeiten, und das ist harte Arbeit“, schloss Bierbaum mit einer unausgesprochenen Bitte um zahlreiche Spenden für den Verein. Bierbaums Dank ging aber auch an die vielen ehrenamtlichen Helfer und die Zelebranten des Gottesdienstes. Dies waren neben dem katholischen Pfarrer Hans Schmitz und seinem evangelischen Kollegen Martin Jordan auch Evmenios von Lefke, Vikarbischof der griechisch-orthodoxen Metropolie von Deutschland. Musikalisch gestaltet wurde er vom Heinsberger Chor „All that Joy“.

Schirmherren beeindruckt

Schirmherrn des diesjährigen Festes waren die beiden Bundestagsabgeordneten Wilfried Oellers (CDU) und Norbert Spinrath (SPD). Oellers zollte dem Verein für seine Arbeit Dank sowie Anerkennung und bot seine Unterstützung bei der Durchführung von Projekten an. Das tat auch Spinrath, der zugleich an alle Zuhörer appellierte, auch die Flüchtlinge, die derzeit nach Deutschland kämen, mit offenen Armen aufzunehmen. „Das ist ein Gebot der Nächstenliebe“, sagte er.

Ehrengast des Festes war Staatssekretär a.D. Dr. Richard Auernheimer aus Badenheim, der Präsident des Vereins Partnerschaft Rheinland-Pfalz-Ruanda. Bisher habe er nur das Zentrum für geistig behinderte Kinder gekannt, erklärte er. „Ich bin beeindruckt von der großen Differenzierung der Projekte, die durchgeführt worden sind.“

Während er sich mit den beiden Schirmherrn auf den Weg machte, die große Torte zum Afrikafest anzuschneiden, übernahm, wie schon am Vortag auch, die aus Marokko stammende Trommlerin Fatima Deckers die Moderation. Sie führte an beiden Tagen durch ein buntes Programm mit Musik und Tanz auf zwei Bühnen. Hinzu kamen ein großer Trödelmarkt, ein Büchermarkt, eine Autoausstellung, ein Kunsthandwerker-Markt und eine Verlosung. Nicht zuletzt blieb auch bei den Gaumenfreuden kein Wunsch unerfüllt. Das Angebot reichte von Kochbananen über nigerianisch gekochten Fisch und indische sowie portugiesische Spezialitäten bis hin zu deftigem Reibekuchen und zur Currywurst mit Pommes Frites, nicht zu vergessen die große Cafeteria.

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