Ärger zwischen SPD-Nachwuchs und Mutterpartei

Von: Monika Baltes
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Wegberg. „Ich bin immer bereit, für meine Überzeugung zu kämpfen, aber ich kenne meine Grenzen und verstehe auch, wann es sinnlos ist.“ Das klingt tief enttäuscht. Und enttäuscht ist er wohl auch, der ehemalige Vorsitzende der Jusos Wegberg, Niclas Meßmer, der sein Amt mit sofortiger Wirkung niedergelegt hat.

Frische Ideen wollte er einbringen und etwas bewegen, als er sich im Mai 2014 mit 15 Jahren zum Vorsitzenden der neu gegründeten Wegberger Jusos wählen ließ. Ganz wichtig sei ihm gewesen, dass die Jusos „eine eigene Meinung und Stimme“ haben. Vom Vorsitzenden des SPD-Ortsvereins, Rüdiger Birmann, sei ihm aber geraten worden, alles vorab abzuklären: „Genau damit habe ich ein Problem.“ Er wolle eigenständig denken, sich innerhalb seiner Argumente frei bewegen und selbst eine Entscheidung treffen.

Schon vor einem Jahr habe es große Unstimmigkeiten gegeben. Sehr persönlich seien die Angriffe damals gewesen. Um seinen Kleidungsstil sei es gegangen und um seine Ansicht, dass Wegberger Jusos sich im Karneval von Alkohol distanzieren sollten. „Krawatte, Sakko und Abstand zu Alkohol passten angeblich nicht zur Außendarstellung einer Arbeiterpartei.“ Nach einem guten Gespräch, wie er betont, seien die Streitigkeiten zwischen ihm und Birmann aber ad acta gelegt worden. Dennoch sei seitdem eine vernünftige Arbeit nicht mehr möglich gewesen. Auch die Vermittlung von Bürgermeister Michael Stock, dem er ausdrücklich für die Unterstützung dankte, habe daran nichts ändern können. Respekt in den Diskussionen habe er vermisst, sich eingeengt gefühlt, seine Arbeit nicht frei gestalten können.

Rüdiger Birmann, Vorsitzender des SPD-Ortsvereins Wegberg sieht das anders. Die Erklärung von Niclas Meßmer wollte er nicht kommentieren, versichert aber, den Jusos „nie einen Maulkorb erteilt“ zu haben. Anregungen und Unterstützung habe die Mutterpartei geben wollen, das sei völlig „legitim“. Ja, er habe Meßmer gebeten, zu den Planungen Rücksprache zu halten, eine normale Gepflogenheit. Selbstverständlich hätten die Jusos „frei agieren“ können. Zudem habe der Juso-Vorsitzende bereits vor drei Wochen mitgeteilt, für die im Mai stattfindenden Vorstandswahlen nicht mehr zur Verfügung zu stehen. Der jetzige sofortige Rücktritt sei überraschend und ohne Angabe von Gründen erfolgt.

Auch Niclas Meßmer weiß, dass es einen Unterschied gibt zwischen der Entscheidung, für Wahlen nicht mehr anzutreten und dem sofortigen Rücktritt. Was ist passiert in der Zwischenzeit? Auf seine Ankündigung, nicht mehr zur Wahl antreten zu wollen, sei lediglich ein „Kenntnis genommen“ von Birmann gekommen. Daraufhin habe er sich mit seinem Stellvertreter Marc München beraten und beide seien zu dem Ergebnis gekommen, mit sofortiger Wirkung zurückzutreten. Marc München führt für seinen Rücktritt die gleichen Gründe ins Feld wie Meßmer.

„Ich habe es mir nicht leicht gemacht, das Amt aufzugeben, an dem mein ganzes Herzblut hängt“, sagt der ehemalige Juso-Vorsitzende. Die SPD Wegberg nimmt auf ihrer Internetseite den Rücktritt „mit Bedauern zur Kenntnis“ und wünscht für die „kommenden Aufgaben eine glückliche Hand.“

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