Absturz der „Lana Turner“: Helmut Frenken recherchiert

Von: Rainer Herwartz
Letzte Aktualisierung:
7090753.jpg
Aus Richtung des heutigen Sportplatzgeländes kommend stürzte die B 17 in Oberbruch ab und rutschte bis in die Gärten hinter der Häuserzeile 3 bis 9 Am Markt, dem heutigen Aloysiusplatz (im Hintergrund zu sehen). Foto: Herwartz
7090760.jpg
In seinem Büro im Keller hat Helmut Frenken schon so manches Dokument der Oberbrucher Geschichte gesammelt. Foto: Herwartz

Heinsberg-Oberbruch. Sie war zweifellos eine der bekanntesten Diven glanzvoller Hollywood-Zeiten. Und gerade deshalb ist es kaum zu glauben, dass Lana Turner vor rund 70 Jahren ausgerechnet im beschaulichen Oberbruch schwer abgestürzt ist. Doch in gewisser Weise ist genau das geschehen.

Denn am 22. Februar 1944 fiel hier ein amerikanischer Bomber vom Himmel, der den Schriftzug „The Sweater Girl“ trug, das „Pullovermädchen“. Diesen Kosenamen erhielt Lana Turner von den amerikanischen Soldaten, nach dem sie sich zur Freude der Männerwelt bei Dreharbeiten in der für damalige Verhältnisse recht freizügigen Strickware präsentiert hatte.

Nicht etwa, dass sich der Oberbrucher Helmut Frenken auch in die Liste der Verehrer der blonden Schönheit vergangener Jahre einreihen würde, dennoch faszinierte ihn die Geschichte um den Absturz der „Fliegenden Festung“, wie die B 17-Bomber damals genannt wurden, so sehr, dass am Ende seiner Recherchen gar die amerikanischen Geschichtsbücher neu geschrieben werden mussten.

Noch mit Diesel betrieben

„Schon als kleiner Junge erzählte mir mein Vater Karl von diesem Ereignis“, erinnert sich Frenken. „Er musste als 16-jähriger Jungfeuerwehrmann an der Absturzstelle Feuerwache halten. Jedes Fahrzeug, das die Stelle passieren wollte, musste anhalten und mit dem Treibstoff des Flugzeugs den eigenen Tank voll machen, um die Brandgefahr zu minimieren. Damals ging das noch, denn die Flugzeuge wurden noch mit Diesel geflogen und nicht mit Kerosin.“

Heimathistoriker Willi Frenken hatte in ein paar Zeilen bereits in seinem bekannten Buch „Als der Tod vom Himmel fiel“ über den Absturz des Bombers berichtet. Wie durch ein Wunder war dabei niemand zu Schaden gekommen.

Helmut Frenkens Forscherdrang, der beinahe zufällig geweckt wurde, ging später jedoch weit über diese Informationen hinaus. Der Oberbrucher, der seinem Heimatort nicht nur durch sein Mandat im Rat der Stadt Heinsberg verbunden ist, sondern durch zahlreiche Ämter in den Vereinen, hatte im Info-Kasten an St. Aloysius einen Aufruf an die Bevölkerung gestartet, ihm doch historische Dokumente zu bringen, bevor diese eventuell im Müll ihr Ende fänden. Daraufhin hatte ihm Gertrud Tholen gleich ein paar Plastiktüten voll mit Bildern und Papieren auf den Tisch gelegt.

„Erst diese Dokumente, die ich im November letzten Jahres bekam, weckten so richtig meine Neugier“, sagt der 53-Jährige, der als Oberstleutnant in der Aachener Lützow-Kaserne seinen Dienst versieht. „Es waren nämlich Briefe ihres im Jahr 2005 verstorbenen Schwagers Willi Offermann aus Lindern von der und an die 379. Bomb. Group. Association in Amerika dabei.“ Genau dieser Einheit hatte auch „The Sweater Girl“ angehört.

„In meinem Weihnachtsurlaub, so um den 20. Dezember, habe ich dann mit den Recherchen begonnen. Nachdem ich den ersten Begriff der Bomberstaffel bei Google eingegeben hatte, ergab sich zu meinem Erstaunen ein ungeheurer Rattenschwanz an Informationen. Ich war so begeistert, dass ich mich kaum noch vom Computer lösen konnte bis nachts um drei oder vier Uhr – und das jeden Tag. Sogar an den Feiertagen hatte ich noch E-Mail-Kontakt zur Tochter des Bomber-Piloten John E. Morse.“

Bis heute haben ihn seine Nachforschungen etwa 150 Stunden gefesselt. Hunderte Seiten Bild- und Textmaterial trug er zusammen und knüpfte Kontakte zu Ehemaligenvereinen, Museen in den USA oder zu den Angehörigen der zehn Besatzungsmitglieder der abgestürzten Maschine. Die B 17 gehörte zu den Bomberstaffeln, die am 22. Februar 1944 im Rahmen der offensive „Big Week“ aus dem englischen Kimbolton, 80 Kilometer nördlich von London, in Richtung Deutschland aufstiegen. „Nach dem Abwurf ihrer tonnenschweren Bombenlast traten sie den Heimweg an, doch dieser war genau so gefährlich wie der Anflug, denn die Abfangjäger der Deutschen Luftwaffe und die Flak-riegel rund um deutsche Städte und Industrieanlagen oder Flugplätze bekämpften die Bomberflotte unerbittlich,“ beschreibt Frenken die Situation.

Ein solcher Flakriegel bei Köln war es denn auch, der „The Sweater Girl“ zum Verhängnis werden sollte. Schwer am rechten Flügel getroffen, versuchte der Pilot John E. Morse seine Maschine und die zum Teil durch Granatsplitter schwer verletzten Besatzungsmitglieder noch bis ins nahe Belgien zu retten. Dies war wohl nach Frenkens Feststellung der Grund dafür, dass die Amerikaner bis jetzt geglaubt hatten, der Bomber sei tatsächlich in Belgien abgestürzt. Doch nicht nur darin sollten sie irren.

Ein Nachbarflugzeug hatte nicht nur den Absturz am falschen Ort gemeldet, sondern war zudem davon ausgegangen, dass alle Besatzungsmitglieder hierbei ihr Leben ließen, so dass den Verwandten die traurige Nachricht „Killed in Action“ übermittelt wurde. In Wahrheit hatten sich alle Besatzungsmitglieder mit dem Fallschirm retten können. Nach den Augenzeugenberichten von Hans Josef Meurer aus Dremmen und Theo Esser aus Oberbruch kreiste die beschädigte B 17 etwa 30 Minuten führerlos über Oberbruch, um dann aus Richtung des heutigen Sportplatzgeländes kommend abzustürzen. „Sie rutschte bis in die Gärten hinter der Häuserzeile 3 bis 9 Am Markt, dem heutigen Aloysiusplatz, und kam durch den Kontakt des linken Flügels mit einem Baum zum Stehen“, erklärt Frenken.

Stehen bleiben in seinen Nachforschungen um die Oberbrucher Geschichte will Frenken allerdings nicht. Das Ergebnis seiner Recherche, das er schon fein säuberlich dokumentiert hat, würde er gerne in einer Ausgabe des Heimatkalenders unterbringen, sagt er. Und wer ihn bei seiner weiteren Recherchearbeit unterstützen möchte, ist herzlich dazu eingeladen unter Telefon 02452/66167 oder helmut.frenken@onlinehome.de.

Leserkommentare

Leserkommentare (1)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert