Erkelenz - Abschwung, Aufschwung, Galasitzung: 150 Jahre Hoppesäck

Abschwung, Aufschwung, Galasitzung: 150 Jahre Hoppesäck

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1957 übernahm die Karnevalsgesellschaft wieder das närrische Treiben und wurde mit der Pferdchengarde über die Grenzen von Lövenich hinaus bekannt. Die Junggarde kam als „Leichte Kavellerie”. Repro: Dahmen

Erkelenz. Die traditionsreiche Karnevalsgesellschaft Lövenicher Hoppesäck 1861 e.V. feiert in diesem Jahr ihr 150-jähriges Bestehen. Grund genug, dieses Jubiläum gebührend zu feiern.

So lädt die Jubiläumsgesellschaft am Sonntag, 16. Januar , um 11 Uhr zu einem „Karnevalistischen Jubiläumsfrühschoppen” in die Mehrzweckhalle Lövenich ein.

Neben einheimischen Garde- und Showtanzgruppen wirken unter anderem die „Die Krefelder Fanfaren”, die Mundart-Gesangsgruppe „Hätzblatt”, „Die letzten 2 von 1911”, José Coenen und Michael Leuer aus Lövenich, „Op Jöck”, das tanzende Livegesangs-Quintett aus Lövenich, die „Prinzengarde des HKV” aus Heinsberg, „Die Lövenicher Seitenspringer” und viele andere mit. Ehrungen, Überraschungsauftritte sowie anschließende Tanzmöglichkeit runden bei freiem Eintritt das Programm ab.

150 Jahre „Karnevalsgesellschaft Lövenicher Hoppesäck” - 15 Jahrzehnte Pflege eines geliebten Brauchtums - sicherlich auch ein Datum, einmal zurück zu blicken auf die Anfänge.

Bereits Mitte des 19. Jahrhunderts verstanden es die Lövenicher Narren, Karneval zu feiern. Erstmals am 11. Februar 1861 weist eine Anzeige im „Erkelenzer Kreuzblatt” auf die Aktivitäten der „Künstler-Gesellschaft Hoppesack” hin. Wahrscheinlich jedoch ist die Gesellschaft noch älter.

Bis um die Jahrhundertwende waren es überwiegend Theateraufführungen und „Carnevalistisch-humoristische Abendveranstaltungen” mit „Schwänken und lustigen Vorträgen”, jedoch auch einzelne „Sitzungen” die durch die „Carnevalsgesellschaft Hoppesäck” dargeboten wurden. 1870 wird von einem ersten Masken-Aufzug berichtet.

1893 setzte sich ein Rosenmontagszug mit 14 Programmabteilungen in Bewegung. 1908 gab es dann in Lövenich eine erste Damensitzung, und ein Jahr später zählte der Rosenmontagszug bereits 35 Zugwagen und -gruppen. An den Karnevalsabenden wurden „Große Kostümfeste” und „Große bunte Karnevalstreiben” veranstaltet.

Besetzungsmacht gegen Narren

Nach dem Ersten Weltkrieg duldete die Besatzungsmacht keinen Karneval in Lövenich. So dauerte es bis 1926, bis die Menschen wieder das alte Brauchtum pflegen durften. Im Februar 1927 wurden die Hoppesäck wieder aktiv, und es gab nun wieder Jahr für Jahr karnevalistische Veranstaltungen aller Art.

Der Zweite Weltkrieg brachte wiederum sämtliche karnevalistische Aktivitäten zum Erliegen. Wie aus dem Archiv der Gesellschaft zu entnehmen ist, fing 1951 der organisierte Karneval wieder an, der ab 1952 unter der Trägerschaft der Interessengemeinschaft Lövenicher Ortsvereine stand und bis 1956 von Jahr zu Jahr erfolgreicher war. „Die Gesellschaft jedoch ruhte” während dieser Zeit. Das mag auch der Grund dafür gewesen sein, weshalb die Interessengemeinschaft die Gründung einer selbständigen Karnevalsgesellschaft anregte.

Im Jahre 1956 war es dann wieder soweit. Die „Karnevalsgesellschaft Lövenicher Hoppesäck 1861 e.V.” wurde wiederbegründet. Viele Jahre erfolgreicher Arbeit folgten nun und die Gesellschaft war auf verschiedenen Ebenen aktiv.

Abschwung und Winterschlaf

Nach einem leichten Abschwung war 1962 wiederum ein Tiefpunkt erreicht. Die vorläufig letzten Veranstaltungen unter der Regie der Karnevalsgesellschaft wurden durchgeführt. Der Hoppesack war jedoch nicht tot, er verfiel sozusagen in einen winterschlafähnlichen Zustand.

Nach zehn Jahren ging endlich ein Ruck durch die Lövenicher Narrenschar. Am 15. April 1972 wurde ein neuer Vorstand gewählt. Nach der ersten Galasitzung 1973 sah man ein, dass es ohne Elferrat nicht ging. Tanzgarden wurden gegründet, und durch gezielte Jugendarbeit blickt die Gesellschaft heute auf drei weibliche Tanzgruppen, von denen einige bei Kreis-, Verbands- und BDK-Turnieren Siege und gute Platzierungen erzielen konnten (ebenso Qualifikation, Teilnahme und ansprechende Platzierungen bei den Deutschen Meisterschaften).

Seit zwei Jahren besitzt die Gesellschaft ein eigenes, 18 Mann starkes Männerballett, „Die Lövenicher Seitenspringer”, welches ebenfalls zu überzeugen weiß. Der Straßenkarneval lebte wieder auf. Die Lövenicher und Kleinbouslarer Bevölkerung zeigten einen ungeahnten Einfallsreichtum beim Wagenbau und der Kostümgestaltung und scheuten sich auch nicht, mit brisanten Themen durch Lövenich zu ziehen.

Im Vordergrund standen nun die Galasitzungen. Nach Fertigstellung der Mehrzweckhalle im November 1975 konnte man endlich diese Veranstaltungen in einem angemessenen Rahmen durchführen. Es wurden namhafte, erstklassige Künstler und Gruppen verpflichtet. Auch die kommende Galasitzung am 19. Februar verspricht wieder ein tolles Programm mit vielen Höhepunkten und bekannten Größen des Rheinischen Karnevals.

Die Tanzveranstaltungen fanden großen Anklang, wobei besonders der weit über die Grenzen des Erkelenzer Landes hinaus bekannte „Lumpenball”, der das Karnevalsfieber bis zum Siedepunkt steigen ließ, hervorzuheben ist. Anstelle dieser Spitzenveranstaltung ist vor 16 Jahren die „Beachparty” getreten, die sich am Rosenmontagnachmittag und von Jahr zu Jahr größerer Beliebtheit bei Jung und Alt erfreute.

Mit eigenem Hopfen gebraut

Seit 1994 wurde durch die Gesellschaft eine Lövenicher Tradition wiederbelebt, der Hopfenanbau, und seitdem wird Jahr für Jahr aus eigenem Hopfen das begehrte „Hoppebräu” gebraut. Im gleichen Jahr stand auch die Gründung der gesellschaftseigenen Damenformation der „Hoppeblömkes” an. Im Jahre 1995 wurde ein Senat gegründet. Die Herren Senatoren verstehen sich als Freunde und Förderer der Gesellschaft und setzen sich für die Erhaltung und Pflege des Lövenicher Karnevals, insbesondere der Tanzgarden, ein.
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