Abschied mit Tränen und Ovationen: Pater Tanye verlässt Wassenberg

Von: Anna Petra Thomas
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Bei seiner letzten heiligen Messe in St. Georg wurde Pater Dr. Gerald Tanye (Mitte) begleitet von Pfarrer Deusdedit Musinguzi und Gemeindereferentin Eva-Maria Jessen (von links) sowie Propst Thomas Wieners und Pfarrer George Pana (von rechts). Fotos (2): Anna Petra Thomas Foto: Anna Petra Thomas

Wassenberg. Lang anhaltender Beifall und Ovationen, sie dürften für die Propsteikirche von St. Georg bei einer Messe wohl zu einer absoluten Rarität gehören. Nach der Predigt von Pater Dr. Gerald Tanye im Rahmen seines Abschiedsgottesdienstes applaudierten die Besucher der Kirche jedoch nicht nur, sondern sie erhoben sich zugleich von ihren Bänken.

Bei vielen der anwesenden Gläubigen flossen erste Tränen, denen beim Empfang im Pfarrheim später noch viele mehr folgen sollten. Tanye selbst rang bereits während des feierlichen Einzugs in die Kirche sichtlich um Fassung.

„Ich bin so aufgeregt“, hatte er vor seiner letzten offiziellen heiligen Messe für die Mitglieder der Pfarrei St. Marien in der Sakristei gestanden. „Ich weiß gar nicht, ob ich überhaupt gleich ein Wort herausbekomme.“ Ganz ähnlich ging es da Propst Thomas Wieners.

Er habe nicht einmal frühstücken können, berichtete er den Gläubigen nach dem Einzug vom Ambo aus, bevor er Tanye bat, seine letzte Messe auf Wassenberger Boden zu zelebrieren. Mit dabei waren auch seine Mitbrüder George Pana, der aus Indien stammt, und Deusdedit Musinguzi aus Uganda, der sich noch in Rom in Ausbildung befindet und aktuell ebenfalls in Wassenberg tätig ist.

„Dieser Tag ist für mich nicht leicht“, begrüßte Tanye die Menschen in der voll besetzten Kirche. „Ich möchte Gott mit Ihnen Dank sagen, dass er uns zusammengeführt hat“, erklärte er. „Ich möchte Gott danken, dass Sie mich aufgenommen, unterstützt, getragen und reich beschenkt haben.“ Er habe eine Heimat gefunden in Wassenberg, betonte Tanye. Eine Heimat, die er nun verlassen muss.

Bekanntlich wurde der 47 Jahre alte Steyler Missionar, der aus Ghana stammt und seit dem Abschluss seiner Promotion im Jahre 2010 in Wassenberg als Pfarrvikar tätig war, in diesem Jahr von seinem Orden gebeten, für das Amt des Vize-Provinzials für die deutsche Provinz des Ordens zu kandidieren.

Er wurde gewählt und ist der erste Ausländer in diesem Amt. Damit einher geht seine Versetzung nach Berlin-Charlottenburg, wo er nach einer Reise zu seiner Familie in Ghana am 27. November als Pfarrer der Katholischen Kirchengemeinde Heilig Geist eingeführt wird.

In seiner Predigt hätte Tanye eigentlich auch gleich von sich sprechen können, als er von Abraham und Sara berichtete, die dem Ruf Gottes gefolgt seien, alles hinter sich zu lassen und in eine neue Welt zu ziehen – so wie er doch einst seine Heimat Ghana verließ und sich jetzt von Wassenberg verabschieden muss, das er ebenso liebgewonnen hat.

Doch dann kam er ganz offiziell zum zweiten Punkt seiner Predigt, wie er ihn nannte. „Das sind meine letzten Worte. Und das erste davon lautet Danke. Danke von ganzem Herzen für eine wunderschöne Zeit mit Ihnen bei uns“, sagte er. Seine Zeit in Wassenberg sei und bleibe für ihn eine beeindruckende und bereichernde voller wunderschöner und wertvoller Erinnerungen.

Er habe erlebt, wie wunderbar es sei, eine Heimat zu finden, in die man einfach hineingehöre. „Und die Dankbarkeit dafür ist das Gedächtnis des Herzens“, erklärte er. Sich bei jedem einzelnen zu bedanken, sei ihm nicht möglich. Dies sei eine Liste, die kein Ende finden würde. „Ich werde mich kurz fassen, was nicht gerade meine Stärke ist“, schmunzelte er und verbreitete damit dann doch die von ihm bekannte Heiterkeit, die ihm angeboren scheint.

Persönlich ging sein Dank zunächst an Wieners, der ihn so kollegial akzeptiert habe. „Hand in Hand habe ich sehr viel von dir lernen dürfen“, sagte er ihm. Er dankte allen Vertretern der kirchlichen Gremien, den Vertretern der Stadt sowie denen von Vereinen und allen anderen Vereinigungen. Sie alle würden den Glauben in der Stadt und in der Pfarrei St. Marien lebendig halten.

Dann wandte er sich an die Vertreter von Kindergärten und Schulen, an die Jugendgruppen in Vereinen sowie an die Kinder und Jugendlichen selbst. „Mit Euch sind wir noch lebendiger. Ihr seid spitze!“, rief er ihnen zu. „Die Begleitung von Kindern und Jugendlichen ist die wichtigste Aufgabe in unserem Leben!“

Schließlich dankte er allen, die sich während seiner Zeit in Wassenberg mit ihm für die orthopädische Kinderklinik in Ghana und für das Schulprojekt in seinem Heimatdorf engagiert haben. „Wir haben gemeinsam von Gott getragen viel erreicht. Ich traue Ihnen allen zu, dass Sie diesen Weg auch in Zukunft weitergehen können“, schloss er.

Er jedenfalls werde alle Wassenberger im Herzen mitnehmen und sie alle in guter Erinnerung gehalten, versprach er. „Es sind schon so viele Tränen geflossen. Aber das sind doch Tränen der Verbundenheit!“

Nach dem Gottesdienst, der musikalisch vom Kirchenchor und der Band „Jo(y)in Jesus“ gestaltet wurde, und weiteren Abschiedsreden hatten alle Wassenberger Gelegenheit, mit dem Kauf von Rosen Tanyes Projekte in Ghana weiter zu unterstützen und sich bei einem Empfang im Pfarrheim auch noch persönlich von ihm zu verabschieden.

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