Abendwanderung durch Kleingladbach

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Wie früher um den Lindenbaum scharten sich beim Rundgang durch Kleingladbach die Teilnehmer der Führung des Heimat-AK um die Orts-Stele vor der Kirche.

Hückelhoven-Kleingladbach. Das hatte streckenweise Prozessions- Charakter: Rund 90 interessierte Menschen – die älteste Dame um die 90 und mit dem Rollator unterwegs, die kleinste Dame, knapp zwei Jahre, ließ sich meist im Kinderwagen kutschieren – bildeten eine lange Reihe bei der jüngsten Führung des Arbeitskreises Hückelhoven im Heimatverein der Erkelenzer Lande (Heimat-AK) durch Kleingladbach.

Rita Zurmahr-Tabellion und Hückelhovens „Nachtwächterin“ Gerda Boisten vom Heimat-AK machten die Wanderung am Rand und auf der Rurterrasse am frühen Abend zu einer informativen Tour d’Horizon über Gebäude und Landschaft. Dabei wähnte sich manch einer der Wanderer streckenweise in lauschigen Eifeltälern. Vor allem im Tal des von Golkrath her kommenden Mühlenbachs und in der Tieflage Am Gladbach unterhalb der Stephanus-Kirche mit ihrer Wasser-Wiesen-Landschaft taten sich überraschende Sichten auf.

Das 2200-Einwohner-Dorf Kleingladbach war bis 1935 eine eigenständige Gemeinde, die in dem Jahr mit Hückelhoven, Ratheim und Hilfarth zur Gemeinde Hückelhoven zusammengeschlossen wurde. Die dörfliche Wirtschaft war geprägt von Ackerwirtschaft, Flachsanbau, zahlreichen Brauern, Korb- und Holzschuhmachern.

Bis 1793 gehörte Kleingladbach zum Amtsbezirk Wassenberg im Herzogtum Jülich, Werner von Paland war der Amtmann, dem heute noch die Kleingladbacher Hauptdurchgangsstraße gewidmet ist. Nach einer Sage, so die Nachtwächterin Gerda Boisten, soll eine Tochter des Amtmanns im Gladbach ertrunken sein.

Lustige Erinnerungen

Rita Zurmahr-Tabellion stellte auf dem Rundweg markante Gebäude des Ortes vor, zu denen auch Teilnehmer des Rundgangs Beiträge leisteten, vor allem die alte Schule brachte eine Reihe lustiger Begebenheiten zu Tage.

Unter blauem Himmel und einigen weißen Wölkchen mit Land- und Grillduft durchmaß die ortsinteressierte Großschar Kleingladbach, streifte die Bronzestele vor der Stephanus-Kirche, auf der der Künstler Peter Hodiamont eine Reihe ortstypischer Elemente verewigt hat. Die Kirche selbst erläuterte Nachtwächterin Boisten genauer, die sich außerdem auch auf Sagen und Legenden verstand. So erzählte sie die Geschichte der geheimnisvollen Stadt Haestern, die nördlich von Kleingladbach gelegen haben soll und von Gripekovener Raubrittern zerstört worden sei. Noch heute heißt ein Areal dort „Gut Haestern“, es werden von Bauern immer noch Ziegelsteinreste gefunden.

Stationen des Kleingladbacher Frühabends waren außerdem die neue Schule, die Mehrzweckhalle sowie das alte und das im Entstehen begriffene neue Haus der Freiwilligen Feuerwehr. Geöffnet waren die Tore des früheren Gasthauses „Mühlenhof“, das am Natur-Grünzug „Nünes“ mit seinem alten Misch-Baumbestand und dem mäandrierend murmelnden Bach liegt, der von der Höhe in einer Art Schlucht ins Rurtal fließt und als Millicher Bach in die Rur mündet.

Kinderwagen, Rollator und Füße strebten nach fast zwei Stunden dem Pfarrheim zu, wo Bier und alkoholfreie Getränke auf die erschöpften aber gut informierten Spaziergänger warteten.

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