Hückelhoven - Abend der Kulturen bietet ein abwechslungsreiches Programm

Abend der Kulturen bietet ein abwechslungsreiches Programm

Von: Sebastian Riechel
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Die Kindertanzgruppe des Vereins Kolorit eröffnete den Abend. Ihre farbenfrohe Darbietung war Sinnbild des Programms. Foto: Sebastian Riechel

Hückelhoven. „Vielfalt verbindet“ – so lautet das diesjährige Motto der Interkulturellen Woche in Hückelhoven. Dazu fand in der Aula des Gymnasiums der Abend der Kulturen statt. Birgit Fluhr-Leithoff vom „Arbeitskreis Interkulturelle Woche“, die gemeinsam mit Andrea Kardis, Integrationsbeauftragte der Stadt Hückelhoven, diesen Abend organisiert hatte, begrüßte die Gäste herzlich und versprach ein buntes und vielfältiges Programm.

Unter ihnen waren auch der CDU-Landtagsabgeordnete Thomas Schnelle und als Schirmherr der Landrat Stephan Pusch. Letzterer dankte allen Mitwirkenden und schlug nachdenkliche Töne an. „Das, war sich Gruseliges am vergangenen Wahlsonntag ereignet hat, stimmt mich sehr nachdenklich. Ich möchte morgen immer noch in einem Deutschland und nicht in einem ,Gauland‘ aufwachen.“ Deshalb sei es wichtig, für Vielfalt in unserer Gesellschaft aktiv einzutreten und zu werben. Eine Veranstaltung wie der Abend der Kulturen sei ein wichtiges Puzzlestück in diesem Prozess.

Diese Vielfalt, die verbindet und nicht trennt, hob Birgit Fluhr-Leithoff hervor. „Allein in Hückelhoven gibt es genau 100 Nationalitäten. Hinter jeder dieser Nationalität verbergen sich Menschen mit Geschichten, teilweise schweren Schicksalen.“ Einer von ihnen ist Fisnik Zeynullahu, ein Schüler des Hückelhovener Gymnasiums, der Ende dieses Schuljahres sein Abitur machen wird. Er besitzt sowohl die serbische als auch die deutsche Staatsbürgerschaft, da seine Eltern 1990 aus dem Kosovo flüchteten, er selbst aber in Deutschland geborgen ist. „Was mir an der Schule und meinen Freunden so gut gefällt, ist die Tatsache, dass es eine sehr tolerante Schule ist und meine Mitschüler mit einer gewissen Distanz auf ihre Nationalität oder auch Religion schauen können. Ich bin stolz darauf, Teil der deutschen Integrationsgeschichte zu sein“, merkte er an.

Ein neues Leben aufbauen

Anders als der Gymnasiast lebt Amrou Arab erst seit gut zwei Jahren in Deutschland. Er kam im Herbst 2015 mit seinen zwei Brüdern unter anderem über die Türkei und Griechenland nach Deutschland. „Ich war sozusagen Teil der großen Welle“, erklärte er. Anfangs habe er noch keine Arbeitserlaubnis gehabt, deshalb habe er, vor allem um die Sprache zu lernen, ehrenamtlich bei der Tafel in Hückelhoven gearbeitet. Inzwischen hat sein größerer Bruder einen Job bei einem Paketzusteller gefunden, sein kleinerer Bruder ist auf dem Hückelhovener Gymnasium und er selbst hat einen Sprachkurs erfolgreich abgeschlossen. Besonders freut ihn, dass seine Eltern und seine Schwester im Zuge eines humanitären Programms der Vereinten Nation letzten Monat nach Deutschland kommen konnten. Nun könne sich seine Familie in Deutschland ein neues Leben aufbauen.

Wertschätzung und Freiheit

Der sehr abwechslungsreiche Abend der Kulturen zeichnete sich auch dadurch aus, dass Gesangs- und Tanzeinlagen Teile des Programms waren. So begann der Abend mit der Kindertanzgruppe des Vereins Kolorit, ein Bildungs-, Sport- und Kulturverein, dessen Schwerpunkt die Integrationsarbeit russischer Zuwanderer ist. Ein Hingucker war der Auftritt des Frauenchors Rjabinushka in traditioneller russischer Tracht, dem sogenannten „Sarafan“. Die Mitglieder des Chors, der ebenfalls zum Verein Kolorit gehört, sind alles Frauen, die in Russland geboren sind, teilweise aber schon viele Jahre im Kreis Heinsberg leben. Dieses Jahr feiern sie 25-jähriges Bestehen und waren zum vierten Mal Teil des Abends der Kulturen.

Darüber hinaus konnten sich die Besucher in der Aula auch an drei Liedern, gesungen von Jonas Wender und Lisa Jäckel, sowie an der Darbietung von Elena Schmidt am Flügel erfreuen.

Besonders beeindruckte die Zuschauer der Vortrag von Nuran Joerißen. Sie ist gebürtige Türkin, kam mit zwei Jahren nach Deutschland und wurde mit 14 Jahren zwangsverheiratet. Deshalb setzt sie sich in besonderem Maße für Frauenrechte ein. „Seit elf Jahren habe ich meine Eltern nicht gesehen, irgendwann habe ich entschieden, dass es besser ist, wenn wir uns trennen“, sagte sie. Sie ist der Überzeugung, dass Kinder mit Migrationshintergrund es schwerer haben, wenn das Elternhaus sehr religiös und konservativ einstellt ist. Dennoch kenne sie unzählige tolle türkischstämmige Familien, in denen die Eltern die Kinder positiv prägten. „Was uns Menschen verbindet, ist der Wunsch nach Wertschätzung, Selbstverwirklichung und der Drang nach Freiheit.“

Gelungener Abschluss

Das Ende des Abends bildete die Darbietung eines tamilischen Tanzes, der ursprünglich aus Sri Lanka kommt und für einen gelungenen Abschluss sorgte.

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