76 Arbeitsplätze von Schließung zweier Firmen betroffen

Von: Anna Petra Thomas
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So steht es bei der Kallisto Stahltechnik auf der Homepage. Foto: Screenshot

Heinsberg. Auf der einen Internetseite prangt es jetzt als dicker gelber Balken, auf der anderen steht es etwas dezenter in der Ecke unten rechts: Zwei Heinsberger Firmen, die Schleicher Blechbearbeitung GmbH und die Kallisto Stahltechnik GmbH, beide unter der Geschäftsführung von Axel Schleicher, werden zum 31. Juli dieses Jahres geschlossen.

Aus dem anonymen Schreiben eines vermeintlichen Mitarbeiters war uns diese Information bekannt. Einen daraufhin mit Schleicher vereinbarten Gesprächstermin sagte dieser jedoch leider wieder ab. Auch einer schriftlich formulierten Bitte um eine Stellungnahme kam er nicht nach.

Die Zahl der betroffenen Mitarbeiter stammt daher allein aus dem anonymen Schreiben: 41 Vollzeit-Beschäftigte und 35 Mitarbeiter mit Minijobs, also insgesamt 76 Mitarbeiter sind demnach von dieser Schließung betroffen.

Während Schleicher in einem ersten telefonischen Kontakt davon sprach, die Unternehmen durch die Schließung vor einer Insolvenz zu retten, liest sich dies in dem Schreiben ganz anders: „nicht durch Insolvenz, nicht durch Konkurs, es ist genügend Umsatz vorhanden, es ist dem Eigentümer zu wenig Gewinn“, heißt es dort. Aus dem Umfeld Schleichers wird jedoch berichtet, dass dem Unternehmen Kunden aus arabischen, derzeit im Krieg befindlichen Ländern weggebrochen seien.

Einen Betriebsrat haben beide Unternehmen offenbar nicht. „Eine Gründung wurde bewusst verhindert, denn diese Betriebsschließung wurde von langer Hand geplant“, heißt es im Schreiben. „Dadurch entgeht langjährigen Mitarbeitern eine zustehende Abfindung.“

Wie Pastoralreferent Johannes Eschweiler, Betriebsseelsorger im Kreis Heinsberg erklärt, können bereits Unternehmen mit fünf Mitarbeitern einen Betriebsrat haben. Die Initiative dazu müsse allerdings von den Mitarbeitern ausgehen sagt er.

Die Mitarbeiter wissen anscheinend bereits seit Ende April von der Schließung, wie ein Aushang mit Hinweisen auf die für die Arbeitszeugnisse notwendigen Daten belegt, der uns in Kopie ebenfalls vorliegt. In einem Aushang vom 3. Mai ruft der Geschäftsführer die Mitarbeiter dann zu Besonnenheit auf. „Vorrang hat aber im Moment, die faktischen Auswirkungen der Schließung für Sie möglichst gering zu halten“, heißt es dort. „Sie selbst können daran mitwirken, indem alles nach der ersten Aufregung normal weiterläuft, um das Vertrauen unserer Kunden aufrechtzuerhalten.“ Dies könne die Chance verbessern, Kunden in der Region zu halten – „und damit vielleicht Ihren zukünftigen Arbeitsplatz“.

Bürgermeister Wolfgang Dieder erklärte auf Nachfrage, die Schließung sei sehr bedauerlich. Die Stadt habe aktiv Gespräche aufgenommen. Er hoffe, dass für die Mitarbeiter schnell neue Arbeitsplätze gefunden werden könnten. „Wie ich erfahren habe, ist Herr Schleicher sehr engagiert, für seine Mitarbeiter Perspektiven zu finden“, erklärt Heinsbergs Wirtschaftsförderer Michael Dahmen.

Ohne Datum ist die dritte, uns vorliegende Kopie eines Aushangs. Darin schreibt Schleicher zur Meldung bei der Arbeitsagentur: „Für die Arbeitssuchendmeldung benötigt die Arbeitsagentur die im Kurzprofil enthaltenen Daten. Das Formular liegt an der Stempeluhr.“

Mit der Schließung der beiden Betriebe geht in Heinsberg die Ära eines alteingesessenen Familienunternehmens zu Ende. Gegründet wurde es von Oscar Schleicher, dem Urgroßvater von Geschäftsführer Axel Schleicher, im Jahre 1874. Zum damaligen Zeitpunkt wurden Korbwaren hergestellt.

Im Zweiten Weltkrieg wurde die in der Heinsberger Innenstadt gelegene Fabrik zerstört und nach Kriegsende wieder aufgebaut. Die Produktion des Unternehmens wandelte sich über die Herstellung von Transportkörben aus Aluminium-Lochblech bis hin zur Fertigung von Transportgeräten aus Stahlrohr und Blech. 1971 erfolgte der Umzug an den heutigen Standort, der gegen Ende der 1990er Jahre erweitert wurde und drei Hallen mit knapp 3000 Quadratmetern umfasst. Die Unternehmen sind auf die Fertigung von Laserteilen und Baugruppen nach Kundenzeichnung spezialisiert.

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