53 Kilo schweres Relief erinnert an die Zeit der Münze

Von: anna
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Sepp Becker, Michael Franke und Manfred Winkens (von links) enthüllten das neue Relief. Foto: Anna Petra Thomas

Wassenberg. Ein „ganz, ganz toller Anlass“ war es für Bürgermeister Manfred Winkens, als er auf dem Rosstorplatz eine ganz große Schar historisch interessierter Wassenberger zur Enthüllung der neuesten Attraktion der Stadt begrüßen konnte.

Zusammen mit dem Heimatvereinsvorsitzenden Sepp Becker und dem Künstler Michael Franke legte er dann selbst Hand an bei der Enthüllung einer großen Bronzetafel, die an die Zeit erinnert, als in Wassenberg noch Münzen geprägt wurden. „Eine Attraktion, die unsere Stadt wieder ein bisschen schöner macht“, befand der Bürgermeister. „Wäre ganz toll, wenn wir auch heute noch eine Münze hätten. Dann säße unser Kämmerer den ganzen Tag hier und würde hämmern“, schmunzelte er.

Das 53 Kilo schwere Relief schmückt jetzt die Wand des Alten Rathauses an der Seite, wo früher einmal die Löffelstraße war. Es sei aus Spenden finanziert worden, erklärte Becker, vor allem aus denen, die anlässlich der Feierlichkeiten seiner Ehrenbürgerschaft zusammengekommen seien. Für die historische Erläuterung der Wassenberger Münze ging er weit in die Geschichte zurück. Er erinnerte an die große Schlacht im Jahr 1206, in der es um den deutschen Königsthron ging und an das Jahr 1273, als Wassenberg Stadtrechte erhielt. Ab 1293 habe Wassenberg dann zu Brabant gehört und mehr und mehr sei das kaiserlich-königliche Recht zur Münzprägung dann auf kleinere Adlige übergegangen.

Nicht nur in Wassenberg, sondern auch in Gangelt, Geilenkirchen, Heinsberg, Randerath und Waldfeucht seien in der Folgezeit Münzen geprägt worden. Zu dieser Zeit habe es auch in Wassenberg nur sehr wenige Steinbauten gegeben. Die meisten Häuser seien aus Holz gewesen. Die Fertigung von Münzen sei damals also ein großes Risiko gewesen.

In der Mitte zeigt das Relief einen Menschen, der mit Hilfe eines Hammers eine Münze prägt. Links davon ist der sogenannte Wassenberger Tournose zu sehen. Diese Münze ließ der Pfandherr Johann von Wassenberg in den Jahren 1331 bis 1334 in der Wassenberger Münzstätte in eigener Prägung nachschlagen. So erläutert es auch die Inschrift auf dem Relief. „Ursprünglich kamen diese Münzen aus Tours in Frankreich“ steht dort weiter zu lesen. Der Tournose hatte einen Durchmesser von 25 Millimetern und wog 2,2 Gramm. Die Aufschrift lautete: „Domus des Vasbrg“ (Herr von Wassenberg). Ein Original dieser Münze befindet sich heute im Bode-Museum in Berlin.

Unter Gottfried III., der von 1361 bis 1395 Pfandherr über Wassenberg war, wurden dann sogenannte Brabanter geschlagen. Diese Münzen zeigten den viergeteilten brabantischen Löwenschild bzw. das Lilienwappen. Sie trugen die Aufschrift „Moneta Wassenb“. Auch von dieser Münze existiert noch ein Original. Es befindet sich im Nationalmuseum in Kopenhagen. Beide Münzen bestanden Recherchen des Heimatvereins zufolge aus Silberlegierungen.

Leider seien die in Wassenberg noch vorhandenen Abbildungen der Münzen in einem nicht sehr guten Zustand gewesen, erklärte Becker. So hätten Dr. Paul Gotzen, ein ebenfalls in Wassenberg engagierter Historiker, und der Künstler die Buchstaben der Prägungen nachgezeichnet. „Das war eine feine Arbeit, die Münzen so zu machen, wie sie in der ganzen Welt nicht mehr vorhanden sind“, lobte Becker das Werk mit Blick auf das Relief. „Es hat wirklich Freude gemacht, mit den Fachleuten hier zusammenzuarbeiten“, erklärte Künstler Michael Franke, bevor er erläuterte, wie das Relief zunächst in Wachs modelliert und schließlich in Bronze gegossen wurde.

Er habe versucht, die Buchstaben nachzuarbeiten. „Das ist sicherlich nicht zu 100 Prozent gelungen“, betonte er. Aber es komme dem Original sehr nah. Den ursprünglich für die Münzprägung verwendeten Werkzeugen sehr nah kommt dann auch deren Darstellung am unteren Rand des Reliefs. Sie rundet diesen neuen Blick in die Wassenberger Geschichte gelungen ab.

Beckers Dank ging schließlich nicht nur an die vielen Spender und an den Künstler, sondern auch an Norbert Dahmen, Besitzer des Alten Rathauses, der auch bei der Befestigung des Reliefs tatkräftig geholfen hatte.

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