Heinsberg-Oberbruch - 4000 Bienenbäume gezüchtet und in die ganze Welt verschickt

4000 Bienenbäume gezüchtet und in die ganze Welt verschickt

Von: Anna Petra Thomas
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Rudolf Simons inmitten seiner selbst gezüchteten Bienenbäumchen. Rund 4000 züchtet er in seinem großen Garten in Oberbruch. Foto: Anna Petra Thomas
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Im Juli und August hat der Bienenbaum große Fruchtstände, die den Bienen viel Nektar bieten. Foto: Anna Petra Thomas

Heinsberg-Oberbruch. Birke, Eiche oder Linde, wer kennt sie nicht. Typisch deutsch. Aber eine „Stinkesche“? Genauer noch „samthaarige Stinkesche“: So heißt ein Baum, der eigentlich in China und Korea zu Hause ist, inzwischen aber auch in Europa mehr und mehr Verbreitung findet. Der Grund dafür sind seine großen Fruchtstände, die den Bienen gerade jetzt im Juli und August reichlich Nektar liefern.

Und genau deshalb ist dieser sogenannte Bienenbaum vor allem bei Imkern sehr beliebt. So hat auch Rudolf Simons (69), passionierter Imker in Oberbruch, nicht nur einen, sondern derzeit gleich rund 4000 davon, alle aus eigener Zucht. „Das ist quasi mein Stammbaum“, lacht er und zeigt auf einen ganz großen Bienenbaum in seinem Garten an der Karl-Arnold-Straße.

35 Jahre ist er alt und mittlerweile etwa 14 Meter hoch. Daneben stehen noch einige kleinere, die Simons selbst aus Samen gezüchtet hat, darunter und drumherum unzählige Kästen, Kübel und Margarinedosen, in denen überall kleine Bienenbäume sprießen, zum Teil gerade mal so groß wie ein Stecknadelkopf.

Mitte des 19. Jahrhunderts sei in Deutschland ein erster Bienenbaum im Berliner Tiergarten gepflanzt worden, erzählt er. Anfang des vergangenen Jahrhunderts habe es dann schon mehr und mehr Bäume gegeben, vor allem vor sogenannten Herrenhäusern.

Seinen „Stammbaum“ hat er geschenkt bekommen, bei einem Besuch im Frankfurter Palmengarten. Nach und nach hat ihn dann das Zuchtfieber gepackt. Sein Ziel ist die Verbreitung dieses Baumes. „Nicht nur Bienen, sondern alle Insekten, bis hin zum Schmetterling, alles sitzt da drin“, freut er sich.

Samen wird im Herbst geerntet

So „erntet“ er in jedem Herbst nach der Blüte aus den dann rot gefärbten Fruchtständen des Bienenbaums die kleinen, glänzend braun-schwarzen Samen, von denen je zwei fest miteinander verbunden sind. In die ganze Welt verschickt er die kleinen Stämmchen mittlerweile. Geld verdienen wolle er damit nicht, betont Simons. Ihm reiche es, wenn seine Kosten gedeckt seien. „Ich möchte einfach, dass der Baum sich so weit wie möglich verbreitet.“

Die Zucht sei übrigens sehr einfach, sagt er, „wie Salat ziehen“. Der Bienenbaum sei einfach ein „absoluter Trachtbaum“. In seinem Garten profitieren davon die zehn Bienenvölker, die Simons derzeit sein eigen nennt. Die Geschichte der Imkerei in seiner Familie kann er weit zurückverfolgen, „bis 1842“, erklärt er stolz.

Schon im Alter von acht Jahren habe er sein Imkerleben begonnen, erinnert er sich noch genau. Damals habe sich ein Bienenschwarm am Oberbrucher Schwimmbad eingenistet. Seine Mutter habe ihm mit dem Fahrrad einen Bienenkorb gebracht, und er habe die Bienen dort hinein befördert. „Da begann mein Imkerleben.“

Auch in diesem Leben war Simons kreativ unterwegs und hat sogar einen neuen Bienenkasten entwickelt, der praktischer in der Handhabung sei, erklärt er. Gerade ganz junge oder ältere Bienenfreunde müssten dabei nicht mehr die ganzen Kästen anheben. Bei seinen Kästen lassen sich dank abnehmbarer Rückwand die einzelnen Waben ganz einfach herausziehen.

Bei den Themen Bienenbaum-Züchtung und Bienenkasten-Bau sind die außergewöhnlichen Leidenschaften von Rudolf Simons aber längst nicht zu Ende. Auch andere exotische Gewächse haben im Laufe der Jahre den Weg in seinen Garten gefunden, etwa ein nordamerikanischer Riesenmammutbaum, ein asiatischer Götterbaum, eine chinesische Sandbirne oder ein echter japanischer Kirschbaum. „Der blüht an Heiligabend, meistens“, so der Baumfreund. Wassenberger Sämlinge zählen ebenfalls zu seinen Raritäten.

Die Kerne dafür habe ursprünglich ein Wassenberger Seemann aus Persien mit nach Hause gebracht, erzählt er die Geschichte dieser Frucht. Abgerundet werden die Ergebnisse seines grünen Daumens durch Pflanzen, die sich ebenso wie die Bäume nicht an jeder Ecke finden. Die Arzneimittelpflanze Engelwurz zählt dazu, „findet sich heute noch in jedem Kräuterlikör“, versichert Simons, oder Harzländer Tomaten, „eine Sorte aus der früheren DDR. Die habe ich aber weiter veredelt…“

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