27-Jähriger geht freiwillig in Sicherheitsverwahrung

Von: Wolfgang Schumacher
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Gefängnis Knast
„Er ist eine tickenden Zeitbombe“, sagte Anwalt Depenau nach dem Prozess über seinen Mandanten. Der 27-Jährige geht deshalb freiwillig in Sicherheitsverwahrung. Symbolbild: dpa Foto: Oliver Berg dpa/lnw

Aachen/Heinsberg. Er hatte selber darum gebeten und bekam den Wunsch erfüllt. Der wegen schweren Raubes, Körperverletzung und 91-fachem Verstoßes gegen die Bewährungsauflagen angeklagte Stefan W. (27) aus Heinsberg wurde Donnerstag vom Aachener Landgericht zu viereinhalb Jahren Haft und Sicherungsverwahrung verurteilt.

Sein Anwalt Theo Depenau aus Übach-Palenberg hatte in seinem Plädoyer gefordert, seinen Mandanten doch besser in ruhigeren Einrichtungen als in einer Haftanstalt unterzubringen, da der 27-Jährige unter Stress und Druck häufig und schnell ausraste.

Der Vorsitzende Richter Matthias Quarch folgte in seinem Urteil den Gutachten, die bei W. zwar eine multiple gestörte Persönlichkeit, aber keine eindeutig krankhaften Züge festgestellt hatten. Dabei ist der 27-Jährige schon ein „schwerer Junge“. Aktuell hatte er im November 2014 eine Nachbarin überfallen. Er zog ihr eine Plastiktüte über den Kopf, würgte sie und fesselte sie schließlich mit Schnürsenkeln, um sie in Ruhe auszurauben.

Laut Anklage erbeutete er rund 1200 Euro und ein Handy, das Geld habe er zum Begleichen von Schulden und für Bordellbesuche ausgegeben. Die 65-Jährige überlebte die Sache und trat im Prozess als Nebenklägerin auf.

Bei der Tat stand W. noch unter enger Führungsaufsicht nach einer vollständig verbüßten fünfjährigen Haftstrafe. Denn 2008 hatte er sich bereits mit zwei anderen verabredet, ein Mädchen zu vergewaltigen, dazu kam eine ebenso merkwürdige Verabredung, einen Taxifahrer zu ermorden. Die Tat wurde von aufmerksamen Beobachtern verhindert, das Trio gefasst.

„Er ist eine tickenden Zeitbombe“, sagte Anwalt Depenau nach dem Prozess, sein Mandant sehe das auch selber so: „Er wünscht sich Hilfe.“ Er habe vor der neuen Tat trotz Fußfessel und strengen Auflagen mehr als 90 Mal gegen die Anordnungen der gerichtlichen Führungsaufsicht verstoßen. Dass für Straftäter so jung und nach Taten im eher mittleren Gewaltbereich bereits Sicherungsverwahrung angeordnet wird, ist eine Entscheidung mit Seltenheitswert.

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