15 Kilometer können über Leben oder Tod entscheiden

Von: defi
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Polizeihauptkommissar Frank Hufnagel stand beim Blitzmarathon am Blitzer an der Waldfeuchter Straße in Kirchhoven.

Heinsberg-Kirchhoven. Donnerstag um 10 Uhr in Kirchhoven an der Kirche. Über die Waldfeuchter Straße rollen noch immer so viele Autos als gäbe es keine Umgehungsstraße. Zumindest fühlt es sich so an.

Aber – die gute Nachricht – sie fahren alle, also fast alle, die vorgeschriebenen 30 Stundenkilometer, ganz Vorsichtige sogar noch einen Ticken langsamer, denn an diesem etwas zu kalten Morgen ist Blitzmarathon angesagt, nicht nur in Kirchhoven sondern europaweit. Zum Marathon in Kirchhoven sind angetreten die Polizeihauptkommissare Hermann Peters, Rolf Meyer und Frank Hufnagel. Im Hintergrund frösteln mit die Pressesprecherin der Kreispolizeibehörde Heinsberg, Polizeioberkommissarin Angela Jansen und Hauptkommissar Michael Okuhn, als Einsatzleiter zuständig für den kreisweiten Blitzmarathon.

Direkt am Blitzer ist Polizeihauptkommissar Frank Hufnagel postiert, Hermann Peters trägt die Kelle und Rolf Meyer steht für die aufmunternden Gespräche mit den Verkehrssündern bereit. „Eigentlich“, so Einsatzleiter Michael Okuhn, „wünschen wir uns, dass wir heute keinen Verkehrsteilnehmer wegen erhöhter Geschwindigkeit verwarnen müssen.“ Denn, so Okuhn, der Blitzmarathon sei seit seiner landesweiten Einführung im Februar 2012, zu einer „Marke“ geworden, die jeder kenne.

Das stimmt wohl, denn auch der Verkehrsteilnehmer, der den drei Polizisten an der Messstation Kirchhovener Kirche auffällt, wusste es besser. Mit 48 Stundenkilometern rauschte er in den Laserstrahl. Abzüglich der Toleranz von 3 km/h hatte der Autofahrer noch 15 Stundenkilometer zu viel, machte 25 Euro Lehrgeld. Pressesprecherin Angela Jansen: „Er sagte, er habe zwar gewusst, dass heute der Blitzmarathon stattfindet, habe nur gerade nicht dran gedacht.“ Bis 30 Euro Verwarnungsgeld geht in die Landeskasse, das höhere Bußgeld fließt in die Kreiskasse. Den Vorwurf der Beutelschneiderei lässt Hauptkommissar Michael Okuhn nicht gelten. Wer würde schon über Presse und Internet die Bürger auf eine Aktion aufmerksam machen, wenn er sie bei einem Fehlverhalten ertappen will. Okuhn: „Wir wollen in die Köpfe der Verkehrsteilnehmer nicht nur hineinkriegen, dass erhöhte Geschwindigkeit der Killer Nr. 1 ist, sondern auch, dass schon wenige Kilometer zu viel über die Schwere der Unfallfolgen entscheiden. Gerade hier in der Ortslage haben wir viele schwache Verkehrsteilnehmer wie Fußgänger und Radfahrer.“

Würde ein Fußgänger von einem Pkw mit 50 km/h angefahren, erklärt Michael Okuhn, würden acht von zehn Fußgängern überleben. Wäre das Auto nur 15 Kilometer schneller unterwegs, würde es also mit 65 km/h auf den Fußgänger treffen, würde sich das Verhältnis umkehren, 8 von 10 Fußgängern würden sterben.

25 Messstellen hatte die Kreispolizeibehörde beim Blitzmarathon kreisweit inner- und außerorts eingerichtet, vier in jeder der zehn Kommunen. Über das Internet hatten sich Bürger rege an einem Votum beteiligt und ihre Gefahrenpunkte benannt. Auch die 30 km/h-Zone in Kirchhoven, die wegen zweier Engpässe und einer Schule eingerichtet worden war, war über das Votum besetzt worden. Bis auf 1000 Meter Entfernung misst der Laserstrahl des Blitzers beim Auftreffen auf die Front eines Autos dessen Geschwindigkeit. Zeit genug für Entgegenkommende, die warnende Lichthupe zu setzen. Hauptkommissar Michael Okuhn dürfte das gelassen beobachtet haben. Hauptsache, die Leute denken nach und die Geschwindigkeit geht runter. Denn, so Okuhn: „Wir wollen Leben retten.“

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