Zwei Mahnmale wandern durch die ganze Stadt

Von: st
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Sie setzen ein Zeichen gegen R
Sie setzen ein Zeichen gegen Rechts: Realschulleiter Peter Pauli und Deutsch- und Kunstlehrerin Dr. Christiane Lork. Foto: Georg Schmitz

Geilenkirchen. „Guckt nicht weg, seid nicht wie die Menschen damals.” Diesen Satz hat Dominik Beck, ehemaliger Schüler der Geilenkirchener Realschule, ins Gästebuch des Zuges der Erinnerung geschrieben, als dieser einen Stopp in Geilenkirchen einlegte.

Unter dieser Überschrift machen nun Schüler und Lehrer der Realschule darauf aufmerksam, dass das Gedankengut des Nationalsozialismus auch heute noch präsent ist. „Das Kind hat nur einen anderen Namen bekommen: Antisemitismus, Rechtsradikalismus, Rassismus oder einfach Ausländerfeindlichkeit”, sagen Schulleiter Peter Pauli und seine Kolleginnen Dr. Christiane Lork und Stephanie Odinius unisono.

Mit einem Zwei-Säulen-Projekt wollen sie und ihre Schüler ein klares Zeichen gegen Rechts setzen. Und nicht nur das: Nach Fertigstellung sollen diese Säulen nach einer Präsentation im eigenen Haus als Mahnmal durch die ganze Stadt wandern. Von Jugendlichen für Jugendliche und Erwachsene. Beide Werke natürlich pädagogisch verantwortungsvoll dokumentiert.

Auch das Kollegium der Realschule hat keine Sekunde gezögert, das von Christa Nickels ins Leben gerufene Projekt gegen das Vergessen zu unterstützen. Doch zunächst wurde diskutiert, wie die Themen Nationalsozialismus und Rechtsradikalismus didaktisch mit 15- und 16-jährigen Jugendlichen umzusetzen sind. „Mit zwei von unseren Schülern gestalteten Litfaßsäulen wollen wir eine Brücke von der Vergangenheit in die Gegenwart schlagen”, erklärt Peter Pauli.

21 Mädchen und Jungen der 9. und 10. Klassen - fast 50 hatten sich für das freiwillige Projekt gemeldet - werden ab dem kommendenFreitag zwei Litfaßsäulen gestalten.

Die eine ist eine Nachbildung einer Säule aus dem Dritten Reich: Nationalsozialistische Propaganda-Plakate werden ebenso entworfen wie Ankündigungen, bei welchem jüdischen Händler nicht mehr gekauft werden darf, oder welche Gesetze ein Jude beachten muss.

Die zweite Säule soll auf aktuelle rechtsradikale Tendenzen aufmerksam machen: Aussagen rechtsradikaler Gruppen wird man hier ebenso wiederfinden wie die Angebote von sehr fragwürdigen „Jugendfreizeiten” oder Symbole des Rechtsradikalismus wie Springerstiefel und Glatzköpfe. „Über Musik, Internet, Freizeitangebote und sogar Comics versuchen Rechtsradikale, an Jugendliche heranzutreten”, warnt Peter Pauli. Christiane Lork hat schon so manches Mal im Unterricht festgestellt, dass Schüler mit rechtsradikalem Gedankengut konfrontiert worden sind.

Den Gefahren will sie im Unterricht begegnen. So beispielsweise durch das Lesen des Tagebuchs der Anne Frank oder durch Filme, die die Gräuel der Nationalsozialisten verdeutlichen. „Wenn man mit den Kindern über diese Zeit spricht, ist das Entsetzen groß. Wir wollen sie im Unterricht sensibilisieren und dafür sorgen, dass die Stereotypen der Rechtsradikalen hinterfragt werden”, sagt die Deutsch- und Kunstlehrerin.

„Wir wollen die Kinder stark machen, Nein zu sagen”, fügt Peter Pauli hinzu. Der Schulleiter freut sich besonders darüber, dass sich die Mitglieder der Arbeitsgemeinschaft in ihrer Freizeit, teilweise sogar am Wochenende, für das Projekt engagieren. Die Projektlehrer rechnen damit, dass beide Säulen nach Karneval fertig sind. „Und dann setzen wir nicht nur Stolpersteine, sondern auch Gedankensteine”, blickt Christiane Lork in die Zukunft.

Damit die Menschen erkennen, dass Antisemitismus, Rassismus und Vorurteile nicht nur Probleme der NS-Zeit waren. Guckt nicht weg, seid nicht wie die Menschen damals...
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