Zwei Jahre zur Bewährung für Drogenschmuggler

Von: Herbert Keusch
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Illegal in einer Wohnung angebaute Hanfpflanzen (Archivbild). Foto: dpa

Geilenkirchen. „Nee, das ist kein Fall für den Knast”, sagte Richter Thomas Schönig bei der Urteilsverkündung: Ein 52-jähriger Angeklagter aus Hückelhoven kam bei einer Verhandlung vor dem Schöffengericht mit einer Bewährungsstrafe von zwei Jahren davon.

Der 52-Jährige hatte sich von seinem - wie Strafverteidiger Rüdiger Böhm es ausdrückte, missratenen Sohn - und einem Mann aus Neuss dazu überreden lassen, eine Tasche aus dem niederländischen Sittard über die Grenze zu bringen.

„Einerseits”, so der Richter bei der Urteilsbegründung, „haben wir eine Menge Marihuana, deren Wirkstoff von 315 Gramm/THC die nicht geringe Menge um das 42-fache übersteigt. Der Angeklagte hat sich einspannen lassen, hat einen netten Familienausflug mit seiner Ehefrau gemacht und hat versucht, die Drogen über die Grenze zu bringen.”

Andererseits sei der Angeklagte nicht vorbelastet, es handele sich um eine weiche Droge, die von der Polizei sichergestellt und so nicht in den Handel gekommen sei. „Und wir haben ein umfassendes Geständnis des Angeklagten, der damit auch dafür gesorgt hat, dass die Täter zu einer entsprechenden Freiheitsstrafe verurteilt werden konnten.” Zunächst hatte Staatsanwältin Anna Tandetzki die Anklage vorgestellt. „Der Angeklagte hat 2630 Gramm Marihuana, die zum Weiterverkauf bestimmt waren, aus den Niederlanden kommend über die Grenze in Gangelt eingeführt.”

Der Angeklagte bezog sich bei seinem Geständnis auf seine Aussage nach der polizeilichen Festnahme am Tattag, die der Richter in der Verhandlung vorstellte. „Ich hatte 130 Euro Benzingeld von jemandem aus dem Neusser oder Grevenbroicher Raum dafür bekommen, dass ich eine Tasche in meinem Fahrzeug über die Grenze bringe”, zitierte der Richter aus der polizeilichen Aussage. Die Tasche sei von einem der beiden Männer, die aus den Niederlanden hinter ihm hergefahren seien, in sein Fahrzeug gelegt worden. Der Angeklagte sei damals davon ausgegangen, dass es sich um Drogen für den Eigengebrauch gehandelt habe. Tatsächlich waren in der Sporttasche aber vier Tüten mit insgesamt 2630 Gramm Marihuana.

„Es handelt sich um Einfuhr von nicht geringer Menge Drogen und der Beihilfe zum Handel mit diesen Drogen”, begann Staatsanwältin Anna Tandetzki ihr Plädoyer. „Ich fordere bei dieser Menge und diesem Wirkstoffgehalt eine Freiheitsstrafe von zwei Jahren und sechs Monaten.”

Transport über die Grenze

Anders sieht den Sachverhalt Strafverteidiger Rüdiger Böhm. „Der Angeklagte hat schon bei der polizeilichen Vernehmung geglaubt: Ehrlich währt am längsten.” Er habe sich der Vernehmung gestellt und gleich gesagt, dass er keinen Anwalt benötige. Jemand aus Neuss habe ihm die Drogen ins Fahrzeug gelegt, sei beim Transport über die Grenze mit seinem eigenen Wagen vor oder hinter ihm hergefahren und habe die Drogen in Grevenbroich übernehmen wollen. „Mein Mandant hat schon bei der ersten polizeilichen Vernehmung Aufklärungshilfe geleistet. Deshalb ist eine vollstreckbare Haftstrafe nicht vertretbar.” Strafverteidiger Böhm forderte eine Strafe, die noch zur Bewährung ausgesetzt werden kann.
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