ZVA-Forum: Die Kandidaten stehen Rede und Antwort

Von: Jan Mönch und Udo Stüßer
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Wo steht die Stadt? Und wo will sie hin? Darüber diskutierte Moderator Thorsten Pracht in der bis auf den letzten Platz gefüllten Realschulaula (kleines Bild) mit Manfred Theves, Christian Kravanja, Ronnie Goertz, Horst Grunert und Georg Schmitz (von links). Foto: Bienwald Foto: Bienwald
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So gut besucht ist die Aula der Geilenkirchener Realschule wahrscheinlich noch nie gewesen. Foto: Bienwald Foto: Bienwald

Geilenkirchen. Beim Forum unserer Zeitung präsentierten die Bürgermeisterkandidaten ihre Vorstellungen davon, worauf es für die Stadt ankommt. Auch regelmäßige Besucher von Veranstaltungen in der Geilenkirchener Realschule waren sich einig: So voll hat man die Aula selten gesehen, vielleicht sogar noch nie.

An einem Dienstagabend um 19 Uhr ist das keine Selbstverständlichkeit. Angebracht war die Aufmerksamkeit aber durchaus, denn auf dem Podium unserer Zeitung war der Mann zu sehen, in dessen Händen die Geschicke der Stadt bis 2020 liegen werden. Offen ist noch mindestens bis zum 13. September, wer von den fünf Gästen es sein wird. Dass es noch einen sechsten Kandidaten gibt, ist bekannt. „Genau wie Politiker haben aber auch Journalisten eine Haltung, deswegen haben wir den NPD-Kandidaten nicht eingeladen“, stellte unser Redakteur Thorsten Pracht fest, der als Moderator durch die Veranstaltung leitete und an dieser Stelle auch gleich den ersten Applaus erntete.

Dann ging es los mit der ersten Fragerunde für die Kandidaten. In den folgenden knapp zwei Stunden gab es nur eine Aussage, auf die sich wirklich alle Kandidaten einigen konnten: Wenn jeder für sich alleine kämpfe, komme die Stadt nicht weiter. Ein Wir-Gefühl müsse her.

Ronnie Goertz: Kaum von der CDU als Bürgermeisterkandidat aufgestellt, brannte es förmlich in den christdemokratischen Reihen. Seine Gegner hatten ordentlich gegen ihn gezündelt. Doch dies nimmt Ronnie Goertz ganz sportlich. Die Kritik seiner Gegner will er nicht kommentieren, sondern plädiert lediglich dafür, mit dem Wahlergebnis demokratisch umzugehen. Zwar ist der CDU-Kandidat ein Mann mit Visionen, aber sicherlich kein Träumer. Sitzt er auf dem Chefstuhl im Rathaus, will er die Probleme anpacken, zunächst wird sich möglicherweise das Personalkarussell ein wenig drehen. „Wenn ich Wirtschaftsförderung betreibe, muss ich Manpower haben. Dann muss sich organisatorisch etwas ändern“, sagte er.

Zwar gebe es die Stabsstelle Wirtschaftsförderung. Aber: „Diese Person muss in der Verwaltung besser vernetzt werden. Wenn sie durch das Rathaus geht, muss es so sein, als würde der Bürgermeister selbst durch das Rathaus gehen.“ Er wolle zu Firmen eine gute persönliche Beziehung aufbauen. „Das geht aber nicht mit ein paar netten Mails.“

Auf jeden Fall versichert er: „Im Rathaus treffe ich auf eine gute Mannschaft, mit der ich zusammenarbeiten kann.“ Nicht nur die Stabsstelle Wirtschaftsförderung will Goertz aufwerten. „Wir brauchen einen Koordinator für Stadtmarketing.“ Verbesserungswürdig sei die Zusammenarbeit mit dem Aktionskreis. Goertz lobte dessen Aktivitäten, die Organisation von Weinfest, Culinara und Nikolausmarkt. „Aber der Aktionskreis sollte Sprachrohr der Mitglieder sein. Sind für die Planung von Events nicht andere Akteure gefragt?“ Für die Stadt müsse man ein Profil erstellen, Stadtmarketing dürfe man dann nicht der Politik überlassen. „Jeder Unternehmer versteht mehr davon.“

Goertz betont, dass er den Blick für die Dörfer nicht verloren habe, die Lebensqualität müsse verbessert werden. „Aber auch dort spielen bürgerschaftliches und ehrenamtliches Engagement eine große Rolle.“ Warum will er Bürgermeister werden? „Wenn man etwas bewegen will, muss man an der Spitze stehen. Ich möchte Verantwortung übernehmen und die Stadt nach vorne bringen.“

Horst Grunert: Der arbeitslose unabhängige Einzelbewerber weiß es ganz genau: „Ich bin in der Stadt als Querulant verschrieen.“ Grunert ist schon einmal angetreten. 1,8 Prozent der Stimmen hat er bei der letzten Wahl geholt. „Auch wenn man verloren hat, kann man aufstehen und es neu versuchen“, meint er. Aber sollte man dann nicht zumindest ein Konzept haben? Die Verwaltung kenne er nur zu genau, weil er ständig mit ihr in einem Konflikt sei. Ob er im Rathaus etwas ändern würde, weiß er heute noch nicht: „Man muss erst auf dem Posten sitzen und dann schauen, was man tun kann.“ Als Bürgermeister scheint er wenig bewegen zu wollen. „Etwas ausbauen ist so eine Sache.“ Visionen hat er ebenfalls nicht. Den Vereinen will er keine Versprechungen machen: „Die Stadtkasse ist leer.“

Grunert will gewählt werden, weil er einen Job sucht, das sagt er ganz offen. Völlig unklar bleibt am Dienstag, was der Wähler davon hätte, ihm diesen zu verschaffen.

Christian Kravanja: Ein Bürgermeister ist Verwaltungschef einerseits und Politiker andererseits. Diesem Spagat kommt Christian Kravanja als Leiter der Jülicher Stadtkasse und Fraktionschef der Bürgerliste eindeutig am nächsten. Er wisse, wie es ist, wenn die Stimmung in einer Verwaltung nicht gut ist, er werde auf kooperative Mitarbeiterführung setzen und nicht nur mit einem engen Kreis an Beratern Entscheidungen treffen, verspricht Kravanja. Außerdem brauche es „zwingend“ einen Mitarbeiter, der sich „zumindest teilweise“ mit dem Thema Stadtmarketing beschäftigt.

Beim Thema Wirtschaft nimmt Kravanja die bisher geleistete Arbeit ein Stückweit in Schutz: Das Gewerbegebiet Niederheid möge leer stehen, es seien aber immerhin schon 40 Prozent der Flächen verkauft. Mit Blick Richtung Palenberg sagt er: „Da wurden Netzwerke genutzt, da gab es Kontakte zu bestimmten Personen“ – gemeint ist Walter Pötter aus Marienberg, ehemals in führender Position bei Lidl. Genauso müsse man es in Geilenkirchen auch machen. Außerdem müssten „die vielen großartigen Unternehmen“ in Geilenkirchen „im Inneren zusammenhalten“, schmeichelte der Bürgerlisten-Kandidat den Geschäftsleuten.

Hinsichtlich der Vereine will Kravanja eine „Win-win-Situation“ konstruieren. Wenn zum Beispiel ein Verein die Rasenpflege übernehmen würde, könnten sich der Verein und die Stadt die gesparte Summe teilen.

Georg Schmitz: Der 64-Jährige wird dieser Tage häufig als Bürgermeister der Herzen bezeichnet. Die entscheidende Frage, die sich hieraus ergibt, ist die, ob eine Wahlentscheidung nicht besser auf Basis der Vernunft getroffen wird. In der Realschule kann Schmitz keine Entscheidungshilfe liefern, die zu seinen Gunsten ausfallen würde. Auf einfache Fragen ist er zwar vorbereitet, als es etwa um die viel zitierte schlechte Stimmung in der Verwaltung geht, sagt er: „Ich will Menschlichkeit ins Rathaus bringen. Man motiviert niemanden, indem man ihn anschreit.“

Als es an das Thema Wirtschaftsförderung geht, baut die inhaltliche Substanz aber rapide ab: Man könne ja mal im Internet gucken und irgendwelche Firmen anschreiben, ob sie nicht umsiedeln oder expandieren wollen, schlägt Schmitz allen Ernstes vor. Bei wirklich haarigen Themen wie der Fliegerhorstsiedlung oder den Kita-Beiträgen hält er sich vornehm zurück und sagt gar nichts mehr.

Symptomatisch ist, als es um die Radwege geht. Schmitz weiß ganz genau, wo welcher Radweg in der Innenstadt endet und wer sich darüber ärgert. Dann ergreift Christian Kravanja das Mikro und erklärt: Die Straßenverkehrsordnung lasse es nicht zu, dass es Radwege gibt, wo Tempo 20 gilt. Hier gehe es also um eine Entweder-oder-Entscheidung. Das mag unbefriedigend sein. Aber zumindest suggeriert Kravanja nicht, dass ein Ärgernis sich durch guten Willen einfach in Luft auflöst.

Manfred Theves: Auch der Betreiber einer Imbissstube in Teveren hat festgestellt, dass die Stimmung in der Stadtverwaltung nicht die beste ist. „Die Mitarbeiter müssen erkennen, dass man sich auch privat für sie interessiert“, nennt er sein Rezept. Auch er weiß, dass in Sachen Wirtschaftsförderung noch einiges geschehen muss und hat deshalb eine Firma angeschrieben, die sich auf vegetarische Gerichte spezialisiert hat. Ein unverbindliches Standartschreiben hat er bereits zu seiner Freude per Mail erhalten.

Und wenn es mit der Ansiedlung dieses Betriebes nicht klappt, ist eine vegetarische Currywurst auf seiner Speisekarte nicht ausgeschlossen. Mehr Personal für die Wirtschaftsförderung im Rathaus und Senkung der Gewerbesteuer nennt er als einen Ausweg aus der Misere. „Es gibt so viele Fördermöglichkeiten für Firmen. Wenn die einzige Fachkraft für Wirtschaftsförderung diese Unterlagen liest, ist sie schon ausgelastet“, sagt er. Man müsse die Vorzüge der Stadt propagieren, meint er und kritisiert: „Wir haben einen Wurmauenpark, einen schönen Markt- und Rathausplatz und null Events.“

Um die Stadt sauber zu halten, seien auch die Geschäftsleute gefragt. „Die müssen nicht immer nach dem Bauhof rufen, die dürfen auch mal ein Stück Wildkraut selbst entfernen.“ Das Leben im Dorf ist dem Teverener bestens vertraut: „Warum sind die Geschäfte im Dorf gestorben? Doch nur deshalb, weil keiner mehr eingekauft hat“, erklärt er. Den Vereinen sagte er voraus: „Es wird schmerzliche Einschnitte geben, zusätzliche Finanzmittel werden nicht möglich sein.“ Warum kandidiert der Mann, der bisher in der Küche gestanden hat? „Ich will unternehmerisches Denken in die Stadt bringen.“

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