Übach-Palenberg - Zum Traumrad mit Hilfe des Arbeitgebers

Zum Traumrad mit Hilfe des Arbeitgebers

Von: Dettmar Fischer
Letzte Aktualisierung:
16105913.jpg
Michael Müller (l.) nutzt sein Dienstrad auch privat, so kommt er ganz ohne Auto klar. Foto: defi
16105914.jpg
Nicole Kießling fährt ihr Dienstrad ebenfalls gerne in der Freizeit, wie hier im Carl-Alexander-Park. Foto: defi

Übach-Palenberg. Michael Müller hat sich ein neues Fahrrad zugelegt. Müller wohnt in Boscheln und arbeitet als Verkäufer in einem Supermarkt in Herzogenrath. Ungefähr neun Kilometer lang ist die Strecke vom Wohn- zum Arbeitsort. Und da Michael Müller kein Auto hat, ist das Rad die perfekte Alternative. „Mit dem neuen E-Bike sind selbst die Berge bei Herzogenrath kein Problem mehr“, sagt Müller.

Er hat sich beim Fahrradkauf nicht nur wegen der Herzogenrather Berge für die Mountainbike-Variante eines E-Bikes entschieden.

Michael Müller hat für den Weg zur Arbeit und auch für die Touren in der Freizeit ein Fahrrad ausgewählt, das ziemlich hochwertig ist und im Laden 2099 Euro gekostet hätte. Eigentlich hätte das neue Rad mit Rücksicht auf das Portemonnaie eine Nummer kleiner ausfallen müssen. Doch mit dem Dienstradleasing gelang der Sprung in die höhere Qualitäts- und Preis-Klasse. „Dieses Rad hätte ich mir sonst nicht leisten können“, sagt Michael Müller. Und er erklärt, wie er an sein Dienstrad gekommen ist.

Los ging es mit einem Flyer, den das Unternehmen, zu dem seine Marktfiliale gehört, an seine Mitarbeiter verteilte. Und da Michael Müller gerade über ein neues Fahrrad nachdachte, landete der Flyer nicht gleich im Altpapier.

In wenigen Schritten wurde im Infoblatt der Weg zum Dienstrad skizziert. Der erste Schritt führte ins nächste Fahrradgeschäft. Müller entschied sich für Sportwelt Scherer gleich bei ihm um die Ecke. Das Unternehmen von Birgit Scherer ist Partner zahlreicher Anbieter für das Fahrradleasing wie Jobrad, Lease-a-bike, Businessbike, Mein-Dienstrad.de und Bikeleasing-Service.

„Inzwischen bieten viele Fahrradgeschäfte auch auf dem Land das Fahrradleasing an“, hat Hartmut Schiszler vom Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club (ADFC) Kreis Heinsberg festgestellt. Schiszler ist von der Dienstradidee überzeugt. Er hat sie aber für sich nicht nutzen können. Der Knackpunkt ist: sein Arbeitgeber ist nicht vorsteuerabzugsberechtigt.

Kein großer Aufwand

Vorsteuerabzugsberechtigt sind die Unternehmen, die selbst Umsatzsteuer erheben und an das Finanzamt weiterleiten. Das klingt kompliziert, ist aber relativ einfach beim Arbeitgeber abzuklären. Über eine der Firmen, die sich auf das Fahrradleasing spezialisiert haben, wird der Leasing-Vertrag abgewickelt. Das ist einfach und kein großer Aufwand für alle Seiten. Der Arbeitnehmer füllt die Formulare aus und lässt sie vom Arbeitgeber unterzeichnen. Dann muss nur noch das Rad beim Händler abgeholt werden und los geht es mit dem Dienstradstrampeln.

Nicole Kießling ist gelernte Schriftsetzerin und bei einem Verlag beschäftigt, der seinen Mitarbeitern ebenfalls das Dienstrad ans Herz gelegt hatte. Sie hatte sich wie Michael Müller ebenfalls für ein als Mountainbike ausgelegtes, hochwertiges E-Bike entschieden. Beim Kauf würde das Rad stolze 2400 Euro kosten.

Dem Dienstradfahrer werden die Leasingraten vom Bruttolohn abgezogen, wodurch sich ein steuerlicher Vorteil ergibt, den Nicole Kießling so abschätzt: 77 Euro monatliche Leasingrate schlagen angesichts eines geringeren zu versteuernden Einkommens dann nur noch mit 45 Euro zu Buche. „Da kommt schon was zusammen über drei Jahre“, sagt Nicole Kießling, die es wie Michael Müller bislang nicht bereut, sich ein Dienstrad zugelegt zu haben. „Vor allem auch, weil ich es vollumfänglich auch in der Freizeit nutzen darf“, sagt sie. Von ihrem Wohnort Baesweiler will sie, sobald das Wetter sich etwas stabilisiert, dann auch regelmäßig nach Aachen die 19 Kilometer lange Strecke zur Arbeit mit dem Fahrrad fahren.

Michael Müller hat sein im September 2017 gekauftes Rad gerade aus der Reparatur geholt und für den Service nichts bezahlt. Denn Wartung und Reparaturkosten sind mit der Leasingrate bereits abgedeckt. Nach Ablauf des Leasingvertrags kann der Nutzer das Rad zurückgeben oder kaufen. Die Restrate nach Ablauf der Leasingzeit variiert je nach Anbieter.

Möchte der Nutzer das Dienstrad auch privat nutzen, muss er ein Prozent des Listenpreises als geldwerten Vorteil versteuern. Anders als beim Auto fällt für die zurückgelegten Strecken keine weitere Versteuerung an.

Hartmut Schisz-ler vom ADFC sieht darin die Möglichkeit, Arbeitnehmern den Umstieg vom Auto auf das Rad zu versüßen und den Verkehr auf unseren Straßen langfristig zu reduzieren. „Seit ich selber mit dem Rad zur Arbeit fahre“, sagt Schiszler, „war ich nicht mehr erkältet.“

Fittere Arbeitnehmer dürften auch den Arbeitgeber freuen. Das A und O der Dienstradgeschichte dürfte für den Arbeitnehmer aber sicherlich das gesparte Geld sein. Der „Vorteilsrechner“ bei Jobrad kommt bei einem Kaufpreis von 2400 Euro, einem Bruttogehalt von 1500 Euro bei Steuerklasse 1 auf eine Ersparnis von 688,61 Euro gegenüber dem Ladenpreis. Nicole Kießling dreht im Carl-Alexander-Park noch ein paar Freizeitrunden, bis es auf den Dienstweg nach Aachen geht. Und Michael Müller nimmt auf seinem Weg zur Arbeit die Herzogenrather Berge ein wenig leichter.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert