Zum Geschichtsbuch die Distanz verloren

Von: Lynn Kühl und Lisa Große
Letzte Aktualisierung:
Biografien und Erlebnisse: (vo
Biografien und Erlebnisse: (vo.v.l.) Joffe Dahlen, Inge Mason-Dorenkamp, Marlene Mühlbauer, (hi.v.l. Lokalhistoriker Karl-Heinz Nieren, Dr. Martin Kerkhoff, rechts Marita Rosenthal-Becher. Foto: Georg Schmitz

Geilenkirchen. Im Rahmen der Projektwoche an der Anita-Lichtenstein-Gesamtschule fand sich eine Gruppe von 17 Schülerinnen und Schülern aus den Klassen 7, 8, 11 und 12 zusammen, um sich ein Bild von Geilenkirchen zur Zeit des Kriegsendes zu machen.

Die Motivation der Schüler für die Teilnahme an diesem Projekt war vor allem das Interesse für diese Zeit und das fehlende Wissen über die spezielle Geschichte ihrer Heimat.

Zunächst fanden sich verschiedene Gruppen mit unterschiedlichen Themen zusammen. So interessierten sich die einen eher für die militärischen Geschehnisse in der Region Geilenkirchen oder die Beziehung der Niederländer zu den Deutschen in dieser Zeit, andere erarbeiteten Bildercollagen zur Zerstörung von Geilenkirchen, die Entwicklung der Landwirtschaft nach Kriegsende oder Plakate zur Kleidung.

Unter der Leitung der Lehrer Marita Rosenthal-Becher und Dr. Martin Kerkhoff vervollständigte sich so allmählich das anfangs lückenhafte Bild von Geilenkirchen um 1945. Zentraler Punkt des Projektes waren drei Zeitzeugen aus Geilenkirchen, die in die Schule eingeladen wurden, um den Schülerinnen und Schülern von ihren Erlebnissen und Eindrücken im Zweiten Weltkrieg zu berichten: Marlene Mühlbauer, Inge Mason-Dorenkamp und Joffe Dahlen ermöglichten diesen direkten Zugang zur Geschichte. Die zuvor behandelten Themen konnten nun mit persönlichen Berichten lebendiger werden.

Verschiedene Biografien

Die unterschiedlichen Biografien der Gäste veranlassten die Schüler zu zahlreichen Fragen. In einem Punkt stimmen alle drei Biografien überein: Die drei Zeitzeugen kehrten nach Kriegsende wieder in ihre Heimatstadt Geilenkirchen zurück. Joffe Dahlen hatte sich freiwillig zum Fliegerischen Dienst gemeldet. Beweggrund hierfür war vor allem der Traum, Pilot zu werden. Im Gegensatz hierzu wurde Inge Mason-Dorenkamp zum Pflichtdienst eingezogen und musste Arbeitsdienst auf dem Bauernhof leisten. Dazu musste sie beim Ausgraben von Laufgräben helfen, ehe sie in Hamburg später als Flak-Helferin tätig war. Marlene Mühlbauer dagegen erlebte den Krieg als Kind. Ihre Eltern besaßen einen Bauernhof in Niederheid, der im Krieg zerstört wurde. Trotzdem kehrte die Familie nach Kriegsende wieder nach Geilenkirchen zurück, um ihr Anwesen wieder aufzubauen.

Das Gespräch mit den Zeitzeugen wurde von allen Schülern als eine Bereicherung ihres Projektes betrachtet. „Erstaunlich fand ich vor allem, was die Zeitzeugen in meinem Alter erlebten. Mit 17 Jahren in einen Krieg zu ziehen, kann ich mir nicht vorstellen”, meinte der 17-jährige Sebastian Johnson.

Ergebnisse gebündelt

Der letzte Tag der Projektwoche diente dazu, die erarbeiteten Materialien für die Projektvorstellung museal darzustellen. Parallel dazu unternahm die andere Gruppe einen Ausflug zum historischen Klassenzimmer nach Immendorf. Dort konnten die Schüler das Schulleben in der Nachkriegszeit nachempfinden und erhielten zusätzliche Eindrücke von einer Zeitzeugin. Insgesamt war das Projekt ein Erfolg in vielerlei Hinsicht. Das, was die Schüler in dieser Woche erarbeiteten, hätten sie in dieser Form im Unterricht nicht erlernt. Die Thematik des Zweiten Weltkrieges war nicht länger nur ein distanziertes Thema, das im Fach Geschichte behandelt wird, sondern wurde nun durch den lokalen Bezug näher gebracht. Der Zweite Weltkrieg fand nicht nur in den Geschichtsbüchern statt, sondern ist ein Teil der Geschichte des Heimats- oder Wohnortes der Schülerinnen und Schüler.
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