Zum „dritten Weihnachtstag“ auch Segen für den Wein

Von: Johannes Gottwald
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Häufig werden die Evangelisten durch Tierfiguren dargestellt. Der Adler in der Vierungskuppel der Stadtpfarrkirche St. Mariä Himmelfahrt in Geilenkirchen symbolisiert den Apostel Johannes (r.). Dessen Fest wird am 27. Dezember begangen. Foto: Johannes Gottwald

Geilenkirchen. Der 27. Dezember wird im Volksmund häufig als „dritter Weihnachtstag“ bezeichnet. Im offiziellen Kirchenkalender gibt es diesen Terminus aber nicht; vielmehr wird an diesem Tag das Fest des Apostels und Evangelisten Johannes begangen.

Der Apostel Johannes galt als der Lieblingsjünger von Jesus und wurde vor dessen Tod damit beauftragt, für die Gottesmutter Maria zu sorgen – woraus man schließen könnte, dass Jesus keine leiblichen Geschwister hatte, die sonst nach jüdischer Sitte zur Fürsorge verpflichtet gewesen wären.

Später wirkte Johannes vor allem in Kleinasien (der heutigen Türkei) als Missionar und wohnte in Ephesus, damals eine reiche Handelsmetropole. Als einziger der zwölf Apostel endete er nicht als Märtyrer, obwohl er mehrfach verhaftet und gefoltert wurde. Für einige Jahre wurde er auf die Insel Patmos verbannt, wo er vermutlich die großen Visionen empfing, die später als „Apokalypse“ zum letzten Buch des Neuen Testamentes zusammengefasst wurden.

Gegen Ende seines Lebens entstand dann auch das nach ihm benannte Evangelium als vierte (und letzte) große biblische Darstellung des Wirkens Jesu. Heute sind sich die Bibelwissenschaftler allerdings darüber einig, dass Johannes nicht als alleiniger Autor seines Evangeliums betrachtet werden kann. Höchstwahrscheinlich hatte er – ähnlich wie heutzutage Boris Becker, Oliver Kahn und andere Prominente – einen oder mehrere „Ghostwriter“, die seine persönlichen Erinnerungen aufzeichneten, ergänzten und in die heute bekannte literarische Form brachten. Bei der Apokalypse dürfte dies wohl ebenso gewesen sein.

Am Fest des Apostels Johannes kennt man bis heute einen besonderen Ritus: Die Segnung des „Johannis-Weines“. Der Legende nach wurde dem Apostel Johannes auf einer Missionsreise ein Glas mit vergiftetem Wein vorgesetzt. Er soll davon getrunken haben, ohne dabei Schaden zu nehmen, und auf diese Weise einen heidnischen Artemis-Priester, der ihn auf diese Weise beseitigen wollte, bekehrt haben.

Im Rheinland verbreitet

Bis etwa 1920 war dieser Brauch im gesamten Rheinland allgemein verbreitet, nicht selten wurde dabei zugleich der Messwein für das gesamte Jahr gesegnet. In Frauwüllesheim bei Düren brachten die Kirchenbesucher Weinflaschen mit in die Kirche, die ebenfalls mit Weihwasser besprengt wurden. Für die Messdiener und andere Kinder war der 27. Dezember ein besonderes Datum – der einzige Tag im Jahr, an dem sie einen Schluck Rotwein trinken durften. Dieser Brauch ist heute weitgehend ausgestorben, auch im Raum Geilenkirchen ist die Erinnerung daran erloschen. „Bei uns gibt es das nicht“, so der Subsidiar Pater Fuss von St. Marien. „Selbst in meinem Priesterseminar in Trier war diese Segnung unbekannt.“

Umso interessanter die Tatsache, dass dieser Ritus in den zurückliegenden Jahren wieder neu entdeckt wurde. 2011 wurde in St. Maria Lyskirchen in der Kölner Altstadt erstmals wieder der Johanniswein gesegnet, und sogar im Bistum Aachen findet er wieder Eingang, beispielsweise in der St. Stephans-Gemeinde in Krefeld, wo die Segnung 2012 wieder stattfand. Der Priester spricht dabei die Worte: „Trinket die Liebe des heiligen Johannes – im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes, Amen.“ Früher wurde der gesegnete Wein von den Gläubigen auch mit nach Hause genommen und häufig als Medizin benutzt. Sogar in die Viehtränke schüttete man einige Tropfen des Weins.

Tiere bilden Symbole

Interessanterweise werden die vier Evangelisten in den Kirchen häufig durch bestimmte Tiere symbolisch dargestellt.

Der Apostel Johannes erscheint dabei als Adler. Weshalb man ausgerechnet auf diesen Raubvogel kam, erklärt sich aus einer altkirchlichen Schrift des heiligen Hieronymus. Nach Meinung dieses Kirchenlehrers zeigen die Anfangsworte des Johannes-Evangeliums (Im Anfang war das Wort...) einen außerordentlichen geistigen Höhenflug. „Wie ein Adler hat sich Johannes hoch über die anderen Evangelisten erhoben“, so Hieronymus. Dagegen wird Markus als Löwe dargestellt, Lukas als Stier, lediglich Matthäus als gewöhnlicher Mensch.

Wenn man also in einer Kirche diese Tierfiguren sieht, handelt es sich also keineswegs um Fantasieprodukte der Maler und Bildhauer, sondern um eine Personen-Symbolik, die dahinter steht.

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