„Ziele zu erreichen, ist für mich eine kleine Sucht“

Von: Udo Stüßer
Letzte Aktualisierung:
10434183.jpg
Er glaubt, ein guter Fraktionsvorsitzender, aber kein guter Bürgermeister zu sein: Jürgen Benden. Foto: Udo Stüßer

Geilenkirchen. Seit 20 Jahren ist er für die Geilenkirchener Grünen aktiv, seit 18 Jahren ist er Parteivorsitzender, seit 16 Jahren Fraktionsvorsitzender. Kürzlich wurde Jürgen Benden von der Mitgliederversammlung ebenso wie Maja Bintakys-Heinrichs an der Spitze der Partei bestätigt.

 „Ich habe die Grünen mitgeprägt, weil ich ein Workaholic bin. Ziele zu erreichen, ist für mich wie eine kleine Sucht“, sagt der 56-Jährige. Fünf Herzensthemen, so sagt er, werden ihn in den nächsten beiden Jahren als Parteichef besonders beschäftigen. Defizite sieht Benden in der Stadtentwicklung.

„Wir weisen immer mehr Neubaugebiete ohne Bedarfsanalyse aus. Bauwillige junge Leute sollten sanierungsbedürftige Häuser für sich entdecken, sich beraten lassen, welche Möglichkeiten der Sanierung es gibt. Denn es kann sehr attraktiv sein, im Dorf zu wohnen“, sagt Benden. Bei der Gelegenheit kritisiert er die Innenstadtsanierung, besonders der fünfte Bauabschnitt vor der evangelischen Kirche liegt ihm schwer auf dem Magen: „Warum werden da 500 000 Euro aus Steuergeldern ausgegeben? In diesem Bereich findet man nur sechs leer stehende Ladenlokale.“

Natur und Umwelt sind natürlich grüne Themen: „Es werden in Geilenkirchen viele Grünflächen und alter Baumbestand vernichtet, ohne einen Ausgleich zu schaffen. Wir fordern ein Kataster, aus dem ersichtlich ist, wo ein ökologischer Ausgleich geschaffen wurde.“ Bei der Erstellung eines Klimaschutzkonzeptes sei Geilenkirchen auf einem guten Weg. „Allerdings ist Geilenkirchen eine fahrradunfreundliche Stadt.

Es muss ein Konzept für ein Radwegenetz geschaffen werden.“ Viele Radwege, so bedauert Benden, würden nicht gepflegt. „Wir werden sicherlich nicht das Radfahr-Mekka. Aber Radfahrer sollen sicher und schnell von A nach B kommen.“

Redet man mit Jürgen Benden über Soziales, kommt er auch schnell auf den Bürgertreff zu sprechen. „Der muss von der Stadt unterstützt werden. Wir nehmen der Stadt mit dem Bürgertreff viel Arbeit ab“, fordert er. Er lobt bei der Gelegenheit die Willkommenskultur für Asylbewerber und weiß, dass noch mehr Menschen kommen werden.

„Wir müssen vernünftige Möglichkeiten suchen, wie die Asylbewerber in menschengerechten Unterkünften gleichmäßig in der Stadt verteilt werden können, so dass es für die Bevölkerung und für die Flüchtlinge akzeptabel ist.“

Blickt Benden auf die Geilenkirchener Schullandschaft, wird er nicht müde, seine alte Forderung zu wiederholen: „Alle Geilenkirchener Kinder müssen in Geilenkirchen einen angemessenen Schulplatz finden.“ Das Problem der Hauptschüler sei auch ein Problem der Realschule. „Realschüler und Hauptschüler ohne Differenzierung zu unterrichten, geht nicht“, sagt er und sieht die Lösung im vom Landtag beschlossenen 12. Schulrechtsänderungsgesetz.

„Jetzt gibt es die Möglichkeit, eine Differenzierung anzubieten, so dass alle Abschlüsse der Hauptschule erreicht werden können“, sagt Benden. Erste Gespräche würden in Geilenkirchen bereits geführt. „Diese Differenzierung muss zum Schuljahr 2016/2017 kommen. Die weiterführende Realschule mit mehr Kompetenz würde keine zusätzlichen Kosten verursachen, aber mehr Möglichkeiten für die Schüler bieten“, meint Benden. Geilenkirchen müsse, so der Grünen-Chef, nicht nur Schulstadt, sondern Bildungsstadt bleiben. „Das Eichendorff-Kolleg muss bleiben.

Hier sollten aber nicht nur russlanddeutsche Aussiedler unterrichtet werden. Warum kann man das Institut nicht internationalisieren? Warum kann man es nicht für den syrischen Flüchtling öffnen?“ Jürgen Benden hat sich für die nächsten beiden Jahre viel vorgenommen. „Mit dem neuen Bürgermeister, egal wer es wird, werden wir konstruktive Gespräche führen.“ Für seine Person hat Benden von Anfang an eine Kandidatur als Bürgermeister stets ausgeschlossen. „Sicherlich bin ich von vielen angesprochen worden“, gesteht er.

Aber: „Ich mache gute grüne Kommunalpolitik für Geilenkirchen, ich bin ein guter Fraktionsvorsitzender. Aber ich glaube nicht, dass ich ein guter Bürgermeister wäre.“ Weil man lange Zeit Kommunalpolitik betreibe, sei man nicht automatisch ein guter Bürgermeister. Und einen auswärtigen grünen Kandidaten für Geilenkirchen zu gewinnen, sei schwer, weil die Aussicht auf einen Wahlerfolg nur gering sei. „Sogar die SPD hatte doch Schwierigkeiten einen eigenen Kandidaten zu finden.“

Wem er am 13. September bei der Bürgermeisterwahl seine Stimme gibt, verrät er nicht. „Wählen gehen ist Pflicht. Vielleicht mache ich ein kleines Kreuzchen, vielleicht ein großes Kreuz über den ganzen Wahlzettel. Das bleibt mein Geheimnis.“

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert