Zeus mit schmerzenden Füßen nach dem Vorhang

Von: Markus Bienwald
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„Götter“ beim Aufräumen nach der gelungenen Schultheatervorstellung (v.l.): Hades (Marleen Katz), Zeus (Joshua Amian) und Hera (Tina Hiseni) mit Putzzeug und Engagement in der großen Aula des Schulzentrums. Foto: Markus Bienwald
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Die letzte Zusammenkunft von Adonis (Henning Schmitz) und Aphrodite (Anna Vehres endet mit einem Schreck. Foto: Markus Bienwald

Übach-Palenberg. „Ein Gott ist nur ein Mensch und ein Halbgott sowieso.“ Das Programmheft schuf bereits Fakten zur wahrhaft göttlichen Komödie „Mein Gott, Zeus“, die am Montagabend im des Pädagogischen Zentrums ihre Premiere feierte.

Der Literaturkurs des Carolus-Magnus-Gymnasiums (CMG) unter der Leitung von Martina Corsten zeigte das auf dem Text von Jürgen Sprenzinger basierende Bühnenstück und begeisterte damit mehr als 300 Menschen.

Wie viel Arbeit hinter der Aufführung stand, wie viel Arbeit es macht, an einem Abend und dann für wenige Stunden das Rampenlicht einzuschalten und auf der Bühne live aufzutreten, war auch am Mittag nach dem viel umjubelten Abend zu spüren. Da wurde nach den Schulstunden gemeinsam die Dekoration wieder abgebaut, es packten alle 17 Kursteilnehmer, die sich am Abend zuvor und in den Wochen und Monaten davor teilweise die ohnehin mit Lernen zu füllenden Wochenenden noch mit Proben um die Ohren schlugen, gemeinsam an.

Lacher und Szenenapplaus

„Auch beim Aufräumen sind alle da, waren pünktlich.. Und auch wenn sie heute ihre Leistungskursklausuren hatten, haben sie gestern auf der Bühne wirklich alles gegeben“, lobte eine sichtlich zufriedene Lehrerin. Am Abend zuvor war nicht nur ein gewisses Kribbeln, das bei Live-Veranstaltungen in der Luft liegt, zu spüren.

Die Schüler schienen ob der Aufgabe, vor großem Publikum zu spielen, über sich hinaus zu wachsen. In dem Stück drehte sich alles um den bärtigen und ein wenig selbstverliebten Göttervater Zeus, der alle Hände und Gaben voll zu tun hat, seine göttliche Rasselbande im Zaum zu halten.

Da gibt es den narzisstischen Herkules (Svenja Windeck), der nur seine Muckis und die nächsten Frauengeschichten im Kopf hat. Da gibt es Aphrodite (Anna Vehres), die am liebsten den ganzen Tag mit ihrem angebeteten Adonis (Henning Schmitz) zusammen sein will. Und da gibt es auch Hades (Marleen Katz) aus der Unterwelt, die für Stress pur im Olymp sorgt, und Hera (Tina Hiseni), die mit ihrem Zeus vorrangig in Ruhe Ambrosia trinken möchte und sich von Hermes (Michael Friedrichs) gerne die neuesten Neuigkeiten anhört.

Doch die Art und Weise, wie die Schüler das Ganze auf die Bühne transportierten, sorgte nicht nur für Lacher und Szenenapplaus, sondern auch für Gänsehaut und Begeisterung.

So banden sie beispielsweise Werbung für Schokoriegel oder Fruchtgummitiere nahtlos in die Aufführung ein, brachten mit einer Internetplattform für bindungssuchende Götter hochaktuelle Trends mit ein, sorgten mit einer Sprache, die gar nichts mit dem alten, altbackenen zu tun hat, die ein unbedarfter Gast vielleicht erwartete, und überraschten mit einer überaus hervorragenden Mischung aus Spaß und Ernsthaftigkeit, die ihresgleichen sucht.

Handgemacht und gut

„Ich habe die vergangenen Wochen nicht mehr ausgeschlafen, ich musste lernen, Sachen mitbringen und viel tun“, erzählt Marleen Katz, die Hades-Rolle vom Vorabend, über ihre Theater-Erfahrungen. Dennoch sei es unvergleichlich schön, das zu tun, „weil es etwas ist, das man sonst nie macht“.

Live auf der Bühne zu stehen, war auch für Hera-Darstellerin Tina Hiseni eine überaus spannende Erfahrung. „Weil man dann in eine Rolle hineinschlüpfen kann, die man selbst nicht ist“, sagt sie, „und weil das Wichtigste ist, selbstbewusst zu werden, um das Publikum zu begeistern.“

Joshua Amian schließlich, der am Vorabend den Zeus gab, erzählte, dass ihm zwar noch die Füße wehtun, er das Theater aber hoch schätzt. „Es ist ein großer Unterschied, etwas ohne Hilfsmittel zu zeigen, das einfach nur handgemacht ist“, sagt er. Und im Gegensatz zu den Proben, bei denen der Text manchmal nur heruntergeleiert werde, fand er es überaus spannend, vor 300 Menschen zu spielen, „dann muss man das Ganze noch besser darstellen“.

Das ist zweifellos gelungen, denn selbst am Tag nach der Aufführung rissen die positiven Kommentare nicht ab. Dabei gefiel dem Publikum insbesondere die ausgezeichnete wie ausgewogene Mischung aus Spaß und Ernsthaftigkeit besonders. So banden die Eleven beispielsweise am Ende noch in einzigartiger Manier Goethes Gedicht „Die Götter“ ein, ließen es teils chorisch erklingen, teils einzeln vortragen und erlebten dafür stehende Ovationen. Einfach göttlich eben.

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