Geilenkirchen - Zeitzeugen öffnen vor Schülern ihr Herz

Zeitzeugen öffnen vor Schülern ihr Herz

Von: Udo Stüßer
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Mit einer Ausstellung informieren Schüler des St.-Ursula-Gymnasiums an den Krieg und die Folgen. Foto: Markus Bienwald
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Fachlehrerin Laura Schmidt erläuterte Oberstleutnant Volker von dem Bach (links) und Brigadegeneral Karsten Stoye (rechts) im Beisein von Schulleiter Jürgen Pallaske die Exponate. Foto: Markus Bienwald
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Am Abend trafen sich dann Schüler der weiterführenden Schulen auf dem jüdischen Friedhof. Foto: Markus Bienwald

Geilenkirchen. Am 9. November 1938 brannten in Deutschland Synagogen. Auch die Synagoge in Geilenkirchen wurde in der Po-gromnacht zerstört. Jüdische Häuser und Geschäfte wurden demoliert und geplündert, jüdische Bürger aus ihren Häusern getrieben, geschlagen, verjagt, deportiert und später in Konzentrationslagern ermordet. Der 9. November war der Auftakt des größten Völkermordes in der Geschichte der Menschheit.

70 Jahre nach Kriegsende erinnerten am Montag Geilenkirchener Schulen und die Kirchengemeinden an die Verfolgung der Juden im Dritten Reich. Schüler des St.-Ursula-Gymnasiums und der Realschule gingen nach einer Andacht in der evangelischen Kirche am Abend über den Synagogenplatz zum jüdischen Friedhof. Bei diesem Erinnerungsgang trafen sie auf Schüler der Anita-Lichtenstein-Gesamtschule und des Berufskollegs.

Auf dem jüdischen Friedhof beteten Pfarrerin Tanja Bodewig und Pastor Peter Frisch für die Opfer des Naziterrors. Am Morgen schon hatte Hans Bruckschen, Geschichtslehrer an der Gesamtschule und Koordinator der Initiative „Erinnern“, mit 40 Schülern Blumen und Steine auf dem Friedhof niedergelegt. Schüler der Gesamtschule besuchen in jedem Jahr den jüdischen Friedhof.

Am Mittag wurde auf dem Nato-Flugplatz in Teveren die viel beachtete Ausstellung „70 Jahre Kriegsende: Zwischen Krieg und Frieden in der Region Geilenkirchen“ von Brigadegeneral Karsten Stoye, Kommandeur des Awacs-Verbandes, und Jürgen Pallaske, Leiter des Geilenkirchener St.-Ursula-Gymnasiums, im Centry Club eröffnet. Diese Ausstellung ist das Ergebnis eines Oberstufenprojektes und wurde bereits im Frühjahr im Geilenkirchener Haus Basten präsentiert.

Ein Jahr lang hatten elf Schüler unter der Leitung der Fachlehrerinnen Laura Schmidt, Anne Ziemons und Ramona Dahlmanns Zeitzeugen befragt, im Stadtarchiv recherchiert und Filmdokumente ausgewertet. Das Ergebnis ist auf informativen Schautafeln unter den Überschriften „Evakuierung der Bevölkerung im Kreis Geilenkirchen“, „Schicksal Camp Vught“, „Neubeginn unter alliierter Kontrolle“, „Neubeginn in Trümmern“, „Entnazifizierung in Geilenkirchen“ und „Zwischen Krieg und Frieden: 70 Jahre Kriegsende in der Region Geilenkirchen“ zu sehen. Der Awacs-Verband hat die Texte dieser Tafeln vom Sprachendienst des Zentrums für Verifikationsaufgaben der Bundeswehr in der Niederheider Selfkant-Kaserne ins Englische übersetzen lassen, so dass sie für alle am Verband beteiligten Soldaten und Zivilisten aus 16 Nationen zu lesen sind.

Unter den zahlreichen Besuchern der Ausstellung im Frühjahr in Haus Basten war auch eine Delegation deutscher Soldaten. „Diese Ausstellung wollten wir einmal einem internationalen Publikum zeigen“, erklärte Oberstleutnant Volker von dem Bach, Kommandeur der deutschen Unterstützungsgruppe und stellvertretender dienstältester deutscher Offizier.

Karsten Stoye dankte Pallaske und dessen Kolleginnen, „dass Sie dieses Projekt ins Leben gerufen haben und gemeinsam mit uns den Angehörigen der Nato-Air-Base ein Stück Zeitgeschichte näherbringen wollen“. Zu den Schülern sagte der Kommandeur: „Danke, dass Ihr so viel Herzblut in das Projekt gesteckt habt und mit dazu beitragt, dass Eure Arbeit einem internationalen Publikum vorgestellt werden kann.“

Die Erinnerung an diese Zeit zwischen Krieg und Frieden wachzuhalten, das habe sich die Projektgruppe mit den Kolleginnen zum Ziel gesetzt, erklärte Schulleiter Jürgen Pallaske. „Die Begegnung mit Zeugen jener Zeit, die uns an ihren Erinnerungen teilhaben lassen, für uns ihre persönlichen Archive sowie ihr Herz und ihre Gefühle öffnen – dies alles macht diese Ausstellung einzigartig. Die Erinnerung an diese Zeit wird dadurch lebendig“, sagte er. Dass erst Gespräche mit Menschen, die diese Jahre miterlebt haben, dazu führen, dass Konturen in Biografien nicht abstrakt bleiben, sondern Gestalt annehmen und lebendig werden, erklärte nicht nur Pallaske. „Wenn mir Menschen bei ihren Erzählungen in die Augen schauen und ihre Gefühle äußern, bin ich froh, dass wir an ihren Erinnerungen teilhaben können“, sagte beispielsweise die Schülerin Theresa Ernst, die ihre Oma Maria Houben interviewt hatte.

Zeitzeugen kamenam Montag aber nicht nur auf dem Nato-Flugplatz zu Wort: Nach dem Gedenken auf dem jüdischen Friedhof hatten Schulleiter Uwe Böken und sein Kollegium in Kooperation mit der VHS und der Initiative „Erinnern“ Zeitzeugen zu einem Gesprächsabend in die Gesamtschule eingeladen, um gemeinsam die Erinnerung wachzuhalten (Bericht folgt).

Die Ausstellung auf dem Flugplatz ist bis zum 18. Dezember dienstags und donnerstags von 13 bis 15 Uhr für Nato-Angehörige geöffnet.

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