Zeit der Einkehr: Beichten geht heutzutage anders

Von: Andrea Schever
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Bietet auch Gespräche außerhalb des Beichtstuhls an: Pfarrer Michael Wenzel. Foto: Andrea Schever

Gangelt. Menschen und Bräuche ändern sich mit der Zeit: Wo es vor einigen Jahren noch selbstverständlich war, vor großen kirchlichen Feiertagen zur Beichte zu gehen, treffen heutige Pfarrer immer weniger Menschen an, wenn es ums Beichten und die Bußgottesdienste geht.

Um diesem Trend zu begegnen, lädt die Weggemeinschaft der Gangelter Gemeinden heute erstmals zu einem etwas anderen Angebot ein: zur Zeit der Einkehr. „Wir merken einfach, dass das klassische Angebot bei den Gläubigen nicht mehr zieht“, erklärt Pfarrer Michael Wenzel. „Daher möchten wir mit diesem Angebot nach dem Prinzip der offenen Kirche die Möglichkeit bieten, einen geschützten Raum zu finden und in ein Zwiegespräch mit sich selbst und Gott kommen zu können.“

Wer etwas über Gott vermitteln will, der müsse auch mit der Zeit gehen, räumt Wenzel ein. „Das Klischee des Beichtens ist für mich unverständlicherweise auch heute noch, dass der Pfarrer mit erhobenem Zeigefinger schimpft. So kenne ich es nicht und so ist es auch hier in Gangelt seit mindestens 20 Jahren nicht mehr!“

Um dem sinkenden Interesse an Beicht- und Bußgelegenheit zu begegnen, einigte sich das Pastoralteam auf die Einführung des neuen Angebotes, wofür jedoch die bisherigen Bußgottesdienste in der Gemeinde wegfallen. Zwischen 15 und 16 Uhr kann heute jeder in die offene Kirche St. Nikolaus in Gangelt kommen. An drei Stationen werden meditative Impulse geboten, die Begegnung mit Gott und sich selbst bieten.

Dabei ist auch das Aufschreiben von persönlichen Anliegen und Gebeten in ein Fürbittenbuch möglich. Wer darüber hinaus noch in ein persönliches Gespräch treten möchte, kann dies an einer vierten Station tun. Dort bietet sich die Möglichkeit zum seelsorgerischen Gespräch, welches natürlich der Verschwiegenheit unterliegt. „Man muss das eigene Leben und Handeln einfach reflektieren“, sagt Wenzel, „damit man sein Leben bewusst gestalten kann. Nur wer seine Fehler bemerkt und sie eingesteht, der kann daran arbeiten.“

„In allen möglichen Bereichen gibt es heute Coachings oder Imageberatungen, bei denen gesagt wird, was man schon gut kann und an was man noch arbeiten sollte“ – und genau so möchte Pfarrer Wenzel auch das Beichtgespräch verstanden wissen. Er möchte dem Gläubigen mitteilen, dass Gott jeden mit offenen Armen willkommen heißt, und nicht betonen, welche Fehler er alle gemacht hat. Und dafür bietet sich am Samstag für jeden Interessierten Zeit und Raum in St. Nikolaus.

Trotz des neuen Angebots bleibt die Beichtgelegenheit alle zwei Wochen vor der Wochenendmesse in Kreuzrath weiterhin bestehen.

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