Zehnter Dan für den Kampfsportler Tom Klein

Von: Markus Bienwald
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Thomas „Tom“ Klein aus Geilenkirchen ist einer der wenigen Kampfkunstsportler, die sich mit dem zehnten Dan-Titel schmücken dürfen. Foto: Markus Bienwald

Geilenkirchen. Fragt man Thomas Klein, wie man ihn ansprechen soll, gibt es ganz schön viele Möglichkeiten, nicht das Wörtchen „Herr“ voranzustellen. Tom sagen alle, die ihn kennen, und das sind viele. Viele kennen ihn aber auch nur als „Sensei“, und das ist mit Sicherheit eine der besten Möglichkeiten, Herrn Klein anzusprechen, vor allem, wenn er gerade seiner großen Leidenschaft, dem Kampfsport, nachgeht.

„Das zeugt von Respekt und Höflichkeit“, sagt der gebürtige Sauerländer Klein, „und ich bitte meine Schüler auch, mich im Training immer so anzusprechen“. Dabei dürfen die Schüler ab sofort auch „Dai Hanshi“ zu ihm sagen, ein Ausdruck der weit über dem mit „Lehrer“ ungefähr übersetzten „Sensei“ liegt. „Diesen Titel, der so etwas wie Hohe Exzellenz bedeutet, bekommen nur Menschen, die den zehnten Dan der Kampfkunst erreicht haben“, erzählt Klein. Einen roten Gürtel mit weißer Einfassung gibt es dafür, mit eingesticktem Namen und Titel.

Während er sich in seinem malerisch gelegenen Haus im Geilenkirchener Stadtteil Honsdorf einen frischen Kaffee brüht, erinnert er sich gerne zurück an die Zeit, als er noch der achtjährige Tom war und zum ersten Mal im weißen Kampfsportanzug steckte. „Ich habe mich immer schon für Sport interessiert“, sagt er, und wie beiläufig zählt er vom Fußball übers Boxen bis hin zu ganz verschiedenen Kampfsporttechniken eine ganze Palette von Sportarten auf, die ihm auch heute noch gefallen.

„Wenn mich meine Eltern gelassen hätten“, beginnt er einen Satz, den er aber nicht wirklich vollendet. Stattdessen erzählt Klein, der mit dem zehnten Dan-Grad einen der seltensten und höchsten Grade überhaupt erreicht hat, dass er seine Tätigkeiten als Trainer und Dozent liebt. Und das ist erst nicht so, seit er sich dem Kampfsport mit Haut und Haaren verschrieben hat.

Denn von Haus aus ist der 53-Jährige Polizist, steht seit mehr als dreieinhalb Jahrzehnten im Staatsdienst und hat durch seine Affinität zum Sport auch dort zum Ausbilderdasein gefunden. Klein angefangen hat er natürlich wie viele andere auch, „aber ich war schon immer ein Kämpfer“, sagt er. Und damit meint er nicht den Sport, sondern den Ehrgeiz, sich für ein Ziel einzusetzen.

Der zehnte Dan, der in der Region seines Wissens nach einzigartig ist, scheint ein beurkundeter Beweis dieses Willens zu sein. So rechnet der Sensei vor, dass von rund 10 000 Menschen, die mit dem Kampfsport anfangen, nur zehn den ersten Dan-Grad erreichen. „Danach wird es noch dünner“, sagt er und malt mit seinen Händen kleine Kreise in die Luft. „Denn die Leute haben heutzutage so viele Angebote, da fällt es manch einem schwer, bei der Stange zu bleiben“, so Klein.

Er blieb bei der Stange, wurde über pädagogische Zusatzausbildungen zum offiziellen Trainer bei der Polizei, ist in Kooperation mit dem Sportverein FC Germania Bauchem deren Kopf der Kampfsportabteilung und hat nach eigenen Angaben schon viele tausend Stunden auf der Matte verbracht. Im Laufe der Jahre sammelten sich da einige Titel an: neben dem gerade erreichten zehnten Dan Goshinkwai Taijitsu ist er mit dem achten Dan in Kobukwai Jiujitsu, mit dem achter Dan in OCS (Operative Combat System) und in zahlreichen anderen Budo-Stilen graduiert, dazu kommen viele Funktionärsposten.

Doch wer sich mit ihm ein bisschen unterhält, stellt fest, dass er keine „Titeljagd“ betreibt, sondern vielmehr das Ganze als Lohn seiner Arbeit sieht, und sein Wissen gerne weitergibt. Und vielleicht ist es ja das, was ihn antreibt, sich seit 45 Jahren dem Kampfsport zu verschreiben. Denn die Antwort auf den zuvor unvollendeten Satz gibt er zwischen den Zeilen auch selbst. „Ich habe einfach Spaß daran zu lehren, den Menschen etwas beizubringen“, sagt Klein. Dabei geht es ihm nicht nur um Technik, auch im Kopf seiner Schüler soll es „Klick“ machen.

Mentales Training

„Über meine Tätigkeit bei der Polizei habe ich gelernt, die Leute auf Situationen vorzubereiten“, betont er. Dabei ist es ihm am liebsten, wenn es keine Handgreiflichkeiten gibt, obwohl er natürlich das volle Repertoire an Handgriffen für den Fall der Fälle im Köcher hätte.

Was er unter mentalem Training versteht, zeigt er regelmäßig in Zusammenarbeit mit der Bauchemer Germania und dem Stadtsportverband Geilenkirchen beispielsweise bei Selbstbehauptungstrainings für Kinder und Erwachsene. „Die sind natürlich unterschiedlich ausgerichtet“, so Klein weiter, der seine Arbeit als studierter Sozialwissenschaftler auch akademisch beurteilen kann. Bei Kindern geht es ihm beispielsweise darum, sie stark zu machen, bei Frauen ist der Ansatz derselbe, wird aber gleichzeitig in ein Bewegungs- und auch Wellnessprogramm verpackt.

Dass er mit diesen Dingen weitermachen wird, steht außer Frage. Dass er irgendwann zu Lebzeiten den elften Dan erreichen wird, ist allerdings keine Frage. „Den gibt es nur postum“, sagt er lächelnd, und diese „Verleihung“ nach dem Ableben als zertifizierter Großmeister darf für Thomas „Tom“ Sensei Klein noch lange auf sich warten lassen.

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