Geilenkirchen - Zehn neue Stolpersteine: Kultur der Erinnerung

Zehn neue Stolpersteine: Kultur der Erinnerung

Von: Georg Schmitz
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In der Konrad-Adenauer-Straße weisen sechs Stolpersteine auf die Familie Dahl hin. Foto: Georg Schmitz
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Reuven Moskovitz mahnte die jungen Leute, die Erinnerung an die Zeit des Nationalsozialismus aufrecht zu erhalten. Foto: Georg Schmitz
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Künstler Gunter Demnig verlegte am Freitag in Geilenkirchen an zwei Standorten neue Stolpersteine. Foto: Georg Schmitz

Geilenkirchen. „Ich habe mein ganzes Leben der Kultur der Erinnerung gewidmet“, sagte Reuven Moskovitz am Freitagmorgen bei der Verlegung von Stolpersteinen in Geilenkirchen.

Damit die schrecklichen Geschehnisse während der Nazi-Herrschaft mit der Ermordung von Millionen Juden bei den nachfolgenden Generationen nicht in Vergessenheit gerät, wurde in Geilenkirchen die Initiative Erinnern im Dezember 2010 von Christa Nickels ins Leben gerufen. Seitdem rückten zahlreiche Aktivitäten die Thematik bei vielen Bürgern ins Bewusstsein.

Auch die Aktionen um die Verlegung von Stolpersteinen tragen dazu bei, die Erinnerung wach zu halten. Bis Donnerstag wiesen 47 dieser mit einer Messingplatte versehenen Steine auf die früheren Wohnorte der jüdischen Mitbürger hin. Am Freitag kamen zehn weitere Stolpersteine hinzu, die vom Künstler Gunter Demnig in die vorgesehenen Stellen auf den Bürgersteigen in der Konrad-Adenauer-Straße und in der Martin-Heiden-Straße eingelassen wurden.

Die Messingplatten sind mit den Namen der früher dort beheimateten und größtenteils in den Konzentrationslagern ums Leben gekommenen Juden beschriftet. In die zehn „neuen“ Stolpersteine hat Gunter Demnig die Namen der Angehörigen der Familie Dahl eingeschlagen, die in der Martin-Heiden-Straße und in einem Haus an der Konrad-Adenauer-Straße 44 lebte. Dort weisen seit Freitag sechs Stolpersteine auf die jüdische Familie hin.

Schülerinnen des Berufskolleg Wirtschaft und der städtischen Realschule erzählten aus dem Leben der Familiengründer Hermann und Rosa Dahl, die beide im Jahr 1942 deportiert und im Frühjahr 1944 ermordet wurden. Ihren Nachkommen Rosa, Hans, Kurt und Walther Dahl gelang die Flucht nach Frankreich, Kanada und Palästina, alle vier überlebten.

Der in Berlin lebende Reuven Moskovitz ist jüdischen Glaubens, Zeitzeuge und Überlebender des Holocaust. Er mahnte die über 100 teilnehmenden Schüler, nicht auf die Menschen zu hören, die Krieg und Gewalt verherrlichen. „Es gibt ein Deutschland, dass ich liebe. Das wird repräsentiert durch diese jungen Menschen“, sagte Moskovitz mit Blick in die Runde. Er lobte die Kultur der Erinnerung in Geilenkirchen und appellierte an die Jugend, die Ereignisse von damals nicht zu vergessen und die Erinnerung nachfolgenden Generationen weiterzugeben.

Gedenken erhalten

„Wir wollen das Gedenken aufrecht erhalten“, machte Hans-Heinrich Bruckschen klar. Der Lehrer der Anita-Lichtenstein-Gesamtschule beerbt Christa Nickels im Amt des Koordinators der Initiative Erinnern und moderierte die Stolpersteinverlegung. Mit dabei sind am Freitagmorgen nicht nur die Schulleiter, sondern auch die zuständigen Projektlehrer Tilli Thul (BKW), Pascal Froesch (St. Ursula Gymnasium) und Dr. Christiane Lork (Realschule).

„Mein Name ist Kushtrim Pajaziti, ich bin Moslem“, meldete sich ein Schüler zu Wort und verlas ein Gedicht von Pfarrer Martin Niemöller: „Als die Nazis die Kommunisten holten, habe ich geschwiegen, ich war ja kein Kommunist. Als sie die Sozialdemokraten holten, habe ich geschwiegen, ich war ja kein Sozialdemokrat. Als sie die Gewerkschafter holten, habe ich geschwiegen, ich war ja kein Gewerkschafter. Als sie mich holten, gab es keinen mehr, der protestieren konnte.“

Das Gedicht sollte zeigen, wie wichtig es ist, aufzustehen und Nein zu sagen. Das Bläser-Ensemble des Gymnasiums sorgte für ein musikalisches Intermezzo. Für die Verlegung der vier Stolpersteine in der Martin-Heiden-Straße sperrte die Polizei aufgrund der Teilnahme von mehr als 100 Menschen die Straße für etwa eine halbe Stunde.

Hier legten die Schüler der Anita-Lichtenstein-Gesamtschule Rosen ab. „Ein Held ist jemand, der den Feind zum Freund macht“, sagte Reuven Moskovitz und spielte ein Friedenslied auf der Mundharmonika. Kein Krieg könne Frieden bringen. Moskovitz: „Hass ist eine gefährliche Krankheit, Liebe ist ein wohltuendes Heil.“

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