Zapfsäule für ein Bierchen wie bei Millowitschs

Von: Georg Schmitz
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Wie bei der Urgroßmutter in der Küche des Bauernhofes, in etwa, fühlt sich der Besucher bei Sammler Albert Hermanns (Bild). Der Gillrather hortet Gebrauchsgegenstände aus ganz früher Zeit, wie sie - so ein Schwerpunkt seiner Leidenschaft - vor allem im landwirtschaftlichen Umfeld üblich waren. Foto: Georg Schmitz

Geilenkirchen-Gillrath. Albert Hermanns zählt zu den Sammelkönigen in Geilenkirchen. Im Innenhof seines Anwesens in Gillrath und auf dem großen Grundstück hat der 72-Jährige im Verlauf von Jahrzehnten fast jeden Quadratmeter mit Artefakten aus der Vergangenheit belegt, wobei viele Sammelstücke musealen Wert haben.

Wer durch die große Toreinfahrt das Refugium von Albert Hermanns betritt, sieht sich sofort Dutzenden von Tontöpfen und Keramikkrügen gegenüber. Diese stammen aus den ersten Nachkriegsjahren und dienten seinerzeit der Aufbewahrung von Butter, Schmalz, Senf oder Essig.

Ein paar Meter weiter schweift der Blick sofort zur Decke des Hobbyraums. Hier hängen 63 Bierkrüge, die der gebürtige Gillrather von seinen Reisen - überwiegend aus dem Bayerischen Wald - mitgebracht hat. Auffallend ist auch die rund 100 Jahre alte Bierzapfsäule, die selten in dieser Form anzutreffen ist. Eine solche, weiß Albert Hermanns, steht sogar im Kölner Millowitsch-Theater.

Dass in den Regalen über 100 alte Biergläser stehen, versteht sich für den Gillrather von selbst. „Die sind noch von vorm Krieg”, deutet der Sammler auf zwei Frisörstühle, deren Sitzfläche sich drehen lässt, so dass die obere Fläche dann nach unten zeigt.

Als käme gleich der „Sensenmann”, mag mancher Besucher beim Betreten der großen Scheune vermuten. Hier hängen viele Sägen, Äxte, Beile und natürlich Sensen an den Wänden, kein Stück jünger als 40 Jahre. Passend dazu präsentiert Albert Hermanns auch die notwendigen Schleifgeräte und Messerschärfer.

Über tausend weitere Altertümchen befinden sich, fein säuberlich sortiert und aufbewahrt, in der Scheune, von der Kornmühle über die Waage bis zur alten Schreibmaschine oder dem Kochtopf, alles in vielfacher Ausführung. Passend zu Töpfen und Bratpfannen sind auch die uralten Küchenherde mit Kohlebefüllung zur Stelle. Selbst Waschmaschinen und Schleudern, alle noch handbetrieben, dürfen nicht fehlen.

Stolz weist Albert Hermanns auf einen zunächst undefinierbaren eisernen Gegenstand: „Das ist ein Manschettenbügeleisen”, erklärt er dem Fragesteller und verweist auf zwei Dutzend weitere zum Teil mit Kohle oder heißen Steinen zu befüllende Eisen.

Das Sammelsurium erstreckt sich weiter über das Gartengrundstück. Hier hat Albert Hermanns ein Museum mit landwirtschaftlichen Gerätschaften eingerichtet, wobei Dutzende Sammelstücke mehr als hundert Jahre alt sind. Rentner Albert Hermanns war über 30 Jahre lang Lkw-Fahrer bei der Stadt Geilenkirchen und viele Jahre bei der örtlichen Feuerwehr. Heute gehört er der Ehrenabteilung der Löscheinheit Gillrath an, und so ist es nicht verwunderlich, dass er das Sammeln auch auf die Feuerwehrtechnik ausgeweitet hat. Ein altes Löschfahrzeug steht im Schuppen und mehrere noch intakte Pumpen, auch um die 100 Jahre alt - nennt der Sammler sein Eigen.

Fünf historische Deutz-Traktoren besitzt er auch noch, ein erkennbarer Schwerpunkt im Außengelände für landwirtschaftliches Gerät. Davon hat er mehr als 200 Teile im Lauf der Zeit zusammengetragen, darunter Dreschflegel, Pflüge jeglicher Art, Kartoffelroder, Strohschneider, Jauchepumpe und so vieles Hamdwerkszeug mehr.

Umgeben von alten Karrenrädern, an Zäunen befestigt, stehen sie alle da, die historischen Schätzchen. Pferdehalfter und Sättel mischen sich unter die Sammlung. Museen würden sich nach manchem Stück „die Finger lecken”, vermutet der Sammler.

An Wochenenden bekommt Albert Hermanns öfters Besuch, weil direkt hinter dem Garten die Selfkantbahn einen Haltepunkt hat. Dann staunen die Passanten nicht schlecht, wenn sie all die schönen Dinge aus vergangenen Zeiten sehen. „Wie viele Sammelstücke ich habe, weiß ich gar nicht. Ich hab´ sie nie gezählt”, sagt Albert Hermanns. Und freiwillig abgegeben hat er noch keines seiner Schätzchen, höchstens schon mal getauscht. „Wenn ich mal ein Teil doppelt hatte und dafür eins bekam, was mir fehlte.”

Sein ganzer Stolz ist auch ein drei Zentner schweres gusseisernes Kreuz mit Corpus. Keiner weiß, woher es stammt oder wie alt es ist, aber auch hier liegt wieder die Vermutung „über 100 Jahre” nahe. Der Sammler hat das Kreuz vor 30 Jahren im Selfkant entdeckt und für 200 Mark gekauft; in seinem Garten wurde es von Pfarrer Winfried Müller eingesegnet.

Fast verträumt schaut Albert Hermanns auf seine Sammlung. Als hege er den Gedanken: „Da fehlt doch noch was” - für sein Königreich.
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