Geilenkirchen-Gillrath - XXL-Kartoffelfrisch auf des Gärtners Tisch

XXL-Kartoffelfrisch auf des Gärtners Tisch

Von: Dettmar Fischer
Letzte Aktualisierung:
Käthe und Willi Simon
Käthe und Willi Simon blicken stolz auf die reiche Ernte. Eine 704 Gramm schwere Kartoffel ist die Krönung und Lohn mühevoller Arbeit.

Geilenkirchen-Gillrath. „Das ist der Schatz des Hauses”, scherzt Willi Simon und blickt zwar auf die ungewöhnlich große, 704 Gramm schwere Kartoffel auf seinem Küchentisch, lässt aber keinen Zweifel daran, dass er mit „Schatz des Hauses” Ehefrau Käthe meint.

Der „Schatz des Hauses” ist sich noch nicht ganz schlüssig darüber, wie sie die XXL-Kartoffel zubereiten soll, als Bratkartoffel, Kartoffelbrei, einfach gekocht oder, wenn es nach Willi Simon geht, am liebsten als Reibekuchen oder, falls die Enkelkinder zu Besuch kommen, könnte die Kartoffel in kleine Stäbchen geschnitten in der Fritteuse landen. Eines weiß Käthe Simon aber schon: „Da haben wir zwei Tage von zu essen.”

Willi Simon hat seit über 50 Jahren einen Nutzgarten hinter seinem Haus. Kartoffeln baut er jedes Jahr an. Doch solch eine Prachtkartoffel hat er noch nie geerntet. „Da habe ich ganz schön gestaunt.

Beim Ausmachen der letzten Kartoffeln fand ich diese große. Sie war die letzte, die ich ausgemacht habe.” Die Saatkartoffeln hatte Willi Simon wie immer vom Agrarhandel. „Ich wollte dieses Jahr mal eine neue Sorte ausprobieren”, erinnert er sich. Ende März kamen die Saatkartoffeln in die Erde. Zeit genug für den kleinen Zettel, der den Saatkartoffeln beilag und Auskunft über die Sorte gab, zu verschwinden.

Ein bisschen fuchst es Willi Simon schon, dass er die Sorte seiner bislang größten selber angebauten Kartoffel nicht kennt. Wenn die Reibekuchen schmecken, ist die Sorte aber eh egal.

Auch bei den Tomaten hatte Willi Simon rekordverdächtige Exemplare. Sie wachsen im kleinen Treibhaus zusammen mit den Schlangengurken. Also die Kartoffeln draußen, die Tomaten drinnen, und beides wächst wie im Paradies. Nur warum in diesem Jahr alles Gemüse auf Rekordjagd geht, weiß auch Willi Simon nicht.

„Da kommt kein Gramm Kunstdünger dran, schließlich essen wir die Sachen selber.” Lediglich gegen Fliegen und Milben spritzt der Hobbygärtner sein Gemüse mit einem selber angesetzten Brennesselsud. „Der Garten macht viel Arbeit”, weiß Willi Simon aus 50 Jahren Hobbygärtnertum.

Dafür weiß er aber, was er Ehefrau Käthe in die Küche bringt und was die beiden dann auf den Tisch bekommen. „Und die selber angebauten Sachen schmecken einfach besser”, ist Simon überzeugt. Kartoffeln kauft Käthe Simon höchstens mal, wenn Ende des Winters die eingekellerten ausgehen sollten. Sonst wird fast täglich gegessen, was der Garten hergibt. In diesem Jahr hat Willi Simon etwas weniger Kartoffeln, dafür mehr Bohnen angebaut und wie immer etwas Porree.

Was er nicht verstehen kann, ist dass kaum noch Menschen bereit sind, sich die Arbeit mit dem eigenen Gemüse zu machen. Selbst wenn er Nachbarn frisches, selber gezogenes Gemüse schenken will, winken sie oft ab: „Zu viel Arbeit!” Gemüse putzen und schnibbeln ist Käthe Simons Job.

Die XXL-Kartoffel, die ihren Mann Willi nach 50 Jahren Gartenarbeit noch ins Staunen versetzte, ist ihr eigentlich zu groß: „Ich schäle lieber die kleinen.” Aber mit dem Sparschäler geht es dann doch ganz fix. Als Willi Simon mit seinem Nutzgarten anfing, war er Mitte 20. Damals hatte er noch eine riesige Gartenfläche hinter seinem Eigenheim, die er für die Familie, Ehefrau und drei Kinder, bewirtschaftete.

Den großen Nutzgarten hat er in den letzten Jahren verkleinert und eine große Rasenfläche gesät. Doch auch mit 84 Jahren will er auf das selber gezogene Gemüse auf dem Teller nicht verzichten. Simon: „Ich gehe am liebsten früh morgens in den Garten. Da ist die Luft noch frisch. Zu tun gibt es jeden Tag etwas.” Dafür steht aber auch mittags leckere Bohnensuppe auf dem Tisch. Frischer geht es nicht.
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