Xin Wang und Florian Koltun machen Lust auf Klaviersommer

Von: Renate Kolodzey
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Die Pianisten Xin Wang und Florian Koltun präsentierten ihr brillantes Können am Flügel. Foto: Renate Kolodzey

Geilenkirchen. „Es soll ein ‚Appetizer‘ zum diesjährigen Klaviersommer sein, und dieses Bonbon wollen wir in den nächsten Jahren beibehalten“, sagte Gort Houben, Leiter des Kulturamtes. Gemeint ist das Klavierkonzert des Pianisten-Duos Xin Wang und Florian Koltun, die auch in diesem Jahr wieder den Klaviersommer künstlerisch leiten.

„Bei diesem Top-Event sind wir vor allem den Sponsoren dankbar, sonst könnte unser kleines Städtchen es sich nicht leisten, solch einen weltweit renommierten Wettbewerb zu etablieren“, fügte Houben hinzu. Die Aula der Realschule war an jenem Sonntagnachmittag zwar nur zu einem Drittel gefüllt, doch „das muss sich erst herumsprechen“, meinte Roswitha Beckers, Mitarbeiterin des Kulturamtes.

Leonhard Kuhn, stellvertretender Bürgermeister, begrüßte die Gäste und stellte das vielfach ausgezeichnete und international bekannte Künstler-Ehepaar vor: die chinesische Pianistin Xin Wang, die unter anderem den Jury-Vorsitz beim Klaviersommer-Wettbewerb und die künstlerische Leitung des „Euregio Piano Award“ innehat, sowie Florian Koltun, der zurzeit an der Musikhochschule Köln das Fach Klavier unterrichtet und sich als Kulturmanager betätigt.

Beide sind erst vor einem Monat von Aachen nach Monschau gezogen, wo sie auch bei der Konzertreihe „Monschau Classics“ sehr aktiv sind. Täglich üben sie am Klavier fünf bis sechs Stunden, davon zwei Stunden zusammen. „So wie andere ihrem Beruf nachgehen, gehört bei uns das Proben zu unserer Arbeit dazu“, verrät Koltun. Jedes Jahr geben sie rund 15 Solo- und 20 Duo-Konzerte.

In dunkelroter, bodenlanger Robe beziehungsweise elegantem, schwarzen Anzug betraten Wang und Koltun die Bühne und nahmen an dem rund 120.000 Euro teuren und 400 Kilogramm schweren Shigeru-Flügel Platz – einer Leihgabe der Firma Kawei für den Klaviersommer.

Koltun moderierte und erzählte, dass Klavierspielen mit vier Händen bei Konzerten eigentlich nicht üblich sei, eher bei sogenannter „Hausmusik“. Bach sei der erste gewesen, der diese Gattung entwickelte, und Mozart einer der ersten, der solche Stücke zusammen mit seiner Schwester Nannerl interpretierte.

Schon beim ersten Satz von Mozarts „Sonate zu vier Händen in C-Dur, KV 521“, präsentierten sich die Tastenvirtuosen mit ungeheurer Energie und Spielfreude. Ihre Finger flogen dermaßen über die Klaviatur, dass es fast wie Hochleistungssport anmutete. Den Zuhörern gefiel dies ganz offensichtlich, und man hatte den Eindruck, als müssten sich viele von ihnen enorm zurückhalten, um nicht sofort in Jubel auszubrechen – dies ist bekanntlich erst nach dem dritten Satz gestattet.

Koltun wies nach begeistertem Beifall mit vielen Bravo-Rufen darauf hin, dass es „Hausmusik“ in Zukunft auch beim Klaviersommer-Wettbewerb gebe: Viele der 130 Teilnehmer mit sehr hohem Niveau würden leider schon nach dem ersten Durchgang ausgeschlossen, sagte er. Damit sie ihr Können auch woanders darbieten könnten, sind Personen oder Einrichtungen wie Seniorenzentren, die ein Klavier besitzen, eingeladen, sich zu melden. Die jungen Pianisten würden dann bei ihnen vor einem kleinen Publikum auftreten – kostenlos oder gegen eine kleine Spende.

Brahms‘ „Ungarische Tänze Nr. 1, 2 und 5“ standen als Nächstes auf dem Programm, und wieder schafften es die beiden Musiker mit harmonischem Zusammenspiel, die Gäste mitzureißen. Noch eine Überraschung hatte Koltun anschließend für die Fans des Klaviersommers parat: „Es wird täglich um 12 Uhr ein Lunchkonzert im Vorraum der Kreissparkasse geben“, verkündete er gut gelaunt, ehe er mit seiner Frau Mozarts „Sonate zu vier Händen, D-Dur, KV 381“ und Schuberts „Fantasie f-Moll“ so sensibel und ausdrucksstark darbot, dass sich das Publikum erst nach einer vehement erklatschten Zugabe zufriedengab.

Wer möchte, dass Pianisten des Klaviersommers bei ihm auftreten, kann sich an das Kulturamt Geilenkirchen, Telefon 02451-629408, oder an Florian Koltun, kuenstlervermittlung_koltun@hotmail.de, wenden.

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