Wurmtal: Manchmal tote Fische, meistens tote Hose

Von: Markus Bienwald
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62.000 Euro hat die Stadt sich das neue Dach für die Musikmuschel kosten lassen. Genutzt wird sie aber nicht. Foto: Markus Bienwald
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Heinz Gaida glaubt, dass auch die stillgelegte Brücke an der Bahnstrecke Aachen-Mönchengladbach ihren Teil dazu beiträgt, dass im Wurmtal wenig los ist. Foto: Markus Bienwald

Übach-Palenberg. Es war im Mai, da begann es Heinz Gaida so richtig zu stinken. Und das nicht nur im übertragenen Sinne, denn tote Fische sorgten im kleinen See des Naherholungsgebietes Wurmtal dafür, dass auch der entsprechende Geruch nicht ausblieb.

„Natürlich war das eine Beeinträchtigung des Geschäfts für mich“, sagt der 62-jährige Gastronom. Eigentlich wollte er beim Besuch unserer Zeitung nur mal kurz von der Sache mit den Fischen erzählen, deren Beseitigung durch den Technischen Betrieb der Stadt glücklicherweise nicht lange auf sich warten ließ. Doch wer sich ein wenig mit Gaida unterhält, merkt schnell, dass tote Fische, von denen es mittlerweile keine Spur mehr gibt, scheinbar nur eines der Probleme sind, die es im Naherholungsgebiet Wurmtal seiner Ansicht nach gibt. „Hier findet ja so gut wie nix statt“, ärgert sich Gaida.

Früher, da seien die Radler beim Niederrheinischen Radwandertag hier gestartet, auch die erste Auflage des inzwischen zur Reihe angewachsenen „Musikgartens“ zog die Massen an. „Aus und vorbei“, konstatiert Gaida, „alles umgezogen zum Rathausplatz.“

Hinter den Kulissen hört man allerdings, dass Gaida auch ein wenig zu fordernd auftrete. Die Vereine sollten gratis spielen, auch die Frage nach den Gema-Gebühren sollen die Vereine, nicht der Wirt, regeln, hört man hinter vorgehaltener Hand.

Zwei Positionen also, die dem Pächter allerdings weniger Sorgen bereiten. Gaida macht sich mehr Sorgen darum, dass ihn der kommende Winter vielleicht schon an die Grenzen der Wirtschaftlichkeit bringen könnte. „Das Naherholungsgebiet findet einfach nicht statt“, sagt er, der sich gerne als streitbarer Mensch zu erkennen gibt, der aber auch betont, dass er gerne für mehr Belebung rund um den See, die Minigolfanlage und die Konzertmuschel sorgen würde.

Allerdings seien vor allem der See mit seinen zehn Tretbooten und die Minigolfanlage dringend überholungsbedürftig. Der Bootsverleih bringe kaum etwas ein, auch könne er angesichts des vorgeschriebenen Mindestlohns niemanden einstellen, der den ganzen Tag darauf warte, dass Gäste mit dem Tretboot fahren. Von Seiten der Stadt wird abgewunken, eine offizielle Stellungnahme gibt es nicht dazu. Allerdings lässt man durchblicken, dass die Stadt nicht dazu da sei, das Gebiet sauber zu halten, damit Gaidas Umsätze stimmen.

„Früher reichte ein Griff zum Telefon, dann konnte ich Material auf Kosten der Stadt kaufen, um den Steg in Ordnung zu halten“, erzählt Gaida unverdrossen. Inzwischen sei das anders, so zeigt sich der Steg in einem wenig attraktiven Zustand. Das Gleiche gelte übrigens auch für die Boote, die er selbst mit Bordmitteln in einem verkehrstüchtigen Zustand gehalten habe. Doch wie die Pumpe für die einst viele Meter hoch aufsprühende Fontäne inmitten des Sees, die 2013 ihren Geist aufgab und seitdem nicht ersetzt wurde, sieht er für das ganze Naherholungsgebiet eine viel zu geringe Aufmerksamkeit seitens der Stadt. „Hier wird doch nix gemacht“, klagt Gaida, „dabei wäre jede Kommune froh über so ein Juwel.“

In der Tat ist das im Wurmtal zwischen der Bahnlinie Aachen-Mönchengladbach und der Wurm eingebettete, 247.000 Quadratmeter große Areal mit sechs Seen, einer Wasserfläche von 60.000 Quadratmetern, idyllischer Lage, vielen Bäumen und noch mehr Spielmöglichkeiten ein attraktiver Anziehungspunkt. „Allerdings nur für Limburger“, sagt Heinz Gaida. „Die machen den Großteil meiner Gäste aus, aus Übach-Palenberg kommt fast keiner“, klagt er weiter. Dass große Veranstaltungen nicht dabei schaden würden, das Wurmtal wieder mehr in die Öffentlichkeit zu bringen, steht für ihn fest.

Neben der defekten Fontäne, die nach Gaidas Ansicht übrigens für das Fischsterben verantwortlich sein soll, weil nun kaum noch frischer Sauerstoff ins stehende Gewässer komme, fallen ihm aber noch mehr Mankos ein. „Schauen Sie sich mal die Konzertmuschel an“, sagt er und zeigt auf das halboffene Gebäude. Der im offiziellen Jargon der Stadt „Musikpavillon“ getaufte Bau aus dem Jahr 1990 erhielt Mitte 2013 ein neues Dach. 62.000 Euro kostete die Eindeckung mit hinterlüfteten Holzschindeln aus Rotzeder als Ersatz für ein defektes Kupferdach damals.

„Genutzt wird das Ding so gut wie nie“, so Gaida schulterzuckend. Jüngst sponserte er den Jusos aus Übach-Palenberg hier die Wiederauferstehung von „Wurmstock“, einer Reihe, die hier früher einmal im Jahr zu Gast war. „Da war richtig was los, viele Leute sind gekommen“, freute sich Gaida über diese gelungene Musikveranstaltung für junges Publikum. Aber mindestens genauso viele Menschen hatten ihn danach gefragt, warum hier nicht öfter mal etwas stattfindet.

Die Stadt reagierte übrigens in Sachen tote Fische sehr schnell und pumpte umgehend frisches Wurmwasser in den See im Naherholungsgebiet. „Um die Sauerstoffversorgung zu verbessern“, heißt es in einer Mitteilung. Auch eine Reinigung des kleinen Sees sei erfolgt, der Grund für die toten Fische liegt laut dem Ersten Beigeordneten Helmut Mainz eher in einem Überangebot an Nahrung, nicht an der kaputten Fontäne. „Die Leute fütterten die Fische dort, die Reste setzen sich im See ab und sorgten dafür, dass der See zu viele Nährstoffe und zu wenig Sauerstoff enthielt“, so Mainz.

Weitere tote Fische sind nicht gefunden worden, bestätigt auch Heinz Gaida, der übrigens schon seit Ende der 1980er-Jahre hier aktiv ist. Ob das allerdings auch für eine aus seiner Sicht dringend notwendige Belebung des wunderschönen Naherholungsgebietes ausreicht, wagt er zu bezweifeln. „Denn auch die kaputte Brücke über die Bahn von Palenberg aus sorgt dafür, dass hier weniger Leute hinkommen“, klagt er. Und so bleibt ihm nur die Hoffnung, dass bald mehr Veranstaltungen und Menschen kommen, um das Herz des Naherholungsgebietes zu genießen. „Und dass die eine Holzbrücke aus Richtung Marienberg noch lange hält“, ergänzt er, denn die sei so etwas wie die Lebensader des Naherholungsgebietes.

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