Wunschkandidat mit falschem Parteibuch

Von: Markus Bienwald
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Viele Menschen in der Drei-Dörfer-Gemeinschaft Stahe, Niederbusch und Hohenbusch zeigen Flagge für Rainer Mansel als ihren favorisierten neuen Ortsvorsteher. Foto: Markus Bienwald
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Er ist der Wunschkandidat mit dem anscheinend falschen Parteibuch: Rainer Mansel. Foto: Markus Bienwald

Gangelt. Ist es nun eine Geschichte, die ideal zu dem fiktiven Dorf von Asterix und Obelix passen würde, das sich strikt gegen eine Übermacht stellt und damit Erfolg hat? Oder ist es eine Fortsetzung dessen, was schon einmal im Bürgermeister-Wahlkampf dem damals parteilosen Bernhard Tholen half, in der Drei-Dörfer-Gemeinschaft Stahe, Niederbusch und Hohenbusch wertvolle Stimmen zu sammeln?

In jedem Fall ist die Geschichte vom neu zu wählenden Ortsvorsteher der Ortsteile von Gangelt kein Fall für das Sommerloch.

Zeitlich passt es natürlich ins Bild, dass sich die CDU mit ihrem in der Gemeindeordnung festgeschriebenen Vorschlagsrecht durchsetzen kann, wenn sie es will. Was das bedeutet, stellte sich in der letzten Ratssitzung vor dem Sommer heraus.

Eine große Anzahl von Bürgern wohnte ihr bei, und sie alle einte nicht nur der Wohnort in Stahe, Niederbusch oder Hohenbusch, sondern auch der Wunsch, dass nun endlich bestätigt wird, was schon längst beschlossene Sache schien: die Wahl von SPD-Vertreter Rainer Mansel zum neuen Ortsvorsteher der Dörfergemeinschaft. Doch die CDU wollte nach der Ankündigung des bisherigen Amtsinhabers Josef Rütten, dieses Amt nicht mehr übernehmen zu wollen, den Tagesordnungspunkt wider Erwarten erneut absetzen und auf die erste Ratssitzung nach der Sommerpause am 5. September vertagen.

„Das haben wir nicht verstanden“, sagt Otto Rabben. Er ist genau wie seine Frau Iris und Hella von Tongeren einer von drei Menschen aus Stahe, Niederbusch und Hohenbusch, die das offensichtliche Taktieren in der Frage um den Ortsvorsteher nicht nachvollziehen können. Denn ursprünglich schien schon weit vor der jüngsten Ratssitzung alles festzustehen: Rainer Mansel war der erklärte Kandidat nicht nur der Bürger bei einer eigens zu diesem Thema von der CDU einberufenen Versammlung. „Auch die CDU hat damals – sicherlich mit knirschenden Zähnen – zugestimmt, dass Mansel die beste Lösung ist“, so Hella von Tongeren. Vom 21. April datiert diese Versammlung, und mangels Kandidaten aus den eigenen Reihen wurde dem Vorschlag der anwesenden Bewohner zugestimmt, ausnahmsweise für den SPD-Mann zu votieren. „Rainer Mansel ist der richtige Mann“, ist Iris Rabben überzeugt.

So hat sich Mansel zu einer parteiübergreifenden Anlaufstelle entwickelt, wenn im Dorf etwas zu regeln ist. Er wird als echte Integrationsfigur des Ortes wahrgenommen. Er ist auch derjenige, der vor mehr als 30 Jahren die Interessengemeinschaft zum Spielplatz ins Leben gerufen hat, und auch derjenige, der schon lange vor der Aussage von Josef Rütten, nicht mehr weitermachen zu wollen, mit ihm zusammengearbeitet hat. Er sollte also bestens in der Lage sein, die Erwartungen an einen Ortsvorsteher zu erfüllen. So meinen es zumindest die Bürger, und ihrer Ansicht nach haben auch die anwesenden CDU-Vertreter, darunter Fraktionsvorsitzender Karl-Heinz Milthaler, dies bei ihrem Votum für Mansel als Ortsvorsteher an diesem Tag so gesehen.

Nach der Versammlung ist Ruhe eingekehrt, eine für die Bürger trügerische Ruhe, denn auf einmal gab es ein an insgesamt 16 Menschen aus der Drei-Dörfer-Gemeinschaft gerichtetes Schreiben der CDU-Spitze mit der Frage, ob Mann oder Frau willens sei, den durch den Rücktritt Josef Rüttens frei gewordenen Posten des Ortsvorstehers zu übernehmen. Jemand Junges sollte es sein, damit die Ausrichtung auf die Zukunft der Orte auch nach außen hin spürbar sei, ist zu hören. „Nach welchen Kriterien die Empfänger ermittelt wurden, ist mir schleierhaft“, sagt Otto Rabben. Und einige Zeit später wurde plötzlich Paul Freches als neuer Kandidat präsentiert.

Freches ist Ende 70, war einmal CDU-Mitglied und schien, so sieht es eine große Zahl von Menschen in Stahe, Niederbusch und Hohenbusch, nur wegen seiner Nähe zur Christdemokratie aufs Schild gehoben worden zu sein. Der Name Mansel spielte auf einmal keine Rolle mehr, und als die Bürger in den drei Dörfern das merkten, starteten sie eine Unterschriftenaktion. „In nur vier Tagen haben wir 361 Unterschriften bei Menschen ab 18 Jahren gesammelt und haben das Ganze eine Woche vor der Ratssitzung eingereicht“, berichtet Hella von Tongeren. Das geschah persönlich bei Bürgermeister Bernhard Tholen, inhaltlich ging es bei der Liste nur um die Unterstützung für einen Ortsvorsteher, der Rainer Mansel heißt.

„Hätte die CDU ihr Versprechen gehalten und ihn zum Ortsvorsteher gemacht, dann hätte sie bei den Leuten hier ein Stein im Brett gehabt“, ist Otto Rabben sicher. Er ist wie viele andere auch am meisten darüber enttäuscht, dass die CDU ihr Wort aus der Besprechung im April nicht gehalten hat. Was genau die CDU-Ratsvertreter dazu gebracht hat, bleibt unklar, so wird spekuliert, dass es führende Köpfe im Ortsverband der Partei gebe, die einen SPD-Ortsvorsteher unter allen Umständen verhindern wollten. Eine offizielle Aussage in der Ratssitzung gab es dazu nicht. Nur den ausdrücklichen Hinweis auf das, was die CDU bestimmen darf. „Die CDU hat das Zugriffsrecht und wird diese Aufgabe auch parteiintern besetzen“, machte Milthaler deutlich.

Er bedauerte, dass der eigentlich gefundene Kandidat gut eine Woche vor der Ratssitzung dann doch abgesagt hätte. Aber Milthaler gab den CDU-Fans auch eine Entwarnung mit auf den Weg: „Mit Sicherheit werden wir zur nächsten Ratssitzung einen Kandidaten vorschlagen“, schloss er. Zum Abschluss des Tagesordnungspunktes bei der letzten Ratssitzung wurde dann auch noch Rainer Mansel nach einer Stellungnahme gefragt. „Die CDU hat doch das alleinige Vorschlagsrecht, deshalb hat es keinen Zweck, dass ich was sage“, meinte er nur. Und da er sich auch zum Engagement der Drei-Dörfer-Gemeinschaft auf Nachfrage unserer Zeitung nicht äußern wollte und auch nichts mit der Unterschriftenaktion für ihn zu tun hatte, gehört der vorläufige Schlussakt im noch nicht ausgespielten Drama um den Ortsvorsteher von Stahe, Niederbusch und Hohenbusch den Menschen vor Ort.

Sie zeigen nicht nur Flagge für Rainer Mansel, sondern auch verbal. „Jeder, der jetzt von der CDU genommen wird, hat vier schwere Jahre vor sich“, prophezeit Iris Rabben. Und egal, welches „Kaninchen nun aus dem Hut gezogen wird“, wie Hella von Tongeren es formuliert, alle in den drei Orten sind sich einig, dass Rainer Mansel der geeignetste Kandidat ist. Und dafür, so sagen die Menschen, die sich für Rainer Mansel engagieren offen, braucht es einfach keinen Zaubertrank in Form eines christlich-demokratischen Parteibuches, sondern nur den gesunden Menschenverstand.

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