Lokalsport Fußballschuhe Teaser Freisteller

Würmer Land in Händen der Westfalen

Von: Johannes Gottwald
Letzte Aktualisierung:
6868732.jpg
Die Klosterstraße zweigt auf der Höhe der St.-Gereons-Kirche in Würm ab und führt bis zum neuen Friedhof. Im Mittelalter waren große Teile des Landes rings um Würm klösterliches Eigentum. Foto: Johannes Gottwald

Geilenkirchen. Unmittelbar an der Pfarrkirche St. Gereon in Würm zweigt links vor der Filiale der Kreissparkasse die Klosterstraße ab. Sie passiert die Grundschule, den Kindergarten und endet am neuen Friedhof, wo sie sich mit dem Fahrweg nach Flahstraß kreuzt und dann als normale Landstraße Richtung Honsdorf fortsetzt.

Der Straßenname ist ein wenig irreführend: Ein Mönchskloster mit einem Abt oder einen Nonnenkonvent mit einer Oberin an der Spitze hat es in Würm nie gegeben. Wohl wurde im Jahre 1932 das Marienstift erbaut, worin drei Schwestern des Ordens vom göttlichen Heiland ihren Dienst als Alten- und Krankenpflegerinnen sowie als Kindergärtnerinnen versahen.

Diese Einrichtung bestand aber nur zwölf Jahre: Im Herbst 1944 flüchteten die Schwestern vor der herannahenden Kriegsfront und kehrten nach 1945 nicht mehr nach Würm zurück. Von einem Kloster zu sprechen, scheint hier doch etwas übertrieben. Heute dient das einstige Marienstift der Schützenbruderschaft St. Gereon als Vereinsheim.

Mit durchaus größerem Recht verweist der Name „Klosterstraße“ auf viel weiter zurückliegende Zeiten: Im Mittelalter befanden sich große Teile des Ackerlandes rings um Würm tatsächlich in klösterlichem Besitz. Die westfälische Abtei Liesborn und das Überwasser-Kloster in Münster hatten einen großen Gutshof in Würm und ebenso den Leiffarther Hof erworben und verwalteten diese Güter gemeinsam. Die Abtei Liesborn (bei Wadersloh unweit Lippstadt gelegen) entstand schon 815 als Damenstift und wurde um 1040 zu einem Benediktinerkloster umgewandelt. Das Überwasser-Kloster wurde in der Nähe des Münsterschen Domes errichtet. Im 14. Jahrhundert wurde die gotische Liebfrauenkirche als neue Klosterkirche errichtet. Hier hielt im Jahre 1941 der Bischof Clemens August Graf von Galen seine denkwürdigen Predigten gegen die NS-Machthaber.

Wie kamen die beiden westfälischen Klöster, die über 150 Kilometer entfernt von unserer Region liegen, zu einem großen Landbesitz in Würm? Es geschah – wie häufig im Mittelalter – durch eine Schenkung. Um 1130 war ein Ministeriale (Kirchenbeamter) namens Albert von Wormen am Dom zu Münster tätig und entschloss sich eines Tages, der Welt zu entsagen und Mönch zu werden. Wie damals üblich, vermachte der Novize beim Eintritt in den Orden seinen gesamten Besitz der Kirche. Albert von Wormen übertrug dabei 1138 den Hof „Goztorp“ mit einem ansehnlichen Lehens- und Grundbesitz in Würm dem damaligen Bischof Werner von Münster, der diese Schenkung umgehend an die Abtei Liesborn und das Überwasserkloster in Münster weitergab. Vermutlich im Zusammenhang mit dieser Schenkung steht auch die Konsekration einer Kapelle in Prummern im Jahre 1137. Sie war von einer Adeligen namens Udelhildis gestiftet worden, die vermutlich mit den Herren von Randerath verwandt war.

Mutterkirche von Prummern

In einem entsprechenden Dokument wird die Würmer Pfarrkirche St. Gereon als Mutterkirche von Prummern bezeichnet – dies ist übrigens die erste urkundliche Erwähnung des Dorfes Würm überhaupt. Bischof Werner nahm die Weihe der Prummerner Kapelle persönlich vor, da zu dieser Zeit der Kölner Bischofsstuhl vakant war. Höchstwahrscheinlich war Albert von Wormen ebenfalls bei dem Ereignis zugegen, und es dürfte bei dieser Gelegenheit zur Verabredung der Überschreibung seines Besitzes an den Bischof gekommen sein.

1144 bestätigte der neue Kölner Erzbischof Arnold I. die Übertragung der „Schenkung Worma“ an die Klöster Liesborn und Münster zur gemeinsamen Verwaltung. Auch der Leiffarther Hof gehörte mit Sicherheit zu dieser Schenkung, wird allerdings erst 1386 urkundlich erwähnt. Seit 1244 übten die Herren von Randerath das Vogteirecht über den Klosterbesitz aus; ganz offensichtlich hatten sie schon seit längerer Zeit ein Auge auf den florierenden Landwirtschaftsbetrieb geworfen. Die wohl geplante allmähliche Übernahme der Güter wurde jedoch vom Münsteraner Bischof verhindert. In der Folgezeit scheint es zwischen den beiden Klöstern zum Streit über die Nutznießung des gemeinsamen Besitzes gekommen zu sein.

Erst 1253 einigte man sich nach jahrelangen Auseinandersetzungen, 1288 wurde der Vertrag von 1144 erneut bestätigt. Von Kriegen und Fehden blieben aber Würm und Leiffarth dennoch nicht verschont: 1388 wurden beide Ortschaften während eines Feldzuges von Herzog Wilhelm II. gegen die Brabanter und Burgunder gebrandschatzt und auch die Leiffarther Burg zerstört. Im späten Mittelalter geriet dann die Abtei Liesborn allmählich in finanzielle Schwierigkeiten. Sie hatte sich zunehmend zu einer Versorgungsanstalt für nachgeborene Söhne der Adeligen entwickelt. Die Folge war, dass lockere Sitten ins Kloster einzogen, Gottesdienst und Ordensregeln wurden vernachlässigt. Die Schulden erreichten eine bedenkliche Höhe, und 1619 wurden im Zuge von Sanierungsmaßnahmen die Güter von Leiffarth an Wilhelm von Leerodt verkauft. Schon vorher hatte 1605 das Überwasser-Kloster seinen Besitzanteil in Würm abgestoßen.

Der Leiffarther Hof wechselte dagegen in der Folgezeit noch mehrfach den Eigentürmer. Über die Herren von Leerodt kam er an die Fürsten von Salm-Dietrichstein und im 18. Jahrhundert an die Freiherren von Mirbach. Diese ließen 1774 das noch heute erhaltene stattliche Haus an der Linderner Straße errichten. 1828 kaufte schließlich die Bauernfamilie Kockerols das Anwesen, das sie heute in der fünften Generation bewirtschaftet.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert