Gangelt - Wortgefühl mit Vers und Frieda

Wortgefühl mit Vers und Frieda

Von: Wilfried Rhein
Letzte Aktualisierung:
Reich an Worten, Gestik und mu
Reich an Worten, Gestik und musikalischen Einlagen war der Auftritt von Oliver Steller (l.) mit seinem sehr variablen Schlagzeuger Thomas Diemer. Ein toller Tag für die Birgdener Grundschüler.

Gangelt. „Hab acht vorm Zipferlak, mein Kind! Sein Maul ist beiß, sein Griff ist bohr. Vorm Fliegelflagel sieh dich vor, dem mampfen Schnatterrind...” Oliver Steller kennt das Ding auswendig, auch wenn es so kompliziert ist mit diesen entstellten Worten.

Die Kinder genießen es, saugen es auf, haben Freude an dieser Sprache, die mal so ganz anders ist als im Unterricht an der Schule der Begegnung.

Für Rektorin Claudia Storms-Übachs war eine frühere Begegnung mit Oliver Steller der Anlass, den respektierten deutschen Rezitator und Musiker für einen Auftritt in der Birgdener Grundschule zu interessieren. Auch vor dem Hintergrund der Leseförderung in den Klassen für die rund 200 Kinder, die übers „falsche” Wort den „richtigen” Eindruck bekommen sollten.

Seine Bühnenstücke sind eine Mischung aus Klassik und Dichtung, erläutert Oliver Steller vorsichtig. Jetzt, in der Sporthalle der Schule am Paulssträßchen, hat er ein paar andere Dinge dazu gepackt oder weggelassen. Die schier zur Unkenntlichkeit verdrehten Worte beispielsweise sind eine Christian Enzensberger-Übersetzung des berühmten „Jabberwocky” von Lewis Carroll („Alice im Wunderland”) aus dem Englischen. Aber selbst die klingt noch nach Fremdsprache.

Doch die Kinder gehen prima damit um. Auch wenn Oliver Steller mit Fluss-Floß-Flüsse-Flößer-Zungenbrechern noch einen draufsetzt, gibt es keine Kapitulation unter den Birgdener Schülern. Ein Mädchen gibt ihm einen galoppierenden Mehrzeiler russischer Herkunft zurück; die Nuss ist selbst für den Künstler zu hart.

Rock und der Erlkönig

Alle haben jedenfalls Spaß miteinander, die Sechs- bis Zehnjährigen aus Gangelt und der 44-Jährige aus Bonn samt dessen Begleiter für diesen Schul-Tag: Thomas Diemer am Schlagzeug. Und auch das Lehrer/innen-Kollegium ist erkennbar mehr als nur amüsiert.

Zwischenzeitlich schnappt sich Oliver Steller auch Frieda. So nennt er seine in Silber gedeckte Gitarre. Dann wird es stellenweise sogar hard-rockig, Thomas Diemer setzt mit Stöcken und Besen den Rhythmus dazu - und die Kinder sind wie in einer anderen Welt.

Während dessen kriegen sie was von Goethe mit; den „Erlkönig” gibt es als Vierzeiler, aber natürlich auch in längerer Versform. Oliver Steller ködert dazwischen sein junges Publikum mit vielen Fragen, erzählt ihnen von den Antipoden, den „Gegenfüßlern”, wie sie der Dichter Ernst Jandl sieht. Er hat das Lied drauf „vom ungezogenen Opa” und spielt eine Fabel von Streit und Versöhnung.

Dazu kommen, wie der Besuch beim Arzt, scheinbar banale Geschichten, die sich plötzlich in einen Abzählreim verwandeln und die Schüler zu logischem Mittun führen.

Es sind die neuen Erfahrungen mit Worten, die den Kindern offensichtlich Spaß machen, so dass sie aufspringen und laut applaudieren. Und auch ein gewollt verunglücktes Zauberkunststück passt in diese wundervolle Schulstunde, der Claudia Storms-Übachs das Kompliment verleiht, „dass die Halle gebebt” habe. Oliver Steller und Thomas Diemer geben das Kompliment offen zurück; auch sie können gute Erfahrungen aus dieser Schule mitnehmen. Lernen über komödiantische Momente, Gedichte und Musik - so lässt es sich herrlich in die Weihnachtsferien gehen.
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