Geilenkirchen - Wort- und Faustattacken gegen Badegäste

Wort- und Faustattacken gegen Badegäste

Von: Herbert Keusch
Letzte Aktualisierung:

Geilenkirchen. Zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren und sechs Monaten hat das Schöffengericht unter Vorsitz von Richter Thomas Schönig einen 23-jährigen Angeklagten verurteilt.

Der Mann, der aus Polen stammt, aber nun die deutsche Staatsangehörigkeit besitzt, hatte es innerhalb von weniger als 24 Stunden geschafft, eine Vielzahl von Straftaten zu begehen, als er am 24./25. April dieses Jahres am Lago Laprello in Heinsberg immer wieder Badegäste angriff, ihnen Schläge mit der Hand oder Fausthiebe versetzte. Schließlich verletzte er anlässlich der richterlichen Vorführung auch noch einen Polizeibeamten der Heinsberger Wache.

Heranwachsende junge Leute habe er mit mit Schlägen ins Gesicht und mit Unterwasserdrücken in Todesangst versetzt, begann der Richter die Urteilsbegründung. Ohne Anlass habe er ebenfalls am See einem jungen Mann Schläge ins Gesicht gegeben, junge Mädchen beleidigt und den Spiegel ihres Rollers abgerissen. Einer jungen Frau habe er an gleicher Stelle angedroht, sie in Aachen auf den Strich zu schicken, erläuterte der Richter das Urteil weiter.

Zeugen schildern Ängste

Am zweiten Verhandlungstag wurden zu den einzelnen Tatvorwürfen Zeugen gehört. Ein 20-Jähriger erklärte vor dem Gericht, „ich hatte Todesangst, nachdem mich der Angeklagte mit einem Faustschlag von meiner Luftmatratze heruntergeschlagen und mich unter Wasser gedrückt hatte”. Eine 20-jährige Begleiterin dieses Zeugen erklärte, dass der Angeklagte schnell aggressiv wurde, wohl auch, weil er Alkohol getrunken hatte.

Eine 17-jährige Zeugin erklärte zu diesem Vorfall, dass der 20-Jährige mit einem Faustschlag von der Matratze geschlagen worden und unter Wasser gedrückt worden sei.

Wenig später wandte sich der Angeklagte einer anderen Gruppe zu. „Er hat uns angepöbelt und mir zwei Backpfeifen gegeben”, sagte ein 16-Jähriger. Er habe den Spiegel vom Roller abgerissen und ihm weitere Schläge auf die Wange gegeben. Eine 15-Jährige sagte aus, vom Angeklagten mit dem Wort „Zahnspangenfresse” beleidigt worden zu sein. Sie habe Angst gehabt, geschlagen zu werden.

Eine 16-jährige Zeugin erklärte, vom Angeklagten beleidigt worden zu sein: „Er hat mir ins Gesicht gefasst und dabei gedroht, mich in Aachen auf den Strich zu schicken.” Als sie um Hilfe gerufen hätte, sei eine Frau gekommen, der der Angeklagte ins Gesicht gespuckt habe. Schließlich beobachtete eine 21-jähriger Zeuge bei einem Spaziergang, dass der Angeklagte eine Frau, ein junges Mädchen und zwei Jungen beleidigte.

Gehört wurde auch ein 52-jähriger Polizeibeamter, der den Angeklagten zur richterlichen Vernehmung nach Geilenkirchen bringen sollte. „Der Angeklagte setzte sich kurz vor dem Ausgang zur Wehr, ich bekam ihn zwar wieder zu fassen, aber er hat sich losgerissen, und ich bin mit dem Kopf auf den Boden geschlagen.” Der Angeklagte sei geflüchtet, sei von einem Kollegen aber relativ schnell wieder gestellt worden. Dies bestätigte der 51-jährige, der bei seinem Einsatz Pfefferspray eingesetzt hatte.

Viele Geschädigte

„Der Angeklagte sagt, er habe viel Alkohol getrunken, aber er ist Alkohol und Drogen gewohnt”, begann Sachverständige Dr. Jutta Rauch ihr Gutachten. Der Angeklagte habe bei seinen Taten keine motorischen Auffälligkeiten, kein Torkeln oder Lallen bei seinen Taten gezeigt. Eine Minderung der Schuldfähigkeit durch Alkoholeinfluss sei nicht anzunehmen.

„Stellen sie sich vor, es ist ein hochsommerlicher Tag, und es gibt Todesangst und Sprachlosigkeit beim Freizeitvergnügen an einem See”, begann Staatsanwältin Jutta Breuer ihr Plädoyer. Es habe viele Geschädigte gegeben durch einen Täter, der sich immer neue Opfer gesucht hätte.

Etliche Vorstrafen

Alkohol habe sicherlich eine Rolle gespielt, aber der Angeklagte sei Alkohol gewohnt. Nachdem er am See gewütet habe, habe er sich zum Schluss dem Strafvollzug entziehen wollen. „Ich fordere eine Freiheitsstrafe von zwei Jahren und sechs Monaten”, plädierte sie.

Auf eine Haftstrafe von höchstens zwei Jahren plädierte Strafverteidiger Carsten Göthel. „Mein Mandant hat sich dem Verfahren hier mit allen Konsequenzen gestellt. Er weiß, dass er bei den vielen Vorstrafen am Scheideweg steht.” Sein Verhalten könne man nicht schönreden, aber er würde noch Ziele erreichen wollen und besuche deshalb die Schule, um das Fachabitur zu machen.
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