Wolfgang Morawe hat nach MuKu viele Pläne

Von: Dettmar Fischer
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Der kritischte Blick gilt dem
Der kritischte Blick gilt dem eigenen Werk. Karin Hildebrandt und Wolfgang Morawe begutachten einen neuen Morawe, bevor die Arbeit ins Depot wandert, um Platz zu schaffen für die Gastkünstler. Foto: Fischer

Geilenkirchen. Wolfgang Morawe zieht gerade um - „nur” mit seiner Sammlung Gesellschaftsspiele von Kraudorf in die Bauchemer Gracht. Die Bauchemer Gracht ist sein neues Projekt. Alle zehn Jahre braucht er eines, sonst wird es ihm langweilig.

Die Regale in den Räumen der ehemaligen Druckerei Himmels in der Bauchemer Gracht füllen sich langsam mit Spielen, ohne dass sich die Regale auf dem restaurierten Bauernhof in Kraudorf sichtbar leeren. Am Sonntag steht MuKu an, Musik und Kunst im Kunstverein Kraudorf 11, dessen 1. Vorsitzender Wolfgang Morawe ist. Die Werke von drei Künstlern müssen noch in der Galerie platziert und drei Musikern muss die Bühne für ihr Konzert gerichtet werden. Genau der rechte Moment, um sich mal entspannt hinzusetzen und ein wenig über die Kunst, die Sammlung und das Leben zu plaudern.

Wir sitzen in der Druckerei, eine Werkstatt im Hinterhof, wie es sie früher oft gab. Resi und Hans Himmels betrieben hier bis vor zehn Jahren ihr Geschäft. Die Wände hat Wolfgang Morawe schon gestrichen und meterweise Regale für seine Spiele- und Spielzeugsammlung, insgesamt knapp 10.000 Objekte, aufgebaut. Morawe: „Ich habe mich hier sofort wohl gefühlt. Diese Atmosphäre der 50er-Jahre, in denen ich aufgewachsen bin, will ich auf jeden Fall erhalten.” An der Wand hängt ein silberner Lorbeerkranz aus Papier, jemand hat ihn mal zum 50-Jährigen geschenkt bekommen.

Darunter steht ein riesiger Schrank, übervoll von Lettern, das Handwerkszeug der Drucker von einst. Die Sinnlichkeit dessen, was mal war, ist greifbar und wesentlich für die Kunst Wolfgang Morawes. Als er noch in Düsseldorf lebte, hatte er mehrfach an der Großen Kunstausstellung im Ehrenhof teilgenommen und bei spontanen Ausstellungen im Atelier seine Bilder gezeigt. Das waren die 60/70er- Jahre, die Zeit in der Uecker und Richter von Düsseldorf aus Karriere machten. Wolfgang Morawe widmete sich anderen Projekten. 1999 startete er schließlich das Projekt Kraudorf. Einen Dreikanthof gegenüber der Kirche baute er neu auf.

Unter den zahlreichen Dachziegeln entstanden Galerieräume, sein Atelier und viel zu wenig Platz für seine Spielesammlung. 2007, die erste MuKu. Kunst von Wolfgang Morawe und eines befreundeten Fotografen sowie Musik von Karen Rettinghaus und Christian Ernst wurden präsentiert. MuKu etablierte sich in den Folgejahren als Kulturveranstaltung auf hohem Niveau. Dass es 2012 erst „MuKu, die Fünfte” heißt, liegt am Projekt Côte dAzur. Das Licht der Provence hat schon viele Künstler magisch angezogen.

Im kleinen Ort Sillans-la-Cascade hat Morawe ein Wohnhaus mit Atelier, dort lebt er mit Gattin Karin Hildebrandt die Hälfte des Jahres. Wo bleibt bei so vielen Projekten noch Zeit für die eigene Kunst? Die Kunst, die Wolfgang Morawe neben der Malerei beherrscht, ist die, aus jedem seiner Projekte Essenzielles in sein Kunstschaffen zu übertragen. Wolfgang Morawe: „Zerstören und neu aufbauen, sind ganz wesentlich für mein Arbeiten. Meine Malweise hat sich häufig geändert mit meinen Lebenserfahrungen.”

Oft zerstört er den Vorentwurf eines Bildes und baut ein neues auf ohne zu wissen, was daraus wird. Morawe: „Wenn ich durch das Haus in der Bauchemer Gracht laufe, reiße ich hier was ab und da was raus. Das hat eine ästhetische Dimension. Wenn ich die Tapete runterreiße, die andere vor langer Zeit angebracht haben, entsteht etwas bei mir selbst

.” Am Sonntag ist Eröffnung in Kraudorf, wie sieht es dort aus? Große Bilder von Margret Roters stehen an den Wänden der über mehrere Räume verteilten Galerie und müssen noch gehängt werden. Die Keramiken von Gisela Machalz sind aufgestellt.

Die Fotografien von Chris Succo sollten bis Sonntag noch ausgepackt werden. Im Kabinett über dem Torbogen der Hofeinfahrt sieht es schon ganz gut aus. Hier verträgt sich das schönste Bild von Margret Roters mit den Keramiken von Gisela Machalz auf kleinem Raum sehr gut. Die drei Düsseldorfer Künstler werden vom Kunstverein Kraudorf 11 präsentiert.

Der 2011 gegründete Verein, dem Kunstliebhaber aus der Region angehören, soll MuKu fortführen. Karin Hildebrandt ist die Geschäftsführerin und manchmal die rechte und die linke Hand von Wolfgang Morawe. Der plant schon sein nächstes Projekt. Aus dem Refugium Bauchemer Gracht, wo die Spielesammlung verwaltet und bearbeitet wird, soll die hochwertige, thematisch geordnete Sammlung öffentlich gemacht werden. Ausstellungen und Katalogpublikationen sind vorgesehen.

Das Thema Rheinreise kann aus der Sammlung heraus anhand von Gesellschaftsspielen bis zurück in die Biedermeierzeit dargestellt und durch Exponate aus der Blechspielzeugsammlung ergänzt werden. Als Ausstellungsorte sind Museen entlang des Rheins ins Auge gefasst. Aber auch Themen wie die Automobilisierung und der Flugverkehr sind aus der archivierten Sammlung heraus bespielbar. Langfristig soll die Sammlung in eine Stiftung übergehen. Auch nach MuKu wird es Wolfgang Morawe sicher nicht langweilig werden.

Die Ausstellung „MuKu, die Fünfte” wird am Sonntag, 16. September, im Kunstverein Kraudorf 11, Kraudorf 11 in Geilenkirchen-Kraudorf, eröffnet und kann bis zum 30. September freitags von 15 bis 18 Uhr, samstags und sonntags von 11 bis 18 Uhr sowie nach Vereinbarung unter Tel. 02453/2474 besichtigt werden. Die Vernissage zur Kunstausstellung beginnt um 16 Uhr, das Konzert mit Christian Ernst (Klavier), Karen Rettinghaus (Flöte/Gesang) und Ursula Gröhn (Violoncello) um 17 Uhr. Aufgeführt werden unter anderem Werke von Schubert und Chopin.
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