Wohnheim Mutter Teresa bietet psychisch Behinderten ein Zuhause

Von: Udo Stüßer
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Diplom-Sozialarbeiterin Astrid Werny (links), Leiterin des Wohnheims Mutter Teresa, und Diplom-Sozialpädagogin Anneliese Gernikeites, kennen die Ängste und Sorgen der Bewohner. Hier sind sie im Gespräch mit Heinz Dremmen (2. von links) und Robert Ingendorn. Foto: Georg Schmitz

Geilenkirchen. Robert Ingendorn erblickt als „Frühchen” das Licht der Welt, direkt nach der Entbindungen kommt er in den Brutkasten. Auf einem Auge ist er blind. Als Kind und Jugendlicher steht er nicht gerade auf der Sonnenseite des Lebens.

Er besucht eine Sonderschule für Sehbehinderte. „Ich war nie richtig selbstständig, habe mir nie viel zugetraut, habe mich nie selbst richtig akzeptiert”, erklärt der heute 52-Jährige. Trotz dieser Behinderung arbeitet er 18 Jahre lang in einem Erkelenzer Kunststoffwerk. Er zieht aus seinem Elternhaus aus. Und wieder ein. Wieder aus, wieder ein.

„Wie ein kleiner Zigeuner, weil ich nie richtig auf den eigenen Beinen stehen konnte”, blickt er zurück. Dann muss seine Firma schließen. Robert Ingendorn wird 1993 arbeitslos, er verschuldet sich. Das Selbstwertgefühl ist mittlerweile bei Null angekommen. „Ich habe meine Schwächen nie akzeptiert”, sagt er. Depressionen sind die Folgen. Robert Ingendorn kapselt sich ganz von seiner Umwelt ab. Er denkt an Selbstmord. Und das nicht nur einmal. Seit einem Monat lebt er nun im Wohnheim Mutter Teresa, das psychisch behinderten Menschen ein Zuhause bietet.

Hier lebt auch der 62-jährige Heinz Dremmen seit August vergangenen Jahres. Mit vier Jahren wurde er von einem Auto angefahren. Er trug schwere Kopfverletzungen davon. Seit seinem 13. Lebensjahr ist er nervenkrank. Trotzdem fand er Arbeit in einer Nadelfabrik, wurde allerdings in den vergangenen Jahren dreimal in die Landesklinik Düren eingewiesen. Seinen Alltag kann er nicht mehr ohne Hilfe gestalten. „Hier will ich nicht mehr raus. Hier habe ich Hilfe. Hier fühle ich mich wie im siebten Himmel”, freut er sich über die Sicherheit, die ihm im Wohnheim in der Bauchemer Josefstraße geboten wird.

Im Kreis Heinsberg als einziges Wohnheim für psychisch behinderte Menschen wurde „Mutter Teresa” im Jahre 1988 vom Caritasverband für die Region Heinsberg in der Geilenkirchener Straße „Zum Kniepbusch” eröffnet. 16 Wohnheimplätze standen hier zur Verfügung. Im Jahre 2004 wurde der Neubau in der Josefstraße bezogen, wo 24 psychisch behinderte Menschen, aufgeteilt in Wohngruppen, in Einzelzimmern leben. Es sind allesamt Menschen, die aufgrund ihrer psychischen Behinderung nicht mehr alleine wohnen können. Oft haben sie bereits etliche Klinikaufenthalte hinter sich.

„Aber alle sind freiwillig hier”, betont Diplom-Sozialarbeiterin Astrid Werny, Leiterin des Wohnheimes. „Und alle haben einen Schlüssel und bewegen sich selbstständig in der Stadt oder fahren gar mit dem Zug nach Aachen”, ergänzt Diplom-Sozialpädagogin Anneliese Gernikeites, Beauftragte für Qualitätsmanagement in dieser Einrichtung. Das Wohnheim „Mutter Teresa” ist nicht Anlaufstelle für Menschen mit einer zeitlich befristeten psychischen Erkrankung, sondern für erwachsene Männer und Frauen mit einer psychischen Behinderung, die voraussichtlich nicht ganz zu heilen ist.

Wie Stress bei einem schwachen Herz einen Infarkt auslösen kann, so kann er bei vorbelasteten Menschen zu einer psychischen Behinderung führen. „Durch einen bestimmten Auslöser kann eine psychische Erkrankung ausbrechen und zu einer Behinderung werden”, erklärt Anneliese Gernikeites. „Dieser Auslöser kann Stress im Beruf sein.

Oft sind der Druck und die Verantwortung in hohen Positionen nicht auszuhalten”, weiß auch Astrid Werny. Ein ebensolcher Auslöser kann auch beispielsweise der Tod eines lieben Familienangehörigen sei. „Von solchen psychischen Behinderungen können alle Gesellschaftsschichten betroffen sein”, erklärt Anneliese Gernikeites. Kommt es zur Schizophrenie, hört der Betroffene Stimmen, sieht Personen, die gar nicht anwesend sind oder nimmt Situationen gar nicht mehr realistisch wahr.

Mit Ängsten verbunden sind Depressionen. Der Mensch leidet unter Existenzangst, hat ein Gefühl der Wertlosigkeit oder Angst, einen Angehörigen zu verlieren. Traurigkeit und Antriebslosigkeit sind die Folgen. „Diesen Menschen bieten wir ein Zuhause. Im Vordergrund steht, dass sie sich wohl fühlen. Hier finden sie eine Heimat und werden im Alltag begleitet. Wo die Menschen Defizite haben, werden sie von uns unterstützt”, sagt Astrid Werny.

Derweil weist Anneliese Gernikeites auf die Bedeutung der Tagesstruktur hin. Wichtig sind gemeinsame Mahlzeiten in der Gruppe. Bei der Körper- und Wäschepflege werden die Bewohner je nach Bedarf unterstützt.
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