Wohin mit den schwachen Schülern?

Von: Udo Stüßer
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Sie demonstrierten vor dem Rat
Sie demonstrierten vor dem Rathaus und im Ratssaal: Eine kleine Eltern- und Schüler-Gruppe setzte sich für den Erhalt der Realschule ein. Foto: Georg Schmitz

Geilenkirchen. „Heute einen Beschluss zu fassen, wäre kontraproduktiv. Es kann doch nicht heute entschieden werden, und dann fragt man die Eltern”, erklärte Jürgen Benden, Fraktionschef der Geilenkirchener Grünen, als es am Dienstagabend im Ausschuss für Bildung und Soziales um die Beratung über die Einrichtung einer Sekundarschule ging.

Wie gestern berichtet, schloss sich der Ausschuss dieser Meinung an: In den nächsten Tagen werden die Eltern befragt, der Stadtrat entscheidet dann in seiner Sitzung am 14. Dezember, ob die Realschule aufgelöst wird und eine Sekundarschule eingerichtet wird, ob die Realschule aufgelöst und die Gesamtschule auf Sechszügigkeit erweitert wird oder ob die Realschule weiter Bestand haben wird.

Benden blickte bei der Diskussion auf die verschiedenen Schulsysteme und erläuterte die Problematik: Vorteilhaft sei die Realschule als Halbtagsschule. „Aber sie wird nicht überleben. Nach der Klasse 6 ist ein Verbleiben an dieser Schule nicht für alle Schüler gesichert. Manche Kinder müssen wechseln. Aber wohin dann? Wir haben dann kein Angebot für Hauptschüler”, sagte er.

Angesichts der Tatsache, dass die gemeinsam mit Gangelt betriebene Hauptschule schließen wird. Ausweg sei eine große Gesamtschule. Allerdings sei sie sehr anonym und habe dann als einzige weiterführende Schule in Trägerschaft der Stadt eine Monopolstellung. Die Sekundarschule mache Angebote für alle Schüler in kleineren Klassen und sei von überschaubarer Größe. „Aber das Land sagt, dass man fünf Jahre lang die Dreizügigkeit gewährleisten muss. Kann man das jetzt schon sagen?”

Für die Bürgerliste meldete sich Helmut Gerads zu Wort: „Die Sekundarschule kommt für uns nicht in Frage, weil sie eine abgespeckte Gesamtschule ist. Und eine Gesamtschule haben wir bereits.” Stefan Kassel erklärte, die FDP wolle erst entscheiden, wenn die Elternbefragung vorgenommen worden sei. Für die CDU sagte Manfred Schumacher: „Als Schulstadt sollte Geilenkirchen ein breites Spek-trum anbieten. Wenn wir mit der Zeit nicht hinkommen, sollten wir noch ein Jahr länger beraten, das müssen uns unsere Schüler wert sein.”

Die Gesamtschule gewährleiste, dass kein Schüler die Schule verlassen müsse, warb Gesamtschulleiter Uwe Böken für seine Schulform. An seiner Schule gebe es keine Erprobungsstufe, eine Auf- und Abstufung der Schüler sei jederzeit möglich. „Die Sekundarschule ist eine Gesamtschule ohne Oberstufe. Ansonsten unterscheiden sich die Sekundarschule und die Gesamtschule nicht”, erläuterte er weiter.

Peter Pauli, Leiter der Realschule: „Die Realschule hat ihre Berechtigung zu existieren und erfolgreich zu arbeiten. Viele Eltern wollen ihre Kinder in einem kleineren behüteten System unterrichtet wissen. Und die Realschule ist die Schule des sozialen Ausgleichs.” Der Zeit- und Leistungsdruck sei geringer als im Gymnasium. Deshalb kämen etliche Gymnasiasten nach einiger Zeit zur Realschule. „Wir wollen unsere Schüler fördern und erfolgreich durch das System bringen.”

Jürgen Benden wandte ein: „Aber die schwachen Schüler müssen nach der sechsten Klasse gehen. Im vergangenen Jahr sind 16 Schüler von der Realschule zur Hauptschule gewechselt. Wohin sollen diese Schüler demnächst gehen?” Auch Dr. Wilfried Plum (SPD) meinte in Richtung Pauli. „In der Realschule sind Sie verpflichtet, nach der sechsten Klasse ein Urteil zu sprechen. Und Sie setzen die Messlatte hoch an.” Derweil meinte Dr. Armin Leon (CDU) angesichts einer möglichen Schließung der Realschule: „Ich bin erstaunt, wie ruhig es in dieser Stadt ist.” Er wünsche sich mehr Zeit.

„Wer hat sich überhaupt einmal die Zeit genommen, mit den Realschülern und ihren Eltern zu sprechen?” Einige von ihnen, ein Dutzend Eltern und ihre Kinder, hatten sich vor der Sitzung mit Transparenten vor dem Rathaus eingefunden. „Uns geht es um die nachfolgenden Kinder. Wir glauben nicht an die Sekundarschule, sie wird der Demografie zum Opfer fallen”, erklärte Schulpflegschaftsvorsitzender Ferdinand Schmitz, dessen beiden Söhne die 5. und 9. Klasse der Realschule besuchen. Es mache überhaupt keinen Sinn, die Eltern von Erst-und Zweitklässler zu befragen. Die Sekundarschule könne langfristig nicht gesichert werden, sie sei vom Tisch. „Wenn aber die Sekundarschule vom Tisch ist, reicht eine Entscheidung über den Fortbestand der Realschule im Februar. Warum will man jetzt so schnell über die Schließung der Realschule und über die Erweiterung der Gesamtschule beschließen?”

Die Stadt Geilenkirchen lädt alle betroffenen Eltern zu einem Informationsabend ein. Er findet statt am Montag, 5. Dezember, 19 Uhr, in der Aula des Berufskollegs Ernährung, Sozialwesen, Technik, Berliner Ring 48 - 54. Uwe Böken und Peter Pauli werden die verschiedenen Schulformen vorstellen.
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