Wird bald auf- und abgerundet?

Von: Sonja Essers
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Auch beim Einkauf in Geilenkirchen gibt es in den Geschäften Ein- und Zwei-Cent-Münzen zurück. Sollte vielleicht auch hier auf- und abgerundet werden? Nicht nur der Geldbeutel würde dadurch leichter. Foto: Jessica Küppers

Geilenkirchen/Übach-Palenberg/Gangelt. Das Schokocroissant gibt es für 99 Cent, das belegte Brötchen mit Käse kostet 1,99 Euro. Hektisch kramt die Mutter mit einem kleinen Kind an der Hand in ihrem überfüllten Portemonnaie, um dieses von Ein- und Zwei-Cent-Stücken zu befreien.

„Wann wird man die sonst schon los“, wird sie einige Sekunden später sagen. Passend hat es die junge Frau, hinter der sich mittlerweile schon eine beachtliche Schlange gebildet hat, dann trotzdem nicht. Sie fischt drei Euro aus ihrer Geldbörse und sagt zu der leicht genervten Verkäuferin: „Behalten Sie den Rest.“ Dann verstaut sie die Ware in ihrer Tasche und macht sich auf den Weg. So sieht ein ganz gewöhnlicher Nachmittag in einer gewöhnlichen Bäckerei in Geilenkirchen aus.

In dem rund 125 Kilometer entfernten Kleve gehören Situationen wie diese mittlerweile allerdings der Vergangenheit an. Der Grund dafür: Dort hat ein Großteil der Einzelhändler die Ein- und Zwei-Cent-Münzen aus den Kassen verbannt. Anstatt Wechselgeld herauszugeben, runden die Händler auf und ab. So fällt die ungeliebte Wartezeit an den Kassen weg.

Was es mit dem Kleve-Modell auf sich hat? Ganz einfach: Kostete das Buch bisher 9,49 Euro, zahlt der Kunde 9,50 Euro. Ist der Notizblock im Schreibwarengeschäft mit 2,92 Euro ausgezeichnet, so fallen „nur“ 2,90 Euro an. Eine Vorgehensweise, die bald auch schon in Geilenkirchen, Übach-Palenberg und Gangelt zum Alltag dazugehören könnte?

Manfred Latour von der Werbegemeinschaft Palenberg stünde einer Umstellung positiv gegenüber. „Ich wäre dafür, dass man die Ein- und Zwei-Cent-Münzen abschafft und stattdessen die Preise auf- und abrundet. Ich glaube, dass das auch bei den Kunden gut ankommen würde. Man ist ja froh, wenn man die Münzen aus dem Portemonnaie raus hat.“

Diese Meinung teilt auch Buchhändler Marcus Mesche aus Gangelt. „Kleingeld ist viel mehr Ballast, als dass es Wert hat“, sagt er und fügt hinzu: „Man steht nur selten an einer Kasse und kramt nach Münzen, weil man nicht den ganzen Verkehr aufhalten möchte.“ Doch nicht nur aus Sicht der Kunden sei eine solche Umstellung zu begrüßen.

„Auch für uns Händler wäre vieles einfacher.“ Wer in seiner Buchhandlung Lesestoff kauft, muss mit krummen Preisen rechnen. „9,99 Euro für ein Buch sind keine Seltenheit. Dann ist es natürlich gerade das Kleingeld, das uns immer wieder in der Kasse fehlt. Wir müssen immer wieder Münzen holen. Gäbe es eine Umstellung, würde auch das wegfallen“, ist er sich sicher.

Verwunderlich ist es nicht unbedingt, dass Kunden und Einzelhändler eine solche Entwicklung begrüßen würden. Schließlich bringen die Ein- und Zwei-Cent-Münzen auch so manchen Nachteil mit sich. Nicht nur der Geldbeutel beult ganz schön aus, sondern kostet die Händler darüber hinaus auch eine Menge Geld. Aufgrund einer EU-Verordnung sind die Banken seit dem vergangenen Jahr nämlich dazu verpflichtet, jede einzelne Münze auf ihre Verkehrssicherheit und Echtheit zu überprüfen.

Bevor Cent und Eurostücke also in die Portemonnaies und Kassen wandern, liegt bereits ein langer und teurer Prüfweg hinter ihnen. In sogenannten Safebags wird das Kleingeld zunächst zu einer zentralen Prüfstelle transportiert, wo mit neuen, teuren zertifizierten Automaten geprüft wird, ob die Münze echt und nicht beschädigt ist. Ein aufwendiges Verfahren, das Geld kostet.

Großer Aufwand

Worüber sich viele Einzelhändler besonders ärgern: Der Aufwand ist viel zu groß. In der Bundesrepublik taucht gerade einmal eine gefälschte Münze unter 100.000 Exemplaren auf. Damit übersteigen die Prüfkosten deutlich den finanziellen Schaden, der durch Fälschungen entstehen könnte. Im Jahr 2013 registrierte die Bundesbank nur 52.000 Münzfälschungen. Maximaler Schaden: 104.000 Euro.

Viele Banken geben darüber hinaus diese Kosten an ihre Kunden weiter. Die Sparkasse Aachen erhebt beispielsweise für Geschäftskunden in der Städteregion pro abgegebenem Münzbeutel eine Gebühr von 4,50 Euro. Die Abgabe von bis zu 50 Münzen bleibe kostenfrei, Privatkunden müssten weiterhin nicht zahlen.

Im gesamten Kreis Heinsberg werden für Geschäftskunden bis zu einer Menge von 250 Münzen je Tag und Konto keine Gebühren erhoben, sagt Thomas Aymans von der Kreissparkasse Heinsberg. Überschreiten die Geschäftskunden diese Grenze, werden sie mit 0,5 Cent je Münze an den Kosten beteiligt. Wie das genau aussieht? „360 Münzen zu je 0,5 Cent je Münze ergeben eine Gebühr von 1,80 Euro“, sagt Aymans. Für Privatkunden ist das Verfahren auch im Kreis Heinsberg kostenfrei.

Für Geschäftsleute, die oft gleich mehrmals pro Woche ihr Kleingeld zur Bank bringen, bedeutet diese Verordnung also Zusatzkosten.

In Kleve runden die Einzelhändler genau aus diesem Grund die zu zahlenden Beträge auf und ab. Eine Vorgehensweise, die auch in den Niederlanden bereits seit etlichen Jahren praktiziert wird. „Was in den Niederlanden betrieben wird, ist gut, das würden wir auch begrüßen“, sagt Désirée Schick, die ein Bekleidungsgeschäft an der Haihover Straße in Geilenkirchen betreibt.

„Ein- und Zwei-Cent-Stücke sind schon sehr lästig, und ich denke, dass vieles einfacher wäre, wann man sie abschaffen würde“, ist sich die Einzelhändlerin sicher.

Weinhändler Klaus Jansen aus Waurichen hat bereits Konsequenzen gezogen. „Ich habe in meiner Preisliste alle Preise auf zehn Cent gerundet. Ich würde es begrüßen, wenn die Ein- und Zwei-Cent-Münzen aus dem Umlauf genommen würden“, meint er. Ob diesen Schritt noch mehr Einzelhändler aus Geilenkirchen, Übach-Palenberg und Gangelt wagen werden, wird die Zukunft zeigen.

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