Winfried Müller feiert sein Goldenes Priesterjubiläum

Von: Renate Kolodzey
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Winfried Müller vor dem Portal der Kirche St. Mariä Himmelfahrt in Geilenkirchen. Foto: Renate Kolodzey

Geilenkirchen. „Ich habe keine persönlichen Einladungen verschickt, weil ich Angst hatte, ich vergesse jemanden, daher habe ich das nur im Pfarrbrief veröffentlicht“, schildert Winfried Müller, wie er anlässlich seines Goldenen Priesterjubiläums auf die Festmesse in St. Mariä Namen in Gillrath und die anschließende Feier im „Haus Vossen“ aufmerksam machte.

„Es war eine bewegende Eucharistiefeier, an der auch Oberpfarrer Peter Frisch, Pater Robert Fuß, Diakon Peter Birmanns und Pfarrer im Ruhestand Stavko Majic teilnahmen“, blickt Müller gerne zurück. Musikalisch sei sie vom Kirchenchor St. Mariä Himmelfahrt begleitet worden, dirigiert von Kantor Bernd Godemann.

„Wir haben viele Taizé-Lieder gesungen, auch meditativ“, freut sich Müller und hebt hervor, er sei über 40 Mal mit Jugendlichen ins französische Taizé in Burgund gefahren, wo es ihn immer wieder beeindruckt habe, wie über 5000 Gläubige in religionsübergreifenden Gottesdiensten die Glaubenserfahrung „Gott ist die Liebe“ sichtbar machten und lebten.

Auch der Bischof gratuliert

Im Pfarrzentrum „Haus Vossen“ gab der Jubilar nach der Festmesse einen Empfang, zu dem er rund 400 Gäste begrüßen durfte. Über 180 schriftliche Glückwünsche von Mitgliedern der Gemeinden habe er bekommen, erzählt er, auch Bischof Helmut Dieser und der ehemalige Bischof Heinrich Mussinghoff sowie viele Mitarbeiter der bischöflichen Verwaltung hätten gratuliert.

Um Pfingsten herum werde er in seinem Heimatort Wegberg-Merbeck mit Verwandten und Freunden das 50-jährige Priesterjubiläum nachfeiern, verrät der Jubilar. Dann stehe nämlich auch seine Goldene Primiz an, und es seien dann genau 50 Jahre vergangen, seit er seine erste Messe nach der Priesterweihe zelebriert habe. Dies war 1967, und 1974 übernahm er mit 32 Jahren als jüngster Priester des Bistums Aachen eine Gemeinde, die Pfarre St. Mariä Namen in Gillrath.

Als einer der ersten Pfarrer, um nur einige Stationen seines vielseitigen kirchlichen Werdegangs aufzuzählen, durfte Müller 1988, zusammen mit Kaplan Kurt-Josef Wecker, drei weitere Gemeinden betreuen: Teveren, Tripsrath und Grotenrath. 1988 wurde er gleichzeitig bis 2004 zum Dechanten des Dekanates Geilenkirchen gewählt.1998 wurde er Oberpfarrer an St. Mariä Himmelfahrt in Geilenkirchen, ab 2005 Regionaldekan der Region Heinsberg. 2009 kam der Vorsitz des regionalen Caritas-Verbandes Heinsberg hinzu, den er heute noch innehat.

Seit 2012 arbeitet der fast 75-Jährige als Subsidiar, also priesterlicher Mitarbeiter, der „Gemeinschaft der Gemeinden (GdG) St. Bonifatius“. „Dadurch feiere ich fast jeden Tag die Messe in einer der Gemeinden“, berichtet er. Außerdem ist er bischöflicher Beauftragter für alte und kranke Priester und Bezirkspräses der Schützen, wofür er mit dem Sebastianus-Ehrenschild am Bande ausgezeichnet wurde.

„Meine Familie war sehr katholisch“, blickt Müller zurück, doch habe er sich erst kurz vor dem Abitur entschlossen, Theologie zu studieren. Dies in Bonn, wo einer seiner Lehrmeister der spätere Papst Professor Joseph Ratzinger war, und Innsbruck, wo er Vorlesungen von Professor Karl Rahner hören durfte, „einem der bedeutendsten Theologen des 20. Jahrhunderts“, wie er achtungsvoll bemerkt.

Dort seien Vorlesungen auch in Latein gewesen, erinnert sich der Jubilar, wobei, obwohl er diese Sprache beherrsche, es sechs Wochen gedauert habe, sich hineinzuhören, um alles zu verstehen. „Meine erste Fremdsprache war sowieso Hochdeutsch!“, schmunzelt Müller und gibt zu, er sei mit „Platt“ aufgewachsen.

Betritt man den Eingang zu seinem Domizil in der Heinsberger Straße 10 in Geilenkirchen, wo er seit 2008 wohnt, begegnen einem religiöse Zeichen auf Schritt und Tritt: Vor der Haustüre wird man von einer Mini-Version des Gillrather Kirchturm-Hahns begrüßt, der auf einem Original-Balken aus dem Gillrather Kirchturm thront – ein Abschiedsgeschenk aus dem Jahre 2008 seiner damaligen Gemeinde, und auch im Hausflur weht „Kirchenluft“:

Der dort stehende original gotische Betstuhl war eine Gabe zu seiner Primiz, das kunstvoll gearbeitete Kreuz stammt von einem verstorbenen Pfarrer. Daneben erhebt sich eine bunt verzierte Osterkerze auf einem Holzständer. An der Wand erinnern Fotos an Reisen mit von Müller geleiteten Pilgergruppen, etwa nach Getsemani am Fuße des Ölbergs und zum Katharinenkloster nahe des Berges Sinaii.

Selbst die Garderobe wird von einer Osterkerze flankiert, und in der gemütlich eingerichteten Wohnung mit vielen antiken Uhren entlocke ich dem Kirchenmann, wie er zu den „weltlichen“ Genüssen steht.

„Ich esse gerne Rippchen mit Knorpel – die knacken so schön“, gibt er lachend preis. Was Hobbys betrifft, spiele er leidenschaftlich gerne Skat und Canasta, verrät er und meint augenzwinkernd: „Da schimpfe ich auch mal mit anderen, wenn sie Fehler machen!“

Früher habe er Briefmarken gesammelt, plaudert er weiter, und besonders freue er sich über einen Umschlag mit viererlei deutschen Marken vom 3. Oktober 1990 – dem letzten Tag, an dem gleichzeitig die ehemaligen Marken der DDR und der Deutschen Bundespost, der Deutschen Bundespost Berlin sowie die neuen Marken der Deutschen Post gültig waren.

Hinsichtlich des Zölibats könne Müller sich vorstellen, dass es freigestellt werde und jeder sein Priestertum so gestalten dürfe, wie er möchte.

Als seine Schwester ihr erstes Kind bekam, habe er mit sich gerungen, da er in seinem Beruf nie Vater werden könne, doch sich dann entschieden, sein Leben Gott zu widmen. Bisher habe er es nicht bereut. „Der Zölibat ist auch ein Zeichen dafür, dass man nicht an diese Welt gebunden ist, sondern an Christus und die kommende Welt“, meint er.

Sich in den Dienst der Gemeinden zu stellen, sei für ihn eine Freude, bekräftigt der Jubilar, doch ist er sich sicher: „Kirche wird erst glaubwürdig, wenn man den Glauben gemeinsam lebt – in Wort und Tat!“

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