William Youn in Zweibrüggen: Traumwandler ohne Notenblätter

Von: mabie
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Der südkoreanische Ausnahmepianist William Youn war auf Einladung der Freunde der Kammermusik zu Gast im wundervollen Ambiente von Schloss Zweibrüggen. Foto: Markus Bienwald

Übach-Palenberg. „Atemberaubend“, „Unglaublich“, „Schön“ – all diese lobenden Worte waren am Sonntagabend schon in der Pause eines wirklich unvergesslichen, meisterhaften Konzertabends im Schloss Zweibrüggen zu hören.

Der Grund dafür saß auf einem kleinen Podest im Schloss Zweibrüggen und sorgte mit traumwandlerischer Sicherheit für höchsten Klassikgenuss. William Youn aus Südkorea war zu Gast und verzauberte – mit geschlossenen Augen und ohne Literatur –seine Gäste. „Er spielt das Gesamtprogramm auswendig“, war Vorsitzender Hanns-Paul Jouck vom Veranstalter, dem Verein „Freunde der Kammermusik“, begeistert. „Und das tat er in Perfektion und mit viel Gefühl“, lobte Jouck weiter.

Dabei hatte Youn auch keine Bedenken, den Flügel im Schloss ganz zu öffnen, um nicht die maximale Lautstärke des edlen Instruments zu ermöglichen. Vielmehr zeigte die außergewöhnliche Darbietung des Könners, der sonst in weitaus größeren Sälen zu begeistern weiß, die Dynamik, das Leben und Leiden der Musik, das Gelebte, die Spannungsbögen und die Leidenschaft, die so nur einem hervorragenden Live-Konzert innewohnen kann.

Ein bestes Beispiel von Youns unnachahmlicher Tastenkultur bot sich gleich mit dem Auftakt. Allegro, Adagio und Allegretto aus der Sonate B-Dur (KV 570) von Mozart dürften sich selten mit so viel auch kleinteiliger Energie, die aber dennoch nicht das geschmeidige Gesamtbild außer Acht ließ, ins Gehör und in die Herzen der Gäste gespielt haben.

Vollmundig, mit dem Mut zu unglaublicher Dynamik bei völlig selbstvergessenem Spiel und der Fähigkeit, die Menschen nicht nur mitzureißen, sondern zum Teil des musikalischen Vortrags werden zu lassen, stand auch beim zweiten Stück vor der Pause, der Sonate e-Moll (KV 310), ebenfalls von Mozart, im Vordergrund. Dass diese bereits mit anhaltenden stehenden Ovationen gefeierte Vorführung im zweiten Teil des überaus gelungenen Konzertabends noch getoppt werden könnte, wagte fast niemand zu glauben.

Voll des Lobes war auch Verwaltungschef Wolfgang Jungnitsch, nicht nur angesichts des ausverkauften Hauses, sondern auch dank der Sponsoren und nicht zuletzt der Aktiven von den Freunden der Kammermusik.

Nachdem William Youn im vergangenen Jahr als Teil des „Clara Haskil Klaviertrios“ die fantastische Atmosphäre des Schlosses genossen hat, kam er nun als Freund der Familie Jouck gerne wieder zurück. So wurde nicht nur der als Zugabe intonierte Walzer von Chopin zu einem Erlebnis. Der „Liebestraum Nr. 3“ aus der Feder Franz Liszts, die „Widmung“ von Schumann und Liszt und auch der eigentlich letzte offizielle Programmpunkt, die „Fantasie C-Dur, Opus 17“ von Robert Schumann, waren ein musikalisches Feuerwerk sondergleichen.

Da dürfte es den Gästen schwergefallen sein, Abschied zu nehmen von diesem großartigen Klassikgenuss. Als Trost bleibt das Versprechen William Youns, in den kommenden Jahren alle 18 Sonaten für Klavier aus Mozarts Repertoire aufnehmen zu wollen.

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