Geilenkirchen-Kogenbroich - Wilder Müll verbirgt Schätze

Wilder Müll verbirgt Schätze

Von: Georg Schmitz
Letzte Aktualisierung:
5259590.jpg
Guido Peters freut sich über die Wiederherstellung des Bodendenkmals. Bei den Baggerarbeiten wurde aber auch jede Menge wild entsorgter Müll gefunden. Foto: Georg Schmitz

Geilenkirchen-Kogenbroich. An der Stelle in Kogenbroich, an der in den vergangenen Tagen ein Bagger Mengen von Erdreich bewegt hat, befand sich eine Grabenanlage, die früher einmal eine alte Hof-, beziehungsweise Burganlage umgab. In den Nachkriegsjahren verfüllten Erdreich und wild wuchernde Pflanzen den Graben, so dass er kaum noch als solcher zu erkennen war. Auch wurde hier immer wieder Müll entsorgt.

Kürzlich hat sich die Interessengemeinschaft der Pfarre Kraudorf die Wiederherstellung der Grabenanlage am Rande der Gracht zwischen Zumdahl und Kogenbroich zum Ziel gesetzt, und jetzt rollte der von der Familie Davids zur Verfügung gestellte Bagger an. Die 43 Mitglieder starke IG verfügt über Fachleute in ihren Reihen, dazu gehören Guido Peters und Markus Westphal.

Beide wissen um die Ersterwähnung der Hofanlage Kogenbroich im Jahre 1550, wobei der Ursprung aber auch weiter zurückliegen könnte. Der in Hoven lebende Archäologe Markus Westphal hat sich intensiv mit der Geschichte der Pfarre Kraudorf und der hier „vereinigten“ Ortschaften befasst. Westphal hat viele Daten zusammengetragen und beim Durchforsten alter Schriften herausgefunden, dass der 1499 erstmals erwähnte „hove zom Dale“ (Zumdahl) Randerather Lehen war und Hafer an die dortige Rentmeisterei lieferte. Bei der 220 Meter südwestlich von Zumdahl am Rande von Kogenbroich gelegenen Burg- oder Hofanlage könnte es sich um eine Vorgängeranlage von Gut Zumdahl gehandelt haben, vermuten Westphal und Peters.

Alte römische Münze

Einigen Schriften zufolge soll ein hier früher vorhandenes Burggebäude als Pfarrhaus der Kraudorfer Kirchengemeinde gedient haben. Diese von einem Graben umgebene Anlage weise einen nahezu quadratischen Grundriss mit abgerundeten Ecken auf, bei einer Gesamtgröße von 65 mal 65 Metern. „Die Grabenweite schwankt zwischen fünf Meter im Norden und elf Meter im Osten“, erzählt Markus Westphal. Guido Peters schätzte die ursprüngliche Tiefe des Grabens auf über zwei Meter. Peters ist Landschaftsgärtner und wurde aufgrund dessen „zwangsläufig“ mit archäologischen Dingen vertraut. Bei seiner Landschaftspflege stieß er immer wieder auf Artefakte längst vergangener Zeiten, und so beschäftigt er sich seit sechs Jahren auch mit Archäologie. „Die Fundstücke brachte ich nach Bonn zum Amt für Denkmalschutz, und dann haben die mich gefragt, ob ich nicht ehrenamtlich für sie tätig werden könnte“, blickt Guido Peters zurück.

Mittlerweile verwaltet Peters auch das Dorfarchiv der Pfarre und organisiert einmal im Jahr eine Ausstellung im Pfarrhaus. Peters verweist auf die Genehmigungen, die im Vorfeld der Baggerarbeiten an der Grabenanlage bei Stadt, Kreis und Regierungspräsidium eingeholt werden mussten. Das alles war von Erfolg gekrönt, und nun konnte die Freilegung des Bodendenkmals beginnen. Dabei stießen die Arbeiter nicht nur auf jede Menge Müll, der hier in der Landschaft entsorgt worden war, sondern auch auf eine alte römische Münze mit dem Bildnis von Augustus.

Der alte Hof, der sich im Graben-Karree früher befand, diente bis zuletzt als Pfarrhaus und wurde nachweislich 1890 abgerissen. Die Grundmauern werden sich noch an Ort und Stelle befinden, aber bisher haben hier noch keine Grabungen stattgefunden. Die Zufahrt zum Pfarrhaus erfolgte von der heutigen Landstraße 42 aus, ist aber heute nicht mehr vorhanden. Landwirte aus der Pfarrgemeinde halfen beim Abfahren des Erdreichs mit und stellten dafür Traktoren mit Anhängern zur Verfügung. Ein Unternehmen aus Hürtgenwald entsorgte kostenfrei den Grünschnitt.

Zwischenzeitlich ist ein Großteil des Bodendenkmals freigelegt, und der Graben wird bald mit Rasen eingesät. Am Rand, zur Straße hin, erfolgt die Anpflanzung einer Hecke, ansonsten wird sich der Graben direkt neben einem alten Römerweg wie in früherer Zeit präsentieren. Markus Westphal freut sich, dass alles so reibungslos vonstatten ging. Er betreibt für das Europäische Burgeninstitut Burgenforschung im Kreis Heinsberg, die Ergebnisse werden im Sommer 2003 veröffentlicht. Die IG der Pfarre Kraudorf ist froh, mit Peters und Westphal zwei kompetente Fachleute zu haben.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert