Wiederherstellung St. Marien: Darf es denn diesmal barrierefrei sein?

Von: Markus Bienwald
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Die Maler sind fertig, die Restauratoren noch am Werk, und das neue liturgische Konzept mit dem zentralen Altar unter der Kuppel harrt noch der Umsetzung in der Kirche St. Marien im Herzen von Geilenkirchen. Foto: Markus Bienwald

Geilenkirchen. Wer derzeit mitten in Geilenkirchen die Gelegenheit sucht, seinen Glauben zu praktizieren, kann dies in der Pfarrkirche St. Marien nicht tun. Gerüste außen und innen, viele Geräte und noch mehr Staub machen deutlich, dass hier derzeit rund 1,8 Millionen Euro verbaut werden, um das wunderschöne, altehrwürdige Gebäude im Zentrum der Stadt umzubauen.

Dann wird nicht nur der entstandene Brandschaden behoben sein, sondern die Kirche wieder fit gemacht sein.

Allerdings gibt es auch jemanden, der sehr daran zweifelt, dass auch die Belange von Gläubigen und Kirchennutzern mit einer Behinderung ausreichend berücksichtigt wurden. Sein Name ist Heinz Pütz, Behindertenbeauftragter der Stadt Geilenkirchen, durch sein vehementes, aber in der Sache immer einleuchtendes Vorgehen ist er vielleicht nicht unbedingt das Lieblingskind mancher Menschen in Geilenkirchen. „Ich bin selbst behindert, und möchte wissen, ob ich als behinderter Gläubiger die Kirche vernünftig nutzen kann“, sagt er.

Abstand genommen

Und das tut er auf diesem Wege ausdrücklich als Privatmensch Pütz, der die Kirche gerne besucht und sich dort seit Herbst 2000 als Kommunionhelfer engagiert. Selbst Teil des Kirchengemeinderates war er einmal, aber das ist lange her, der Brand lag da noch in der Zukunft. Pütz weiß, dass Menschen mit Handicap sicherlich eine Sache schon bei der ursprünglichen Auslegung des Kirchengebäudes mehr als nur gestört hat. „Es ist die Schwingtür im seitlichen Zugang“, sagt er. Diese sei nicht nur ausgesprochen widerspenstig und schwer zu öffnen gewesen, sie sei auch unkontrolliert ein paar Mal zurückgeklappt.

„Mir ist nun zu Ohren gekommen, dass man wohl von einer neuen, automatischen Türe Abstand genommen hat“, so seine Informationen. Seine Wunschoption: eine automatisierte oder auch nur leichtgängige, nicht automatische Tür. Denn an dieser Stelle im Stadtkern wäre eine Sensorsteuerung wie im Supermarkt wegen der Passanten recht unpraktisch. Auch eine per simplem Taster zum Öffnen gesteuerte Tür kommt laut Pütz infrage. „Ob wir die kriegen, weiß ich aber nicht“, sagt er.

Der Kirchenvorstand möchte sich nicht zu Details äußern. „Selbstverständlich werden alle Belange von Menschen mit Behinderung berücksichtigt“, heißt es in einer Stellungnahme des Kirchenvorstandes gegenüber unserer Zeitung. Mehr Informationen gibt es an dieser Stelle aber nicht. Zugleich wird das ehemalige Vorstandsmitglied Heinz Pütz dazu aufgefordert, seine Bedenken im Kirchenvorstand vorzutragen.

„Kann mir das nicht vorstellen“

Ob das Früchte trägt – bei einem Bauvorhaben mit einem Volumen von gut 1,8 Millionen Euro und einer angepeilten Fertigstellung im November – wird von Pütz mehr als nur angezweifelt. „Ich kann mir nicht vorstellen, dass man hinterher am Plan so einfach was ändern kann“, sagt er. Und Plan B, ein geänderter Zugang über das Hauptportal zum Marktplatz hin, könne schon alleine aus Gründen des Denkmalschutzes und des Schutzes vor eindringendem Wasser nicht umgesetzt werden.

Punkt zwei auf Pütz‘ Liste ist die künftige Gestaltung des Innenraumes. Der Altar solle zentral unter der schönen Kuppel des Gebäudes platziert werden, darüber ein prachtvoller Leuchter mit 24 Lichtern, von denen jeder einzelne Spot 1250 Euro kostet. „Ich kenne die künftige Sitzanordnung nicht, aber ich bezweifle sehr, dass diese Anordnung genug Bewegungsfreiheit für Menschen mit Handicap bietet“, sagt Pütz.

Auch dazu will sich der Kirchenvorstand gegenüber unserer Zeitung nicht äußern, er verweist auf das persönliche Gespräch zwischen Pütz und dem Vorstand, Details werden auch hier nicht preisgegeben. „Es muss doch möglich sein, dass beispielsweise Rollstuhlfahrer so platziert werden, dass sie auch etwas von der Messe mitkriegen“, sagt Pütz.

Dabei denkt er auch an den demographischen Wandel, der sich nicht nur im öffentlichen Leben so auswirkt, dass auf die Belange der Barrierefreiheit oder Zugänglichkeit immer mehr Wert gelegt wird. „Ob das beim Umbau berücksichtigt wurde, das entzieht sich allerdings meiner Kenntnis“, so Pütz. Sein Hinweis, dass gerade die Nutzer der Kirche nicht jünger werden, mag da noch wie ein zusätzlicher Punkt auf dem Plan wirken.

Für Pütz steht jedoch fest, dass bei einem derart aufwendigen, dem Gebäude und dessen Bedeutung sicherlich angemessenen Umbau solch wichtige Punkte wie die Berücksichtigung des Zugangs für Gläubige mit einer Behinderung nicht einfach unter den Tisch fallen dürfen. „Und schon gar nicht bei dem Preis“, so Pütz, „denn dann würde ich eher auf den Kronleuchter für 30.000 Euro verzichten, statt den Menschen keinen vernünftigen Zugang zu gewähren.“

„Bestimmte Dinge müssen sein“

Pütz empfiehlt einen Zugang in abgespeckter Form. Denn schließlich will er ja einen Zugang, der „im Rahmen der Verhältnismäßigkeit“ umgesetzt werden sollte, damit Menschen mit Rollatoren oder Rollstühlen die Kirche gut nutzen können. „Und die Kirche ist natürlich auch ein öffentliches Gebäude, da müssen bestimmte Dinge einfach sein.“

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