Wieder ins Leben integrieren: Therapiezentrum Loherhof

Von: Christina Kolodzey
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Lust auf einen „Smoothie“? Liam (5) und Liv (3) Schönenborn verteilen fruchtige Getränke. Foto: Kolodzey
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Hans-Rainer Hubbes, Leiter des AHG Therapiezentrums Loherhof, und seine Stellvertreterin Gabriele Härter freuen sich über das gelungene Fest. Foto: Kolodzey

Geilenkirchen. „Ich war fast tot, als ich hier ankam, wog nur noch 52 Kilo, doch jetzt, nach einem Jahr stationärer und drei Jahren heimnaher Betreuung kann ich wieder meine eigenen Wege gehen und bin glücklich“, erzählt Martin K. (Name geändert) beim Sommerfest des AHG Therapiezentrums Loherhof.

Er habe massive Alkoholprobleme gehabt, sei auf der Entgiftungsstation in Düren gewesen und habe dort von einem Betreuer den Tipp „Loherhof“ bekommen. Der Anfang sei schwierig gewesen, gibt er zu. „In der ersten drei Monaten wollte ich manchmal abhauen, doch ich habe es durchgezogen und mich hochgearbeitet. Die Betreuer haben mir sehr geholfen, und langsam wurde es besser. Ich kann Menschen mit Alkoholproblemen nur raten, hierherzukommen.“

Solche Aussagen freuen Hans-Rainer Hubbes, Leiter des Therapiezentrums, und seine Stellvertreterin, Gabriele Härter, sehr. Zu Beginn des Festes hatte Hubbes die zahlreich erschienenen Gäste gut gelaunt bei strahlendem Sonnenschein begrüßt, auf Aktionen wie Trommelkurs, Malaktion sowie eine Bilder- und Skulpturenausstellung hingewiesen und „uns allen gute Gespräche“ gewünscht. Zu den Besuchern des jährlichen Sommerfestes zählen unter anderem Angehörige der Klienten, Mitarbeiter der Kooperationspartner Caritas und Gangelter Einrichtungen sowie Kollegen der drei Außenstellen in Geilenkirchen-Kniepbusch, Aachen und Düren.

„Wir betreuen hier chronisch Suchtkranke – in erster Linie durch Alkohol und Medikamente – und haben derzeit 30 stationäre Klienten sowie 35 im sogenannten ,Heimnah betreuten Wohnen‘, die, sobald sie gelernt haben, stabil abstinent zu sein, sich auf Wunsch selbst verpflegen und ihren Haushalt erledigen“, erläuterte Härter. Ziel sei die Reintegration ins Leben.

Nach der Aufnahme werde in den ersten sechs Wochen ein individueller Hilfeplan geschrieben mit Maßnahmen wie beispielsweise Arbeits-, Sport- oder Beschäftigungstherapie. Der Klient spiele die Hauptrolle, er bestimme mit und werde in seiner Selbstständigkeit durch Sozialarbeiter therapiebegleitend unterstützt. Auch das auf dem Sommerfest angebotene „Spritzbild“, ein auf dem Boden ausgebreiteter riesiger Bogen Papier, der kreativ mit flüssigen, bunten Farben bespritzt werden darf, gehöre zur Beschäftigungstherapie, informierte Hugo Königs, Mitarbeiter der Einrichtung.

Besonders Kinder fanden es verlockend, geschützt von einem weißen Overall, mit einem großen Pinsel die Farben nach Herzenslust auf das Papier zu schleudern und phantasievolle Muster zu erzeugen: „Zu Hause darf ich so was nicht machen“, meinte die neunjährige Julie Herings aus Geilenkirchen bedauernd mit einem Seitenblick auf ihre Mutter Tanja.

Ebenfalls aus der Beschäftigungstherapie stammt der Trommelworkshop. Auch er fand seine begeisterten Fans: Mit Djembén und Cajón verführte Königs Groß und Klein zu rasanten Trommelwirbeln. Jeder bekam ein Instrument und sollte ihn nachahmen: Zunächst unkompliziert und langsam „rechts, links, rechts, links“, dann immer schwieriger und schneller „damit ihr ins Schwitzen kommt!“ Lachend befolgten die Teilnehmer seine Anweisungen und durften später selbst eine Vorgabe machen, wobei sich viele extra komplizierte Trommelfolgen ausdachten.

Wer dann Durst auf einen „Smoothie“ bekam, war bei Liam (5) und Liv (3) Schönenborn richtig. Die beiden warteten diensteifrig am karibisch anmutenden Stand mit einem fruchtigen Banane-Pfirsich-Mix auf ihre Gäste. So gestärkt konnte sich, wer Lust hatte, eindrucksvolle Bilder und Skulpturen ansehen, die von Klienten in der Beschäftigungstherapie angefertigt wurden und auch käuflich zu erwerben waren.

Auch eine Hausführung im stationären Trakt wurde angeboten. Gabriele Härter zeigte Interessierten großzügige, helle Einzelzimmer mit Bad und erwähnte, dass Haustiere wie Vögel und Fische gehalten werden dürften und im betreuten Wohnen sogar Hunde und Katzen. Vor dem großen, gemütlichen Speiseraum, in dem bei Mahlzeiten Klienten die Tische decken, ruft ein großer Gong zum Essen.

Tischtennis, Billard, Bistro, Grillofen und Teich bieten Abwechslung. Härter betonte, dass hier kein Arzt arbeite, denn „Soziotherapie“ bedeute „am Alltag orientiert arbeiten“: Die Klienten sollen etwas Sinnvolles tun, je nachdem, was der Einzelne möchte und kann. Das Spektrum der Bewohner sei sehr breit, und es sei ein freies Kommen und Gehen.

Es gäbe auch Kontakte zum benachbarten Freshman-Institut, wo junge Asiaten auf ein Studium in Deutschland vorbereitet würden – man koche zusammen und hätte viel Spaß, erzählt sie.

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