Wie zu Omas Zeiten Fronleichnam gefeiert wurde

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Irmgard von der Lohe aus Lindern stellte dem Historischen Klassenzimmer dieses Foto eines Hausaltars ihrer Großeltern zur Fronleichnamsprozession zur Verfügung. Das Bild stammt aus dem Jahr 1952.

Geilenkirchen. Das Fronleichnamsfest war ein Quell dörflicher Tradition - beispielsweise das Errichten häuslicher Altäre am Weg der Prozession. Das beschreibt Annemarie Veckes vom Verein Historisches Klassenzimmer in Immendorf.

Ein solcher Altar wurde wenn möglich in der Haustür oder aber in einem Fenster aufgestellt. Dazu holte man die beste Tischdecke hervor und breitete darüber ein Spitzendeckchen. Kleine Blumensträuße, die mit Sicherheitsnadeln befestigt wurden, bildeten die Dekoration. Mittig stand erhöht ein Kreuz und davor eine Muttergottesfigur. Wenn vorhanden, kamen links und rechts noch ein kniender Engel sowie ein Kerzenständer dazu.

Die Kerzen durften erst kurz vor dem Erscheinen des Pastors angezündet werden. Viele Vasen oder Gläser mit Blumen aus dem Garten, bunt gemischt, wie Lupinen, Rosen, Tausendschön, Pfingstrosen, Nelken, was halt eben blühte, wurden aufgestellt. Seitlich neben dem Fenster oder der Tür platzierte man ein Blumengebinde. Zum Schluss schmückte ein Blumenteppich den Platz davor aus lauter Blütenköpfen, von Kindern an Wiesen und Wegrändern während der vergangenen Wochen gepflückt. Im Keller waren sie auf Zeitungspapier ausgebreitet worden, damit sie langsam trockneten und nicht verdarben.

Wenn der Fronleichnamstag da war, der Donnerstag zehn Tage nach Pfingsten, ging es im Dorf immer recht rege zu. Überall wurde geputzt, gekehrt, wurden Fähnchen oder Maien am Straßenrand aufgestellt. An drei bis vier Stellen wurden größere Altäre aufgebaut. Dazu wurden sogar wertvolle Teppiche ausgelegt, teils aber auch künstlerisch aus Blumen hergestellt.

Nach der Heiligen Messe zog die Prozession von der Kirche aus durch den ganzen Ort. Dazu stand im Eingang der Kirche der „Himmel“ bereit. Der Zug hatte eine feste Ordnung. An der Spitze trug ein größerer Messdiener ein hohes Kreuz, neben ihm zwei kleinere eine rot-weiße Fahne, dahinter gingen die Schulkinder unter der Aufsicht des Lehrers und der Lehrerin. Dann folgten die Jungfrauen und Frauen.

Die Blaskapelle marschierte vor den Kommunionkindern des Jahres begleitet von den Messdienern, die das Weihrauchfass schwenkten. Nun kamen die Schützen, die den Himmel, das Dach für das Allerheiligste, trugen; sie wechselten an jedem der drei Altäre. Der Pastor trug die geweihte große Hostie in der Monstranz.

Über die Blumenteppiche, hier und da auch gefärbtes Sägemehl, durfte nur der Pfarrer gehen. Hinter dem Himmel ging der Kirchenchor, gefolgt von den Männern. An jedem Altar wurde ein Evangelium gelesen, der Chor sang, dann gab es den Segen. Während der Prozession wurden zudem Teile des Rosenkranzes gebetet oder fromme Lieder gesungen.

Zum Schluss zog die Prozession wieder in die Kirche; es gab noch einmal den Segen der Kirche. Und dann begannen alle Glocken zu läuten, die ganze Gemeinde sang das Lied „Großer Gott, wir loben dich...“. Bei manchen Kirchenbesuchern kam da ein tiefes Gefühl der Rührung auf. Oft wurden sogar einige Tränen vergossen.

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