Wie Schwan und Huhn dicke Freunde wurden

Von: Georg Schmitz
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Elsbeth Heitzer (r.) und Silke Löckenhoff haben ihr Herz an Schwan Paul verloren, der jetzt aber ausgewildert wurde. Foto: Georg Schmitz
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Schwanküken Paul im Alter von drei Monaten. Dank der rettenden Hand von Tierfreunden ist er inzwischen ein stattlicher Schwan geworden. Foto: Georg Schmitz

Geilenkirchen/Heinsberg. Es gibt auch hierzulande Geschichten aus dem tierischen Alltag, die in „Brehms Tierleben“ hätten Erwähnung finden können. So wie die vom kleinen Küken, das auf abenteuerliche Weise doch noch ein stolzer Schwan wurde. Sechs Schwanenküken schlüpften Anfang Mai im Wurmauenpark in Geilenkirchen. Doch dann geschah das, was man von Eltern ganz und gar nicht erwartet: Diese hackten auf das Küken ein und verstießen es.

Das kommt zumeist vor, wenn ein Junges geschwächt oder krank auf die Welt kommt. Doch das Kleine wurde in letzter Minute von einer aufmerksamen Passantin vor dem sicheren Tod gerettet. Sie gab den flauschigen Fund am 8. Mai in die Obhut von Silke und Uwe Löckenhoff, denn ihr war bekannt, dass das im Norden der Stadt lebende Geilenkirchener Ehepaar bereits mehrere kranke und verletzte Tiere gepflegt und einen kleinen Wildhasen mit der Flasche aufgezogen hatte. Schon in den ersten Tagen entwickelte sich das spontan auf den Namen Paul getaufte Küken prächtig bei der menschlichen Pflegefamilie. Das Schwänchen suchte 24 Stunden am Tag die Nähe zu dem Ehepaar und gab nachts erst Ruhe, wenn es die Wärme im Bett der Ersatzeltern spürte. Auch tagsüber suchte das Küken Zuwendung, und so trug Silke Löckenhoff das Schmusetierchen sogar am Hals, nahm es überall mit und spendete ihm so genügend Wärme.

Doch es kam noch besser: Fraya, der Golden Retriever im Haus Löckenhoff, nahm sich liebevoll des kleinen Schwanes an und leckte ihn sogar trocken, wenn er sein Bad genommen hatte. Die Löckenhoffs hatten für Ende Mai bereits eine Reise an die See geplant. „Wir hatten Urlaub gebucht, aber wir hatten ja den Schwan“, erinnert sich die Pflegemutter. Wohin also mit Paul?

Nun hatte Uwe Löckenhoff in Heinsberg-Porselen einen Arbeitskollegen mit Haus und Hof und einem großen Gelände inklusive Teich. Ideale Bedingungen. Und so fand Paul bei Elsbeth und Hans Heitzer nicht nur sein neues Zuhause, sondern obendrein auch eine gefiederte Freundin. Als der quietschfidele Jungschwan bei den Heitzers ankam, hatte Elsbeth gerade einem Seidenhuhnküken Geburtshilfe geleistet, indem sie es aus dem Ei pellte. Die Hühnermutter, ganz unfein, war mit den Geschwistern abgehauen und hatte das bereits von innen angepickte Ei zurückgelassen. „Weil das Hühnchen Glück hatte, dass es überhaupt noch lebt, habe ich es Lucky genannt“, erzählt Elsbeth Heitzer.

Schicksalsgenossen

Paul gesellte sich zu Lucky und ab diesem Augenblick waren die beiden Schicksalsgenossen dicke Freunde. Die Unzertrennlichen unternahmen Ausflüge auf dem Hof und tobten verspielt herum.Nun liegt es in der Natur der Schwäne, dass diese einen Teich zum Schwimmen brauchen, doch bei Hühnern ist das ganz anders. So glitt Paul übers Wasser – und Lucky sprang hinterher. Nun ist es bei Hühnern bekanntlich nicht besonders gut ums Schwimmen bestellt, besonders bei Seidenhühnern saugt sich der Pflaum sofort voll Wasser. Schnell musste Elsbeth Heitzer Lucky vor dem Ertrinken retten. Das Huhn ist offenbar lernfähig, denn nun bleibt Lucky am Teichrand sitzen und schaut dem Schwimmer zu. Paul ist zwischenzeitlich zu einem stattlichen Schwan herangewachsen und breitet täglich sein imposantes Gefieder aus. Nun, kurz vor der Flugreife, ist es an der Zeit, den Schwan auszuwildern. Der Brückenkopfpark in Jülich erschien den Heitzers und den Löckenhoffs nicht als geeignet, denn das dortige Schwanenpaar attackierte Paul sofort und hätte ihn auch getötet. Paul brauchte ein unbesetztes Revier – mit dem Tierpark in Alsdorf fanden die Tierfreunde ein ideales Areal. Hier gibt es neben viel Auslauf einen Teich mit Enten und Gänsen, aber ohne Schwäne.

Umsiedlungsaktion überwacht

Hier können sich Tierfreunde um Paul kümmern und ihn bei Bedarf füttern, denn es steht die kalte Jahreszeit vor der Türe. Seine Lieblingsspeise ist übrigens Entengrütze, Salat und Myrrhe, aber auch Körner und normales Gras verschmäht er nicht. Elsbeth und Silke überwachten die Umsiedlungsaktion und fanden auch einen Pfleger, der regelmäßig nach Paul schauen wird. Die tierische Liebe zwischen Lucky und Paul allerdings endete damit. Das Huhn wird in freier Wildbahn dem Schwan keine Gesellschaft leisten können.

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