Wie sauber sind unsere Schultoiletten?

Von: Laura Beemelmanns
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Unsaubere Schultoiletten sind ein Ärgernis. Wir haben genauer hingesehen. Foto: German Toilet Organization

Geilenkirchen. Sie stinkt, sieht zum Teil unschön aus und einige verzichten freiwillig darauf, sie auszusuchen – die Schultoilette. Laut einer Befragung der German Toilet Organization (GTO) meiden rund 70 Prozent der Kinder und Jugend­lichen die sanitären Einrichtungen an ihrer Schule. Nicht nachgefülltes Toilettenpapier, fehlende Seife und Dreck sind die Hauptursachen dafür.

Der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ) hat sogar vor gesundheitlichen Risiken gewarnt. Schüler tränken demnach weniger, um seltener auf die Toilette zu müssen. Der Mangel an Flüssigkeit kann zu Kopfschmerzen oder Konzentrationsschwierigkeiten führen. Grund genug, Geilenkirchens Schultoiletten genauer unter die Lupe zu nehmen.

Zum Teil unzumutbar

Uwe Böken, Schulleiter der Anita-Lichtenstein-Gesamtschule, sagt: „Die Ausstattung unserer Toiletten ist seit längerer Zeit nicht gut. Die Anlage ist renovierungsbedürftig. Seit geraumer Zeit sind wir diesbezüglich mit dem Schulträger im Gespräch. Einzelne Kabinen wurden instand gesetzt.“ Zufriedenheit klingt anders, denn „die Materialien, die in diesen Bereichen verbaut wurden und werden, sind einfach nicht für diese Beanspruchung ausgelegt. Hier wäre dringend eine Verbesserung wünschenswert.“ In der Gesamtschule gibt es zehn Toilettenkabinen und vier Waschbecken für rund 1050 Schüler. Und die sind zum Teil in einem unzumutbaren Zustand.

Ein Blick in die Räume verdeutlicht das Problem: Viele der Schlösser wurden zerstört, so dass zwei Schüler gleichzeitig zur Toilette gehen – einer hält die Tür zu. In den Pausen bilden sich lange Schlangen. Außerdem wurden immer wieder Toiletten mit ganzen Papierrollen verstopft. Das Papier muss deshalb nun beim Hausmeister abgeholt werden.

Überraschenderweise sehen die Mädchentoiletten schlimmer aus als die der Jungs. Dort sind Türen der einzelnen Kabinen verbeult und beschmiert. „Es wäre von Vorteil, wenn seitens der Schulträger Aufsichtspersonen für die Toiletten bereitgestellt würden. Die Lehrerinnen und Lehrer leisten das während der Pausen, können dies aber natürlich nicht während der Unterrichtszeiten“, sagt Böken, und: „Seit 2010 bin ich Schulleiter und seitdem beschäftige ich mich mit dem Thema.“

Schlösser defekt

Schülersprecher Leon Simons sieht das ähnlich: „Der Zustand der Toiletten ist im Moment untragbar. Leider. Nicht nur Verschmutzungen sind ein Problem, nein, auch der Zustand der Anlage an sich. In der Jungentoilette beispielsweise funktionieren nur circa zwei von sechs Schlössern.“

Für das Problem findet sich erstmal keine Lösung. „Die Schülerschaft beschwert sich auch zunehmend, deswegen sollte man meinen, dass die Schüler und Eltern bereit wären, einen Obolus zu zahlen – für eine WC-Dame oder ähnliches –, aber auf die bisherigen Versuche, mit den Eltern Kontakt aufzunehmen, kam nur eine übersichtliche Anzahl von Rückmeldungen. Tatsache ist, dass durch die wenigen, ich nenn‘ sie jetzt mal salopp ,Idioten‘, die die Toiletten immer wieder kaputt machen oder verschmutzen, die Toiletten ihre besten Tage hinter sich haben.“

Am Carolus-Magnus-Gymnasium sieht es nicht viel besser aus: Auf 700 Schüler kommen dort für die Jungs 19 Urinale, zwölf Sitzaborte, acht Waschbecken und für die Mädchen 22 Sitzaborte und ebenfalls acht Waschbecken. „Die Toiletten sind so alt wie das Haus, circa 48 Jahre. Da gibt es altersbedingt viel zu tun“, sagt Schulleiter Dr. Hans Münstermann. „Eine umfassende Renovierung ist fällig. Alle wissen das, aber wir wissen auch alle, dass kein Geld da ist. Wir leben in einer armen Gemeinde, und da muss man versuchen, mit dem Nötigsten auszukommen. Aber festzuhalten bleibt: Der Besuch der Schultoilette ist nicht vergnügungssteuerpflichtig, und wir hoffen alle, dass bald eine Renovierung möglich ist.“

Wolfgang Lindner, stellvertretender Schulleiter des Berufskollegs Ernährung, Sozialwesen, Technik des Kreises Heinsberg in Geilenkirchen berichtet: „Wir sind soweit zufrieden, der Kreis Heinsberg hat in den letzten Jahren viel für die Ausstattung der Schule getan, speziell für die Toilettenanlagen. In drei von vier Trakten wurden in den letzten fünf Jahren die Toilettenanlagen teil- oder komplettsaniert. Wir beobachten auch, dass es für solch eine große Schule wie die unsere relativ wenig Vandalismus gibt. Wir führen das auf die gute Ausstattung, Sauberkeit und darauf zurück, dass wir die Toilettenanlagen täglich mehrfach durch Aufsichtskräfte kontrollieren lassen.“

Insgesamt gibt es dort 50 Toiletten und 35 Waschbecken, dazu kommen Waschbecken in den Sporthallen-Umkleiden für etwa 2400 Schüler. Allerdings seien davon an jedem Tag der Woche nur circa 800 bis 1400 vor Ort, rund 200 befänden sich in der JVA Heinsberg im Vollzug und nie auf dem Campus in Geilenkirchen, schildert Lindner. Aber auch er sieht noch Verbesserungspotenzial: „Eine Überlegung ist, spezielle Händetrockner neuester Bauart statt Papierhandtüchern anzubieten. Diese Geräte sind allerdings teuer. Am BK Wirtschaft nebenan wurde jetzt probeweise ein solches Gerät installiert und man wartet die Erfahrungen ab.“ Eine eigene Arbeitsgruppe verfolge Neuestes aus der Forschung und Projekte an anderen Schulen rund um Sauberkeit und Ordnung auf Toiletten.

Die beiden Schülersprecher Tino Schösser und Jaqueline Jagusch berichten: „Es ist schon wesentlich besser als im letzten Jahr. Da sahen die Toiletten in unserem Trakt zum Teil wie Bahnhofstoiletten aus “, so Jagusch. „Ich bin überrascht, dass sie so sauber sind – auch noch am Ende des Tages“, sagt Schösser. Es liegen zwar ein paar Papiertücher auf dem Boden und die Spiegel sind keine richtigen Spiegel, sondern lediglich Verblendungen. Darüber können die Schüler jedoch hinwegsehen. „Die Toiletten sind nicht perfekt. Das ist hier auch immer wieder ein Thema – besonders bei der Schülervertretung. Im Augenblick ist es allerdings kein Thema mehr, und das spricht für sich“, erläutert Ursula Göricke, SV-Lehrerin am Berufskolleg.

In der Gemeinschaftsgrundschule Palenberg sind die Toilettenanlagen ebenfalls in gutem Zustand. Sie sind sauber, es riecht nicht unangenehm. Zudem gibt es sogenannte Not-Toiletten, die von den Schülern während des Unterrichts benutzt werden können. Die sind zwar sehr schmal und teilweise mit Handtüchern statt mit den hygienischeren Papiertüchern ausgestattet, aber: „Die Schüler müssen dann nicht alleine über den Schulhof zu den Toilettenanlagen laufen“, sagt Schulleiterin Martina Eichler. Und die Handtücher würden täglich gewaschen.

Auf 21 Toiletten und 33 Waschbecken kämen 250 Schüler. Vandalismus gebe es nur selten: „Das passiert auch hin und wieder, aber wir sprechen mit den Schülern, zeigen ihnen auch regelmäßig, wie man sich richtig die Hände wäscht und mit den Anlagen umgeht“, sagt Eichler.

Verschiedene Modelle

In Nordrhein-Westfalen gibt es inzwischen verschiedene Modelle, um Zerstörungswut und Verschmutzung vorzubeugen. In einigen Schulen müssen Schüler zehn Cent pro Toilettengang bezahlen, in Dortmund wird bereits die Einführung eines Toiletten-Tüvs diskutiert. Die Website schulklo.de bietet Tipps für die optimale Gestaltung. Dort wird auch vorgeschlagen, Graffitiwände zu schaffen, um unkontrolliertes Geschmiere zu verhindern.

Strichcodes und Listen

Im Berufskolleg wurde zeitweise eine Liste geführt. Dort sollte sich jeder Schüler eintragen, wenn er zur Toilette ging. „Das hat den Unterricht gestört und die Liste hat gar nichts gebracht“, berichtet Jaqueline Jagusch.

An der Anita-Lichtenstein-Gesamtschule wurde über eine Art Strichcode-System diskutiert. Die Schüler würden dann ihren Schülerausweis einscannen. Die Anzahl der Schüler, die im Falle von Vandalismus in Frage kämen, könnte so eingegrenzt werden. Und die SV signalisierte sogar Bereitschaft, sich finanziell und handwerklich einzubringen.

Das sei jedoch alles Zukunftsmusik, sagt Schulleiter Böken, und ob es sinnvoll wäre, wisse man nun auch noch nicht. Er betont: „Es ist immer nur eine verschwindend geringe Zahl von Schülern, die das machen, darunter leiden dann aber alle anderen.“

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