Wie es in der Ausbildung zugeht: Berufsinfo-Tag des Handwerks

Von: Simone Thelen
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Unterwegs im Auftrag der Bauinnung: Berufsschullehrer Thorsten Bohm, die Maurerlehrlinge Tim Schuivens und Dennis Freialdenhofen und Lehrer Stefan Hof (von links) machen Werbung für den Berufsinformationstag am Berufskolleg Geilenkirchen. Foto: Simone Thelen
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Haben Lust bekommen auf eine Ausbildung als Maurer: Elias Kopatsikas und Marc Faber, Schüler der Anita-Lichtenstein-Gesamtschule.

Geilenkirchen. In der traditionellen Maurerkluft fühlen sich Tim Schuivens und Dennis Freialdenhofen schon ziemlich wohl. Nur mit dem Hut können sie sich noch nicht so ganz anfreunden. „Aber das kommt bestimmt noch“, meinen die beiden Lehrlinge, 17 und 21 Jahre alt, die gerade ihr erstes Ausbildungsjahr absolvieren. Die Kluft hat die Innung ihnen spendiert.

In angemessener und traditioneller Handwerkskleidung tingeln sie nun zusammen mit zwei Lehrern durch die Schulen im Kreis Heinsberg. Dort machen sie Werbung für den 4. Berufsinformationstag des Heinsberger Handwerks. Er findet statt am kommenden Samstag, 4. Februar.

Sehr souverän wirken die beiden, wenn sie von ihrem Beruf erzählen. Tim Schuivens hat noch vor einem Jahr selbst bei einer solchen Vorstellung in seiner Klasse gesessen und anschließend den Infotag besucht: „Eigentlich wollte ich etwas im sozialen Bereich machen, aber dann habe ich mich für einen Beruf entschieden, der mehr Abwechslung bietet.“ Die Verdienstmöglichkeiten haben bei der Entscheidung sicher auch eine Rolle gespielt, denn „als Maurer kann man auch gutes Geld verdienen“.

Das kann auch Thorsten Bohm bestätigen. Der Lehrer ist selbst Handwerker, gelernter Schreiner, und nun seit fast 20 Jahren am Berufskolleg in Geilenkirchen. Er bedauert: „Viele Jugendliche meinen, sie müssten unbedingt weiter zur Schule gehen, um dann später mit möglichst wenig Aufwand viel Geld zu verdienen.“ Dabei sei für viele eine Ausbildung im Handwerk die bessere Alternative. „Unsere Auszubildenden machen größtenteils sehr gute Erfahrungen. Sie sind zufrieden mit ihrem Beruf und verdienen gutes Geld. Mit fast 1400 Euro brutto im dritten Lehrjahr liegen sie damit sogar noch über dem Gesellengehalt bei anderen Berufen.“

„Das gesamte Handwerk sucht Nachwuchs“, sagt Lehrerkollege Stefan Hof. „Aber wir nehmen eben auch nicht jeden, sondern nur gute Leute.“ Dabei komme es nicht auf die Noten im Zeugnis an. Viel wichtiger seien Zuverlässigkeit und der Wille, Neues zu lernen und anzupacken. „Und nach der Ausbildung stehen viele Wege offen. Mit dem Fachabitur ist auch ein späteres Studium nicht ausgeschlossen.“

Dennis Freialdenhofen hat vor seiner Maurerlehre schon eine Ausbildung zum Verpackungsmittelmechaniker gemacht. Da hier derzeit immer mehr Stellen von Leiharbeitern ausgefüllt würden, habe er sich nach einem zweiten Berufsweg umgesehen und die Entscheidung, Maurer zu werden, nicht bereut. „Man ist viel an der frischen Luft“, erzählt er den Schülern und lässt dabei auch nicht unerwähnt, dass man sich bei sehr schlechtem Wetter auch schon einmal über zusätzliche freie Tage freuen könne.

„Mir macht aber vor allem die Arbeit im Team viel Spaß. Ich habe immer die Chance, mich zu beweisen und auch meinem Chef zu zeigen, dass er sich auf mich verlassen kann. Und es ist immer ein tolles Gefühl, die Häuser, an denen wir mitgearbeitet haben, noch einmal zu sehen, wenn sie fertig sind.“ Wenn dort eine junge Familie wohne, die durch den Einsatz der Maurer ein neues Zuhause bekommen hat, dann sei das ein echtes Erfolgserlebnis.

Insgesamt biete die Ausbildung zum Mauerer viel Positives. Tim Schuivens: „Auch der überbetriebliche Block in Simmerath macht viel Spaß. Man lernt die anderen Gewerke kennen, tauscht sich aus – und kann am Abend auch gemeinsam seine Freizeit verbringen“. Dass es für jene Lehrlinge, die – wie Tim Schuivens und Dennis Freialdenhofen auch – über Nacht in Simmerath bleiben, auch ein Sky-Abonnement im Internat gibt, spielt für die Zufriedenheit vielleicht auch eine Rolle. „Und wir haben die weltbesten Lehrer“, sind sich beide einig.

Praktikum ist der Einstieg

Elias Kopatsikas und Marc Faber sind Schüler der Anita-Lichtenstein-Gesamtschule in Geilenkirchen. Die beiden 16-Jährigen besuchen die zehnte Klasse und haben sich noch nicht entschieden, welchen Weg sie einschlagen möchten. Elias Kopatsikas hadert noch, ob er die Oberstufe besuchen oder lieber eine Ausbildung machen soll. Nach dem Vortrag ist er aber zumindest um eine Perspektive reicher: „Ich fand das sehr interessant und könnte mir durchaus vorstellen, auch mal ein Praktikum als Maurer zu machen, in den Beruf reinzuschnuppern und mich eventuell auch für eine Ausbildung zu bewerben.“

Genau hier setzt der Berufsinformationstag an. Thorsten Bohm: „Hier treffen sich Schüler, Lehrer, Auszubildende und auch Ausbildungsbetriebe. In Praxisbereichen können die verschiedenen Berufe ausprobiert werden, es werden Kontakte geknüpft und oft sogar Termine für Probetage und Praktika vereinbart.“ Ein guter Eindruck beim Praktikum sei oft die Eintrittskarte in die erfolgreiche Ausbildung. „Darum ist es so wichtig, dass wir an die Schulen gehen. Wir möchten den Gedanken säen, dass es eine Alternative im Handwerk gibt.“

Wenn Tim Schuivens und Dennis Freialdenhofen ihre Maurerkluft in zwei Jahren noch einmal tragen, werden sie einen Grund zur Freude haben. Hose, Weste und Hut werden nämlich gerne bei der Lossprechungsfeier, der Verabschiedung der Auszubildenden in den Gesellen-Status, getragen. Die Gürtelschnalle symbolisiert die jeweilige Zunft. „Bis dahin müssen wir uns aber bestimmt eine neue Hose kaufen“, meinen die beiden, denn die jetzige möchten sie – aus praktischen Gründen – auch schon gerne zur Arbeit tragen.

Dabei können sie sich schon einmal an das Gefühl gewöhnen, welches sie bestimmt nach ihrer erfolgreichen Ausbildung haben werden. Dann sind aus den Lehrlingen gestandene Männer geworden.

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