Geilenkirchen - Wie es im KZ war: Lesung aus dem Buch von Viktor Emil Frankl

Wie es im KZ war: Lesung aus dem Buch von Viktor Emil Frankl

Von: mabie
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Elke Bennetreu vom evangelischen Erwachsenenbildungswerk im Kirchenkreis Jülich liest und berichtet über das Leben und Überleben des österreichischen Psychologen Viktor Emil Frankl im KZ. Foto: Markus Bienwald

Geilenkirchen. „Der Außenstehende macht sich keine Vorstellung davon, wie es wirklich im KZ ist“, da sind sich Elke Bennetreu und die 15 Zuhörer einig gewesen, die sich im evangelischen Gemeindezentrum in Hünshoven trafen. Sie hörten Auszüge aus dem Buch „…trotzdem Ja zum Leben sagen“ des österreichischen Psychologen Viktor Emil Frankl.

Der Mediziner gilt nicht nur als Begründer der Logotherapie und Existenzanalyse, als Jude war er während des Dritten Reiches auch in verschiedenen Konzentrationslagern interniert.

Frankl, der 1945 als KZ-Insasse von der US-Armee aus dem Lager Türkheim befreit wurde, vertrat schon kurz nach Kriegsende die Ansicht, dass vor allem Versöhnung ein sinnvoller Ausweg aus den Katastrophen des Zweiten Weltkriegs und dem Verbrechen Holocaust sein könnten. Wie er, der mit seiner Frau Tilly schon im September 1942 ins KZ Theresienstadt und im Oktober 1944 nach Auschwitz gebracht wurde, den Wahnsinn des Lagers erlebte, schilderte die Lesung eindringlich.

An erster Stelle stand da die Entpersonalisierung der Menschen, denn Frankl war fortan nur noch Nummer 119104, kein Individuum mehr. Elke Bennetreu, die für das evangelische Erwachsenenbildungswerk zum Thema referierte, gelang eine beeindruckende und bedrückende Mischung aus gelesenen Passagen und der Beschreibung von Lebens- und Überlebensumständen. „Auschwitz war damals ein Begriff“, sagte sie, „der Inbegriff von Gaskammern und Krematoriumsöfen“.

Das Lager, dessen ungeheure Dimensionen Frankl schon auf der Deportation per Bahn dorthin auffallen, sollte das Leben der Insassen für immer auf grausame Weise verändern. Von den vergleichsweise winzigen Fingerzeigen des SS-Offiziers bei der ersten „Selektion“, die über das Leben in der Zwangsarbeit oder den Tod im Gas entschieden, über das Desinfektionsbad bis zu der Erkenntnis, dass nichts bleibt, als die nackte Existenz, reichen seine eindringlichen Beschreibungen.

„Irgendwann wurde dabei das normale Gefühlsleben abgetötet“, berichtete Bennetreu, sämtliche Regungen wie Ekel oder Abscheu seien abgeschaltet worden. Die von Frankl in tiefgehende Worte gefasste Entwertung des Menschen in der NS-Diktatur packte dabei auch die Vortragende selbst. „Es ist schon etwas Eigenes, das laut vorzulesen, statt es im Stillen zu lesen“, sagte sie sichtlich beeindruckt.

Die Anwesenden konnten dem nur zustimmen, wandten sich beinahe ab angesichts der permanenten Flucht nach innen, die für die KZ-Insassen an der Tagesordnung war. Aber dennoch hielten sie aus, was dort in mehr als deutlichen Worten zu hören war, ließen es zu, dass die Worte sie berührten und fühlten auch die Träume derer nach, die ins KZ gezwungen wurden.

„Sie träumten von Brot, sogar von einem Bad oder einer Torte, aber, was diese Träume den Träumenden antaten, das war eine Sache für sich“, sagte Elke Bennetreu am Ende eines nachhaltig beeindruckenden Abends.

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