„Wie ein Jagdhund, den man zum Jagen tragen muss“

Von: Dettmar Fischer
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Freie Sicht? Von wegen. Zurzeit ergibt sich beim Blick in Richtung Gangelter Stadtmauer ein ähnliches Bild, wie es sich ergeben könnte, wenn die Fläche vor der Stadtmauer bebaut würde. Dann würden halt Mauern statt Mais die Sicht verdecken. Foto: Dettmar Fischer

Gangelt. Aus Mais macht man Popcorn, und Popcorn knallt ja gewaltig, wenn die Schale platzt. Karl-Heinz-Milthaler, Urgestein der Gangelter CDU, platzte im Bauausschuss der Gemeinde Gangelt hingegen der Kragen – und zwar ob der „Frechheiten“, die Hans-Günter Heinen von den Freien Wählern in der Sitzung seiner Meinung nach artikulierte.

Grund des Disputs war das Maisfeld vor der Gangelter Stadtmauer, das derzeit auf dem Boden gedeiht, auf dem die Familie Conzen einmal eine Seniorenresidenz erbauen möchte. Der Mais stehe dort nicht im Einvernehmen mit dem Bebauungsplan 36, hatten die Freien Wähler in einem Antrag zur Bauausschusssitzung festgestellt. In dem Antrag heißt es: „In Zusammenhang mit Recherchen zur geplanten Bebauung dieser Fläche ist uns aufgefallen, dass Familie Conzen ohne Berechtigung auf einem erheblichen Teil der ausgewiesenen Wiesenfläche Mais ausgesät hat.

Das erstmalige Aussähen von Mais, zusätzlich zur erlaubten Anbaufläche, soll wohl die Gangelter Bürger auf die durch die geplante Wohnresidenz versperrte Sicht der Gangelter Silhouette vorbereiten! Solch einem unrechtmäßigen Verhalten hätte die Verwaltung Einhalt gebieten müssen. Eine sofortige Zerstörung der Aussaat verlangen wir nicht! Wir erwarten aber, dass die Verwaltung darauf besteht, dass die Vereinbarung von 1993, ausgewiesen im B-Plan, sofort nach der Ernte umgesetzt wird.“

Daraus wurde dann aber nix, die Mehrheit im Bauausschuss schloss sich der Linie von Bürgermeister Bernhard Tholen an. Tholen: „Diese Fläche war auch damals schon, nach denen, die ich befragt habe, Ackerland.“ Tholen verwies auf die derzeit laufenden Gespräche, die er mit dem Denkmalschutz und dem Investor mit dem Ziel führe, einen Kompromiss zum Wohnresidenzbau zustande zu bringen.

Hinsichtlich dieser Verhandlungen sei eine Aktion, wie sie die Freien Wähler nun forderten, nicht zielführend. Der Kompromiss könne darin bestehen, so der Bürgermeister zur aktuellen Verhandlungssituation, dass eventuell auf einer anderen Fläche die Seniorenresidenz gebaut werde und die Gemeinde im Rahmen der Städtebauförderung die Stadtmauer aufwerten könne. Wenn man den Bürgermeister richtig verstand, wollte er einen Kompromiss, dessen Zustandekommen zurzeit zumindest nicht auszuschließen zu sein scheint, nicht dadurch gefährden, dass der Unmut des Investors wegen eines Maisfeldes erregt wird.

Aufgrund der zwischen der Gemeinde Gangelt und der Familie Conzen 1992 geschlossenen Vereinbarung, die den Bebauungsplan 36 für die Fläche vor der Stadtmauer zur Folge hatte, dürfte wohl unstrittig sein, dass das Maisfeld auf Wiesenland steht. Dieser Ansicht konnte sich auch Achim Phillippen von der SPD nicht verschließen und enthielt sich der Stimme bei der Abstimmung über den Antrag der Freien Wähler.

Da lediglich die Unabhängigen Bürger und die Freien Wähler mit insgesamt zwei Stimmen für den Antrag stimmten, ging selbiger baden. Heinen hatte in der Begründung seines Antrages seinem Unmut Luft verschafft und unter anderem die „unheimliche Großzügigkeit“ der Verwaltung gegenüber der Familie Conzen scharf kritisiert. Die Verwaltung agiere wie ein Jagdhund, den man zum Jagen tragen müsse, so Heinen.

Karl-Heinz Milthaler konterte, ob der „aggressiven“ Wortwahl Heinens: „Was Sie in einer Sitzung an Frechheiten schaffen, habe ich in 34 Jahren nicht geschafft.“ Milthaler sprach sich wie der Bürgermeister dafür aus, einen Kompromiss in Sachen Seniorenresidenz zu suchen: „Wir sind doch alle für dieses Projekt, vielleicht nur nicht an dieser Stelle.“

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