Wie der „Tannenbaumverein“ die Flüchtlinge integrieren will

Von: Markus Bienwald
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Karl-Heinz Gast (l.) und Hans-Jürgen Esser vom Linderner Verein „Oh! Tannenbaum!“ wünschen sich mehr persönliche Begegnungen mit Flüchtlingen, um sie ins Dorfleben zu integrieren. Foto: Markus Bienwald

Geilenkirchen. Dass Karl-Heinz Gast und Hans-Jürgen Esser kommunikativ sind, merkt wirklich jeder, der sich mal ein wenig mit ihnen unterhält. Und dass sie in ihrer Arbeit für den Ort im offiziell „Oh! Tannenbaum!“ genannten Verein für Brauchtum, Kultur und Geschichte auch für die kürzlich in ihrem Heimatort Lindern angekommenen Flüchtlinge einsetzen, ist ebenfalls allseits bekannt.

Doch sie wünschen sich etwas, das offizielle Dienststellen auch wegen der engen personellen Besetzung nicht immer liefern können. Über die Stadt Geilenkirchen würden Flüchtlinge zwar professionell betreut, wie beide betonen, aber das Persönliche, das entscheidend zum Wohlfühlen gerade in einer neuen Umgebung beiträgt, das fehlt ihnen. „Wenn die Flüchtlinge ankommen, wollen wir selbst mit ihnen sprechen“, sagt Gast.

Als Gastgeber will er sich und seine Mitstreiter verstanden wissen, mit Helfern angesichts von 35 Nationen zwangsläufig entstehende Sprachbarrieren überwinden. „Denn je mehr die Bevölkerungsgruppen in Lindern aufeinander zugehen, desto mehr werden sie gegenseitiges Verständnis für die jeweilige Situation aufbringen“, ist Gast sicher.

Dass die Linderner Ortsvereine sich der Flüchtlingsarbeit angenommen haben, begrüßt er ebenfalls. „Aus meiner Sicht können die Ortsvereine die Dinge zusammenfassen und koordinieren“, meint Gast. Aber er sieht wie Vereinskollege Hans-Jürgen Esser auch ein Problem: „Die Ortsvereine selbst können die Aufgabe nicht bewältigen“, unterstreicht Esser. So will der Verein „Oh! Tannenbaum!“, der sich 2012 eigentlich nur mit dem Ziel gründete, einen Tannenbaum im Ortsteil Lindern aufzustellen, der aus Kostengründen von der Stadt gestrichen worden war, in Sachen Netzwerkarbeit zuliefern.

Der Sprachendienst, den der Verein in Zusammenarbeit mit vielen Freiwilligen anbietet, soll dabei eine wichtige Rolle spielen. „Um an die Sorgen und Vorstellungen der Flüchtlinge heranzukommen, ist ein Sprachendienst unerlässlich“, findet Gast. Nun hat der Verein Helfer gefunden, die sich unter anderem in Arabisch, Französisch, Spanisch, Türkisch oder Englisch verständigen können, um den aktuell rund 70 Flüchtlingen in Lindern zu helfen, die Hemmschwelle Sprache zu überwinden.

„Unsere Übersetzer sind allerdings fast alle berufstätig“, spricht Esser ein Problem bei dieser Konstellation an. Dennoch wollen die Freiwilligen in Lindern alles dafür tun, dass ihre Hilfe auch ankommt. „Und wir nehmen mit offenen Armen Leute auf, die uns unterstützen“, stellt Karl-Heinz Gast klar.

Er wünscht sich, dass möglichst viele Menschen mitmachen und sich als eine Art Flüchtlingslotse engagieren, um das gemeinsame Leben im Dorf zu sichern. „Um den Dorffrieden in jeder Weise zu erhalten, sind diese Einbindungen sehr wichtig“, findet Gast. So will er über gegenseitige Begegnungen den Boden für die Linderner Willkommenskultur bereiten. Eine gute Gelegenheit dazu sehen Gast und Esser übrigens im „Anleuchten“ zur Adventszeit, das eine Erinnerung an die Vereinsgründung ist.

Denn damit wird dem ersten Adventssonntag 2012 gedacht, als der Verein den ersten Tannenbaum selbst stiftete und in einem kleinen, aber feinen Weihnachtsmarkt am Bahnhof zeigte. Auch in diesem Jahr steht die kleine Budenstadt mit ihren 30 Helfern ab 16 Uhr bereit, um den Menschen Freude zu bringen. „Und die Flüchtlinge sind natürlich herzlich dazu eingeladen“, betont Gast.

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