Geilenkirchen - Wie den Bibern der Appetit verdorben werden soll

Wie den Bibern der Appetit verdorben werden soll

Von: jpm
Letzte Aktualisierung:
12123869.jpg
Kleinholz wohin man schaut: Sauberer bekämen es auch die Jungs vom Landesbetrieb Wald und Holz nicht hin. Foto: Jan Mönch

Geilenkirchen. Eigentlich ist es ja eine positive Meldung, für die Umwelt und für alle, denen der Artenschutz am Herzen liegt: Schon seit einiger Zeit breitet sich der Biber, eine stark gefährdete und entsprechend stark geschützte Tierart, im Rheinland wieder aus. Mindestens ein, wahrscheinlich mehrere Exemplare des Nagers fühlen sich in Geilenkirchen wohl. Das sieht man auch den Bäumen in seinem Lebensraum an.

Und damit sind wir auch schon beim negativen Aspekt an der ganzen Geschichte: Der Biber nagt sich durch den Wald, als gäbe es kein Morgen.

Wolfgang Jansen von der Kreisjägerschaft hat die Auswirkungen erstmals vor zwei Jahren festgestellt. Und weil das Problem allmählich Überhand nahm, hat er nun gemeinsam mit drei Gleichgesinnten Maßnahmen ergriffen: Dem Biber soll der Appetit vergehen. Denn es ist ja sonnenklar, dass das Tier bei seiner Auswahl nicht auf dem Schirm hat, ob ein Baum möglicherweise besonders schützenswert ist. Innerhalb einer Nacht schaffe der Biber Stämme mit einer Dicke von bis zu 50 Zentimetern – abhängig von der Härte des Holzes, weiß Jansen.

An den Ausläufern der Wurm, wo immer wieder Bäume umgelegt wurden, haben Jansen und seine Mitstreiter die Stämme besonders wertvoller Bäume, sogenannter Solitärbäume, bis zu einer Höhe von 1,20 Meter dick mit einem sogenannten Langzeitschälschutz eingestrichen. Der ist sandig, was den Zähnen des Bibers nicht gut bekommt. „Und die Zähne sind die Lebensversicherung des Bibers“, sagt Jansen. Das weiß der Biber, und deshalb lässt er von diesen Bäumen ab.

Wolfgang Jansen hat lange versucht, Hilfe zu bekommen. Der Nabu beispielsweise habe sich aber nicht sonderlich für das Thema interessiert, worüber Jansen, der auch den Geilenkirchener Bauhof leitet, sich wundert. „Wenn aus Gründen der Verkehrssicherungspflicht Bäume gefällt werden müssen, gibt es jedes Mal einen riesigen Ärger“, sagt er. „Aber wenn ein Biber reihenweise Bäume fällt, ist das anscheinend uninteressant.“

Schließlich erhielten Jansen und die drei anderen Jäger Unterstützung von der Unteren Landschaftsbehörde des Kreises Heinsberg. Diese stellte den Schälschutz zur Verfügung, der pro Eimer schlappe 120 Euro kostet. Vor wenigen Tagen wurde mit dem „Anstreichen“ begonnen, womit man sich natürlich auf die schützenswerten Bäume beschränkt: Eichen und Buchen zum Beispiel oder Erlen und Schwarzerlen.

An kleinere oder weniger seltenen Baumarten soll der Biber sich ruhig verlustieren. Alles andere hätte ja auch nur eine Verlagerung des Problems zur Folge: Der Biber würde auf andere Gebiete ausweichen. Ein Stückweit wollen die vier Jäger mit der Aktion auch zeigen, dass sich auch Jäger für Umweltbelange einsetzen – gerade von Tierschützern wird ihnen dies ja häufig abgesprochen.

Selbst zu Gesicht bekommen hat Jansen den Biber, bei dem es sich um eine nachtaktive Tierart handelt, übrigens noch nicht. Er kann auch nicht sagen, um wie viele es sich handelt. Jedenfalls soll weiter am Schutz der wertvollen Bäume gearbeitet werden. 30 Stück wurden bislang angestrichen, jetzt ist der Schälschutz erst einmal alle. Eine andere Möglichkeit, sagt Wolfgang Jansen, wäre der Einsatz von Drahthosen.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert